Umgehungsstraße: Sind einigen die Augen aufgegangen?

Hasselroth

„Ich habe das Gefühl, einigen sind die Augen aufgegangen“, sagt Klaus Brönner rückblickend auf die gemeinsame Sitzung der Fraktionschefs aus Freigericht und Hasselroth, zu der er als Vorsitzender der Gemeindevertretung Freigericht am 29. Oktober 2014 nach Neuenhaßlau eingeladen hatte.

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Ortsschild HasselrothNach dem sich erste Sitzungsteilnehmer bereits positiv über den Verlauf geäußert hatten, stimmt auch Brönner in diesen Tenor ein: „Ich fand die Sitzung gut“, hält er neue Aktionen für denkbar, die möglicherweise doch noch den Bau einer Umgehungsstraße realistisch machen könnten. Der aktuelle Hoffnungsschimmer: Die Wiederaufnahme des ursprünglichen Planfeststellungsverfahrens für die Umgehungsstraße Freigericht/Hasselroth (wir berichteten), das angeblich trotz der Ablehnung aus Freigericht erst in zwei Jahren seine Gültigkeit verlieren soll. Dafür müsste sich aber zunächst das Freigerichter Parlament um entscheiden und ein entsprechender Antrag von einer anderen Fraktion als der CDU gestellt werden, deren jüngster Versuch nach der Ablehnung im Mai 2012 erneut gescheitert war.

Die Kritik seines am Mittwoch ebenfalls anwesenden Amtskollegen Helmut Müller, der Vorsitzende der Hasselrother Gemeindevertretung fühlte sich der Einberufung dieser gemeinsamen Sitzung der Fraktionen übergangen, weist Brönner unterdessen auf die ihm eigene Art von sich: „Er hätte ja auch zu der Sitzung einladen können, aber er kam halt nicht auf die Idee.“ Brönner hält es für sinnvoll, dass ein derartiges Treffen zweimal im Jahr stattfindet und erwartet in Zukunft Fortschritte bei der interkommunalen Zusammenarbeit: „Da kommt jetzt einiges, da bin ich mir sicher.“

Allerdings: Eine Einigkeit unter den führenden Lokalpolitiker beider Gemeinden über den Bau einer Umgehungsstraße scheint dafür dringend notwendig. Als „Wackelkandidat“ gilt vor allem die UWG-Fraktion, bislang zumindest mehrheitlich noch dagegen, währenddessen die Freigerichter Sozialdemokraten anscheinend bei ihrem „Nein“ bleiben. „Die Freigerichter SPD legt Wert auf die Feststellung, dass wir eine Entlastung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger in Hasselroth und Freigericht für dringend geboten halten und uns dafür einsetzen. Nur: Eine Umgehungsstraße darf keinen Schaden für Freigericht bringen“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Joachim Heldt im Nachgang der Sitzung. „Als Freigerichter Gemeindevertreter übernehmen wir Verantwortung für das Wohlergehen unserer Gemeinde und haben daher konsequent gehandelt und die Planung abgelehnt. Derzeit sehen wir keine Veranlassung zu einer Änderung dieser Haltung. Einer der zahlreichen Gründe für eine Ablehnung, war unter anderem die Zerstörung der Vereinsanlage vom DJK Neuses, die enge Trassenführung am Pfaffenbusch und die damit verbundene Lärmbelastung, der Rückbau der Landstraße zwischen Horbach und Neuses sowie die Trassenführung dicht an der Kopernikusschule ohne einen sicheren Übergang. Auch unsere Kinder haben ein Recht auf einen sicheren Schulweg. Alle diese Einwendungen haben wir wiederholt vorgetragen und es ist unseren Wünschen nicht ein einziges Mal entsprochen worden“, so Heldt weiter, der aber ein „Hintertürchen“ offen lässt: „Wenn das Thema gemeinsam aufgenommen werden sollte, muss auch sichergestellt werden, dass zuvordie gravierenden Planungsmängel beseitigt werden. Dafür gab es bislang von Hessen Mobil keinerlei entgegenkommen. Wenn eine Umgehung so an den Bürgern vorbei geplant wird, braucht man sich hinterher nicht zu wundern, wenn das Projekt breite Ablehnung erfährt. Die Freigerichter SPD will betroffene Bürgerinnen und Bürger entlasten. Aber nicht um den Preis der Zerschneidung der Gemeinde durch eine mehr als fragwürdige Trassenführung.“

Ein klares Nein zu den bisherigen Plänen der Umgehungsstraße Freigericht/Hasselroth gab es bislang auch von den Freigerichter Grünen, deren Fraktionsvorsitzender Achim Kreis zunächst seine Fraktion über den Verlauf der Sitzung informieren will: „Konkrete Ergebnisse beziehungsweise Beschlüsse gab es ohnehin nicht, das war eher ein Abtasten. Es soll aber auf jeden Fall wiederholt und nach Möglichkeit zu einer festen Einrichtung werden, die beiden Gemeinden wollen also auf jeden Fall ihre Zusammenarbeit verfestigen und erweitern. Dies kann wohl als kleinster gemeinsamer Nenner gezählt werden, ein zartes Pflänzchen, das aber durchaus wachsen kann.“

Für die „Bürger für Freigericht“ hatte Raimund Seliger an der Sitzung teilgenommen und kündigt ein anderes Abstimmungsverhalten seiner Fraktion an: „Es hat sich gezeigt, dass Antrag der CDU, die Planfeststellung wieder aufzunehmen, in der jüngsten Gemeindevertretersitzung eigentlich zu früh war und besser erst nach dieser Sitzung am vergangenen Mittwoch hätte gestellt werden sollen. Ob die Wiederaufnahme der Planfeststellung Erfolg hat, steht nicht fest, ist aber ein Versuch wert. Es hat sich gezeigt, dass gerade bei schwierigen Themen, die beide Gemeinden betreffen, eine intensive interkommunale Diskussion nötig ist, um Missverständnisse, Anfeindungen, Darlegung der verschiedenen Auffassungen und Meinungen zu klären und auszuräumen.“

An eine Realisierung der Umgehungsstraße glaubt nach der gemeinsamen Sitzung unterdessen weiterhin auch die Hasselrother CDU: „Die Sitzung hat vielen ge­zeigt, dass man in das Projekt auch Wünsche einfließen lassen kann und sich nicht den Gege­benheiten von Hessen Mobil sang und klanglos hingeben muss, weshalb ich mir vorstellen kann, gemeinsam mit Freigericht die große Ortsumgehung zu realisieren, bevor die zweijäh­rige Frist und somit endgültig die bisherige Planung erlischt“, so der Fraktionsvorsitzende Andreas Wicklein. Anderen Vorschlägen erteilt er eine Absage: „Ein Verkehrskonzept kommt für uns nicht in Frage. Das Aufkommen von 12.000 Fahrzeugen täglich wird dadurch nicht weniger, man verlagert das Problem nur und schafft Nebenkriegs­schauplätze, bei denen dann ein Anderer der Leittragende ist. Ohne eine dementsprechende Entlastungsstrecke ist die Verkehrsproblematik nicht in den Griff zu bekommen.“

Keine Bewertung der Sitzung wollen momentan die Mitglieder der „Interessengemeinschaft Umgehungsstraße Hasselroth“ abgeben. Zunächst soll den politischen Gremien in Hasselroth Zeit gegeben werden, um zu einer Entscheidung zu kommen. Bis zum Januar erhoffen sich nicht nur sie neue Erkenntnisse.


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