Senioren-Wohnstift in Hasselroth: Bürgermeister kritisiert Standort-Wahl

Von Links: Gunther Reiter (Schleich & Haberl Holding GmbH), Bürgermeister Matthias Pfeifer und Residenzleiterin Pia Altmann.

Neuenhaßlau
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Gleich mit seinem ersten Satz legt Bürgermeister Matthias Pfeifer (Soziale Wählergemeinschaft) den Finger in die Wunde: „Der Standort ist nicht der Richtige“, sagte der Hasselrother Bürgermeister bei der ersten Pressekonferenz im neuen Pflegewohnstift im Ortsteil Neuenhaßlau, das mit knapp 17 Monaten Verspätung am 1. August offiziell eröffnet werden soll. Ein kapitaler Wasserschaden hatte den Start erheblich verzögert und nochmals für reichlich Ärger bei den Anwohnern wegen den neuerlichen Baumaßnahmen gesorgt. Damit soll nun in wenigen Wochen Schluss sein, vor allem die Parkplatzproblematik könnte in Zukunft aber weiterhin für reichlich Gesprächsbedarf sorgen.

Die Hasselrother Gemeindevertretung hatte das Gelände im ehemaligen Baugebiet Karlstraße viele Jahre für den Bau einer Seniorenanlage vorgehalten und ließ sich trotz kritischer Stimmen nicht mehr von diesem Standort abbringen. „Hier hätte die Kindertagesstätte hingehört mit Anbindung an Grundschule und Spielplatz“, sagt Pfeifer heute, der bei der finalen Entscheidung noch Gemeindevertreter war und nicht der Chef im Rathaus. Klar ist aber auch: „Der Blick zurück bringt jetzt nichts mehr“, hofft der Bürgermeister, dass sich mit dem Ende der Baumaßnahmen auch der Unmut bei den Anwohnern legt und es ein friedvolles Miteinander mit den zukünftigen Nachbarn im Seniorenwohnstift geben wird.

Residenzleiterin Pia Altmann kündigte zudem integrierende Maßnahmen an, um die Anwohner mit der neuen Einrichtung vertraut zu machen. Erste Gelegenheit für eine Besichtigung hat die Öffentlichkeit beim Tag der offenen Tür am Freitag, 17. Juni, von 11 bis 16 Uhr. In einem öffentlichen Café sollen nach der Eröffnung zudem auch Veranstaltungen angeboten werden, eine Nutzung durch Vereine soll ebenfalls möglich sein.

Das Wohnstift Hasselroth besteht aus 72 Einzelzimmern, teilweise rollstuhlgerecht, in zwei Wohnbereichen und 22 betreuten Wohnungen, 48 bis 83 Quadratmeter groß. Die Warmmiete soll bei 890 bis 1.500 Euro liegen, weitere Serviceleistungen aus der Anlage können dazugebucht werden. Verkauft wurden die Wohnungen und Zimmer von der Schleich & Haberl Holding GmbH aus dem bayerischen Pfarrkirchen, die die Wohnungen über mehrere Banken Kapitalanlegern angeboten hat. Eigentümer und Mieter werden daher in Hasselroth nicht identisch sein, allerdings konnten sich die Käufer ein bevorzugtes Belegungsrecht sichern, welches dann aber für alle über 8.000 entsprechende Objekte des Unternehmens gilt. Ein Zugriffsrecht für den Wohnstift in Hasselroth gibt es demnach nicht.

Bei den Mietern hingegen kündigt Residenzleiterin Altmann eine besondere Rücksichtnahme für Anfragen aus Hasselroth an. Bislang ist weder eine Wohnung vermietet noch ein Einzelzimmer vergeben worden, allerdings seien bislang knapp 300 Anfragen eingegangen. Die Vergabe soll erst nach einem persönlichen Gespräch und einer Besichtigung vor Ort erfolgen. Pro Woche sind nach dem Startschuss am 1. August zwei bis drei Einzüge geplant, sodass eine Vollbelegung erst bis März 2023 angestrebt wird. Circa 80 Beschäftigte sollen sich zukünftig um das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner kümmern.

Die langwierige Verzögerung der Inbetriebnahme nach dem Spatenstich im März 2019 (wir berichteten) war aufgrund zahlreicher Wasserschäden im Gebäudekomplex erfolgt, laut Gunther Reiter von Schleich & Haberl hat es fehlerhafte Installationen auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern gegeben. Die Schadenshöhe wollte er nicht beziffern, Gutachter, Versicherungen und womöglich auch Juristen sind damit jetzt beschäftigt. Inzwischen seien alle Schäden behoben, die Übergabe an die CMS Unternehmensgruppe, die als Betreiber fungiert und seit 2018 zur bundesweit tätigen Alloheim-Gruppe mit über 150 Pflegeheimen gehört, muss allerdings erst noch erfolgen.

Bis zur Eröffnung sollen dann auch die Container rund um das Areal verschwunden sein und alle 24 Parkplätze zum Vorschein kommen. „Zu wenig, auch wenn die rechtlichen Bestimmungen damit erfüllt sind“, hat Bürgermeister Pfeifer daher bereits weitere 17 Parkplätze entlang der unweiten Karlstraße anlegen lassen. Da aber einige Bewohner vermutlich noch selbst mobil sein und natürlich auch Besucher erwartet werden sowie die MitarbeiterInnen größtenteils auch mit Fahrzeugen kommen, sind auch das vermutlich noch zu wenige Parkmöglichkeiten. Daher wird im Rathaus bereits über Alternativen nachgedacht, laut Pfeifer könnte ein Grünstreifen entlang des Feldweges hinter den Glascontainern in der Karlstraße geschottert und ebenfalls genutzt werden. Bis dahin wird sich auch zeigen, ob Anlieferverkehr oder Rettungseinsätze für zusätzliche Belastungen im Wohngebiet sorgen.

Kommentar von Andreas Ziegert vom 25. Juli 2018 (hier im Original lesen)

Die Suche nach einem Standort für eine neue Kindertagesstätte ist nicht einfach. Und der gesetzliche Anspruch auf einen Platz ab dem vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt zwingt auch die Gemeinde Hasselroth zum Handeln. Dennoch sollte der Standort mit Bedacht gewählt werden: Zwar besteht ein Rechtsanspruch auf den Kita-Platz, aber nicht auf die Fahrt mit dem Auto direkt vor den Kindergarten. Daher mag der Festplatz in Neuenhaßlau noch so gut mit dem Auto erreichbar sein, ideal für eine derartige Einrichtung ist er nicht. Ein Standort rund um die Grundschule wäre deutlich besser. Und den gibt es übrigens – und zwar nicht nur den Spielplatz. Im Neubaugebiet Karlstraße ist eine Senioreneinrichtung geplant auf einem laut Ausschreibung fast 5.700 Quadratmeter großen Gelände. Ideal für eine Kita, zumal alle Synergieeffekte mit Schule und Turnhalle genutzt werden könnten. Ich weiß: die Verträge für das Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ sind bereits unterschrieben, die Pläne sind gemacht und der Baubeginn steht kurz bevor. Doch noch wurde kein Stein bewegt und ein simpler Grundstückstausch könnte bei so einer wichtigen Entscheidung für die Gemeinde zumindest ein Gedanke wert sein.

 

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Von Links: Gunther Reiter (Schleich & Haberl Holding GmbH), Bürgermeister Matthias Pfeifer und Residenzleiterin Pia Altmann.


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