Thermo Fisher in Langenselbold: Belegschaft zum Streik bereit

Langenselbold
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Im April 2018 hat die Konzernleitung von „Thermo Fisher Scientific“ angekündigt, knapp 100 der 700 Arbeitsplätze in Langenselbold nach Ungarn und Schottland zu verlagern. 16 Monate später scheinen die Verhandlungen mit der Gewerkschaft über eine sozialverträgliche Lösung und eine Verringerung des geplanten Stellenabbaus gescheitert.

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Auf einer Mitgliederversammlung der IG Metall am Donnerstag schwor sich ein Teil der Belegschaft darauf ein, notfalls auch mit einem Streik die eigenen Forderungen durchzusetzen. Zum Tagungsort in der Klosterberghalle sind die Mitarbeiter per Autokorso inklusive Autofahnen und Polizeieskorte durch Langenselbold gefahren.

Laut Angaben der IG Metall hat die Konzernleitung alle Gespräche mit den Vertretern der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingestellt und beim Arbeitsgericht die Einsetzung einer Einigungsstelle beantragt. Die Gewerkschaft hat sich nun im Gegenzug von der Belegschaft grünes Licht für eine Sozialtarifauseinandersetzung geben lassen. Das komplizierte Verfahren ermöglicht auch, den eigenen Forderungen mit Arbeitsniederlegungen Nachdruck zu verleihen.

Noch im April hatte die IG Metall einen Teilerfolg vermeldet, weil nur noch 80 Stellen aus dem Bereichen Finanzen und Kundenbetreuung nach Budapest/Ungarn und ins schottische Paisley bei Glasgow verlagert werden sollten. Wenig später sprach die Konzernspitze laut einer Pressemitteilung der FDP Langenselbold sogar nur noch vom Abbau von 60 Stellen in der Gründaustadt. Inzwischen spricht Betriebsratsvorsitzender Walter Heidenfelder von „Zerwürfnissen“, die Belegschaft werde von der Konzernspitze erpresst, alle Gespräche seien abgebrochen worden. Heidenfelder: „Die Unternehmensführung sucht keine vernünftige Lösung, sondern eine schnelle“, sei von der Gewerkschaft unter anderem eine Namensliste mit potentiellen Entlassungskandidaten gefordert worden.

Diese soll es nicht geben, stattdessen hält die Belegschaft an ihren Forderungen fest: Von den knapp 100 zur Streichung ausgeschriebenen Stellen in Langenselbold sollen 63 erhalten bleiben, die gekündigten Mitarbeiter sollen zunächst für 12 Monate in eine Transfergesellschaft übernommen werden, damit sie genügend Zeit haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Außerdem sollen sie eine großzügige Abfindung erhalten. Mit diesen Zielen will die Gewerkschaft in das so genannte Einigungsstellenverfahren gehen, das vom Arbeitsgericht aller Voraussicht nach angeordnet wird.

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