Die Änderung der Straßennamen läuft auch in Gondsroth nicht ohne Einwände der Anwohner ab.



Auf der Bürgerversammlung gestern Abend im Feuerwehrhaus wurde gegen vier der fünf von einer Kommission erarbeiteten Vorschläge in diesem Ortsteil protestiert. Lediglich die Anwohner der Heegstraße scheinen damit einverstanden zu sein, zukünftig in der Hainstraße zu wohnen.
Und zwei Vorschläge aus der Bevölkerung sind quasi auch schon so gut wie abgesegnet. So soll die Taunusstraße ab dem 1. Januar 2014 nicht Kuhgasse, sondern Hufeisenstraße heißen. Laut Gemeindeverwaltung spricht nichts dagegen, dies anzunehmen. Gleiches gilt für die Zusammenlegung der Freigerichter und der Somborner Straße. Diese sollten zukünftig Konrad-von-Gondsroth Straße heißen, allerdings hat der Adlige aus dem Mittelalter in den vergangenen Jahrhunderten offenbar deutlich an Popularität eingebüßt. Der Vorschlag der Anwohner: Die Somborner Straße bleibt und auch die Freigerichter Straße trägt in Zukunft diesen Namen, die Hausnummer sollen fortlaufend weitergeführt werden.
Ähnlich wie am Donnerstagabend in Niedermittlau meldeten sich auch gestern Abend Gewerbetreibende zu Wort, in Gondsroth die aus der Vogelsbergstraße. Fünf Unternehmen seien dort ansässig, auf die erhebliche Kosten zukommen würden, zudem sei die Einwohnerzahl, bei der Entscheidungsfindung das erste Kriterium, nur wesentlich geringer als in Niedermittlau. „Dort sind es 45, bei uns derzeit 33 und es kommen bis Jahresende noch sechs dazu“, erklärte eine Anwohnerin. Sie kündigte an, am Montag eine Unterschriftenliste im Rathaus abzugeben, auf der alle oder zumindest die Mehrheit der Anwohner gegen die Änderung des Straßennamens sind. Ihr Vorschlag: Die Vogelsbergstraße in Niedermittlau soll einen neuen Namen erhalten und eine Idee dafür wollen die Gondsrother gleich mit ihren Unterlagen einreichen. Das wirft allerdings neue Probleme auf, denn die Anlieger der Vogelsbergstraße in Niedermittlau waren bislang weder von der Änderung der Straßennamen noch von einer Hausnummernkorrektur betroffen.
Ein Unternehmerpaar aus der Vogelsbergstraße fühlte sich zudem zu spät über die geplante Änderung der Straßennamen informiert. „Ich habe 200 Tassen für Weihnachten mit unserer Anschrift als Werbegeschenk bestellt, wer zahlt mir das?“, fragte dieser Anwohner. Die Antwort bekam er von Kommissionsmitglied Jürgen Roth (SWG): „Sie müssen den Arbeitsaufwand berücksichtigen, wir mussten ja erst einmal rausfinden, welche Straßen geändert werden müssen“, verteidigte auch Bürgermeister Uwe Scharf die Zeitspanne zwischen der Aufforderung durch den Landrat im Juni 2012, die Namen zu ändern, und der Präsentation der Ergebnisse aus den drei Kommissionssitzungen Ende März 2013 auf einer Pressekonferenz im Rathaus.
Protest gibt es auch aus der derzeitigen Spessartstraße in Gondsroth, die zukünftig in Gedenken an einen ehemaligen Schullehrer Adam-Reußwig-Straße heißen sollte. Eine Anwohnerin erklärte, dass der Name zu lang sei und das „ß“ vor allem im Internet zu Problemen führen könnte. Auch sie kündigte an, bis zum 4. Juni, das ist der Stichtag für mögliche Änderungen, mit ihren Nachbarn einen eigenen Vorschlag zu erarbeiten und mit den Unterschriften der Anlieger in der Gemeindeverwaltung abzugeben.
Gestern Abend wurden aber auch neue, mögliche Problemfälle angesprochen. „Was ist mit den Häusern, deren Eingänge nicht auf der Straße zu finden sind, zu der sie eigentlich gehören?“, gäbe es in Gondsroth einige Grundstücke, hauptsächlich bei Häusern an Straßenecken, auf denen die Haustür quasi zur falschen Straße zeige. Die Anwohner hätten dort teilweise selbstgestaltete Schilder an ihren Häusern angebracht, um zu zeigen, zu welcher Straße sie eigentlich gehören. Daher wurde von einem Bürger angeregt, dies im Zuge der Straßennamenbereinigung ebenfalls gleich neu zu regeln.
Wie bereits in Niedermittlau versprach der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Helmut Müller, allen unzufriedenen Bürgern, dass die Gemeinde vor einer Entscheidung über die Straßennamenänderung noch einmal mit ihnen in Kontakt treten wird. Bürgermeister Scharf stellte allerdings auch in dieser Bürgerversammlung klar, dass die Änderung der Straßennamen von einer übergeordneten Behörde angeordnet worden sei. „Wenn in Folge einer Verwechselbarkeit ein Mensch zu Schaden kommt, stehen die Gemeindevertreter in einer gewissen Haftungsrelevanz“, sei dies ein weiterer Grund, warum die Änderungen wie geplant zum 1. Januar 2014 in Kraft treten sollten. Dennoch ist klar, dass die Kommission nach dem 4. Juni noch mindestens einmal tagen und über die Vorschläge aus der Bevölkerung diskutieren muss.
Am kommenden Dienstag können sich nun die Neuenhaßlauer Bürgerinnen und Bürger zu den Vorschlägen der Kommission äußern. Ab 19 Uhr wird in der Zehntscheune über die geplante Umbenennung zahlreicher Straßen auch in diesem Hasselrother Ortsteil diskutiert.
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