Abflug nach Kreta: Der erste Corona-Urlaub

Gondsroth
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14. Juni 2020, 11 Uhr: Am Frankfurter Flughafen hebt eine der wenigen Maschinen in Corona-Zeiten ab, Ziel ist Athen in Griechenland. An Bord fast ausschließlich griechische Rückkehrer und Heimaturlauber, außerdem noch zwei Touristen – Reinhold und Birgit Harbauer aus dem Hasselrother Ortsteil Gondsroth. Ihren bereits ein Jahr zuvor gebuchten Kreta-Urlaub wollten sie nicht absagen und wurden von den Verhältnissen auf der beliebten griechischen Insel überrascht.

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„Bauchschmerzen“, beschreibt Reinhold Harbauer sein Gefühl, mit dem er und seine Ehefrau Birgit am Morgen in Richtung Flughafen aufbrachen, denn der Online Check Inn, wie sonst üblich,  konnte nicht abgeschlossen werden. Man musste am Schalter einchecken. Schließlich waren auch schon die Wochen zuvor aufregend: Der zunächst gebuchte Flug mit Condor am 13. Juni fiel aufgrund der Corona Pandemie aus, auch die Lufthansa-Maschine am 15. Juni wurde gestrichen. Aber die griechische Fluggesellschaft „Aegean Airlines“ hielt den Betrieb aufrecht, der 14. Juni war fortan fest im Kalender der Harbauers eingetragen. Zuvor suchten beide noch ihren Hausarzt auf, machten dort zwar keinen Corona-Test, ließen sich aber bescheinigen, dass sie bei bester Gesundheit waren. Auch drei verschiedene Masken-Varianten waren im Gepäck.

Am Flughafen dann die erwartete Situation: „Alles leer“, zwei Worte, die Reinhold Harbauer in seinen Urlaubserzählungen noch öfters nennen wird. Doch dann die Überraschung, der Airbus A320 Neo war mit knapp 200 Personen voll besetzt. Wie schon am Flughafen herrschte auch an Bord Maskenpflicht, „darauf haben die Stewardessen ganz genau geachtet“. Das Boarding verlief problemlos und nach einem exakten Plan: Zuerst durften Familien mit Kindern in die Maschine, dann alle Passagiere mit Fensterplätzen, zum Schluss wurde in 5-er Reihen von vorne aufgefüllt. „Es gab keine Verzögerungen, alles war sehr gut organisiert“, so sei auch die Essenausgabe im Flugzeug – belegte Brötchen, Müsli-Riegel und Wasser waren extra abgepackt – problemlos abgelaufen.

Auf dem Flug musste jeder ein zweiseitiges Formular ausfüllen, sowohl Heimatadresse als auch Urlaubsanschrift wurden abgefragt. In Athen gelandet, wurden alle Passagiere zunächst in einen vom Flughafengebäude separierten Raum geführt, den niemand verlassen durfte. Nach einer kurzen Wartezeit kamen mehrere Ärzte, zum ersten Mal auf der Reise der Harbauers wurde Corona thematisiert. Bei ihnen wurde kein Fieber gemessen aber ein Abstrich genommen, der in einem Röhrchen mit Namensbeschriftung vermutlich an ein Labor geschickt wurde. Ein Testergebnis hat das Ehepaar aus Gondsroth allerdings nie erfahren.

Der kurze Weiterflug nach Kreta, die Direktverbindungen waren coronabedingt gekappt, verlief ohne Probleme, „nach der Landung fiel uns erstmal ein Stein vom Herzen“. Harbauer kennt sich gut aus auf der Urlaubsinsel, war dort während seiner Bundeswehr-Zeit regelmäßig kommandiert, insgesamt über zwei Jahre lang. Die Leere am Flughafen hat ihn nun nicht mehr überrascht, die Ansicht der hunderten ungenutzten Mietwagen dann aber doch beeindruckt. Der erste Besuch war in einem ihrer Stamm-Restaurants, gleich nach Verlassen des Flughafens: „Die konnten gar nicht glauben, dass wir da sind“, hätten sich auch andere Bekannte sehr gefreut. Einer wollte sie sogar gleich dem Bürgermeister vorstellen, der sollte ihnen eine Woche Essen und Trinken spendieren. „Das haben wir natürlich nicht gemacht“, denn sei eines auch klar gewesen: Zwar hatten viele Restaurants offen, doch die meisten Tische waren leer. So wie auch die Geschäfte, die bei Touristen ansonsten besonders beliebte Ledergasse in Chania sei fast menschenleer gewesen. „Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind auch dort deutlich zu sehen“, zeigt Harbauer ein Foto, das ihn vor einigen Jahre in einer proppenvollen Ledergasse zeigt.

Umso größer war die Freude über das Wiedersehen mit dem Ehepaar aus Hasselroth: Der Vermieter des Ferienhauses übernahm 50% der durch die Umbuchungen entstandenen Mehrkosten, der Kellner im Botanischen Garten veröffentlichte ein Foto mit den Harbauers gleich auf der Facebook-Seite. Noch hatten die meisten Hotels zu, die ansonsten gut gefüllten Strände waren kaum besucht. Was auch auffiel: Die Preise waren nicht angehoben worden, an den Stränden war nichts gesperrt und auch eine Maskenpflicht, beispielsweise in Geschäften, wird auf Kreta kaum befolgt. „Dort gab es ja nur ganz wenige Infizierte, viel glauben sogar, dass niemand infiziert war und dass das nur gesagt wurde, um den Lockdown zu begründen“, berichtet Harbauer von seinen Gesprächen mit den Einheimischen. Die ersten Touristen trafen sie erst nach einer Woche, eine Familie aus München hatte sich ebenfalls auf die Insel getraut.

Der Rückflug der Harbauers am 30. Juni, diesmal über Thessaloniki, verlief dann reibungslos, weitere Corona-Kontrollen gab es keine – auch nicht bei der Einreise nach Deutschland. Vergessen werden Reinhold und Birgit Harbauer diesen Kreta-Urlaub sicherlich niemals: „Die Leute sind sehr nett und freuen sich über jeden Touristen“, fällt ihr Fazit ausschließlich positiv aus: „Auf Kreta braucht man aktuell wirklich keine Angst zu haben.“

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