Thermo Fisher: Gewerkschaft droht mit weiterer Eskalation

Langenselbold

Die Auseinandersetzung bei Thermo Fisher in Langenselbold spitzt sich weiter zu.

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Auch nach einem ersten Warnstreik weigert sich das Unternehmen bislang mit dem Betriebsrat und der IG Metall über einen fairen Kompromiss zu verhandeln und verweist auf die gerichtlich eingesetzte Einigungsstelle, die nun am 26.11.2019 um 10:30 Uhr erstmals tagt.

„Wir bleiben bei unserer grundsätzlichen Haltung, dass die Einigungsstelle in erster Linie eine juristische Möglichkeit für den Konzern darstellt, den angestrebten Arbeitsplatzabbau so schnell wie möglich umzusetzen. Wenn der Arbeitgeber an einer schnellen und fairen Lösung interessiert ist, dann wird er sich auf die Beschäftigten und ihre Forderungen deutlich zu bewegen müssen. Alternativ eskaliert der Konflikt weiter“, so Robert Weißenbrunner von der IG Metall Hanau-Fulda.

„Seit fast sechs Monaten verweigert die Geschäftsleitung nun Gespräche mit Betriebsrat und IG Metall. Wenn der Arbeitgeber hofft, in der Einigungsstelle eine Lösung für den Konflikt zu finden, dann muss jetzt auch ein konkreter und verhandlungsfähiger Lösungsvorschlag von ihm auf den Tisch“, so Weißenbrunner weiter. Betriebsrat, IG Metall und Belegschaft erwarten daher einen ernst gemeinten Kompromissvorschlag des Arbeitgebers. Mit dieser Erwartung sind sie nicht allein. Politische Persönlichkeiten aus der Region haben den Konflikt von Anfang an begleitet und erwarten nun ebenfalls von der Geschäfts- und Konzernleitung einen ernsthaften Versuch, eine gemeinsame Lösung herbeizuführen. Sie erklären im Einzelnen:

Susanne Simmler (SPD), Erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises: „Die Beschäftigten von Thermo Fisher in Langenselbold haben im Kampf um ihre Arbeitsplätze nicht nur meine volle Solidarität und Unterstützung, sondern die der gesamten Region und des Kreistages. Seit vielen Monaten nun setzen sich die Beschäftigten und die Gewerkschaft dafür ein, konstruktiv und mit gegenseitigem Respekt Lösungen zu finden. Es ist nicht akzeptabel, dass der begonnene Prozess der Gespräche von Seiten der Konzernleitung abgebrochen wurde. Wir fordern alle Seiten auf, sich an einen Tisch zu setzen und an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten, die so viele Arbeitsplätze wie möglich am Standort hält. Die Geschäftsführung kann und darf sich nicht aus der Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Region stehlen! Aber es geht um mehr – es geht auch darum deutlich zu machen, dass nicht Gewinnmaximierung und immer höhere Ausschüttungen auf dem Rücken der Beschäftigten in unserer Region und ganz Deutschland ausgetragen werden dürfen. Eine ganze Region steht hinter den Beschäftigten und ihren Forderungen.“

Dr. Sascha Raabe, Mitglied des Deutschen Bundestags (SPD): „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass Thermo Fisher trotz hoher Gewinne, langjährig engagierten und verdienten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kündigen will. Ich fordere die Unternehmensleitung auf, wieder an den Verhandlungstisch mit dem Betriebsrat zurückzukehren und eine Lösung im Sinne der Beschäftigten zu finden.“

Max Schad, Mitglied des Hessischen Landtags (CDU): „Thermo Fisher hat seinen Ruf als verlässlicher Arbeitgeber am Standort Langenselbold mit den weiterhin angestrebten Umstrukturierungen aufs Spiel gesetzt. Ich stehe fest an der Seite der Belegschaft und fordere die Geschäftsführung auf, sich zu bewegen, um gemeinsam einen Weg für den Erhalt der Arbeitsplätze zu finden.“

Christoph Degen, Mitglied des Hessischen Landtags (SPD): „Noch ist Zeit, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ich appelliere an die Kompromissbereitschaft des Arbeitgebers. Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall haben in den letzten Wochen Vernunft und Kompromissbereitschaft in der Auseinandersetzung bewiesen. Das erwarte ich nun auch vom Thermo Fisher-Konzern!“

Reiner Bousonville, Fraktionsvors. im Kreistag des MKK (Bündnis90/Die Grünen): „Die Konzernleitung stellt sich gegen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dank denen der Konzern am Langenselbolder Standort hohe Gewinnmargen einfährt. Dies ist ein Akt reiner Profitgier und lässt jede Menschlichkeit vermissen. Wir unterstützen daher die Arbeitnehmer-rinnen und Arbeitnehmer in ihrem Recht, einen fairen Kompromiss zu erzielen.“

Saadet Sönmez, Mitglied des Hessischen Landtags (DIE LINKE): „Auf dem Rücken von Beschäftigten und ihren Familien soll der ohnehin schon hohe Profit des Thermo Fisher-Konzerns erhöht werden. Ich verurteile die Entscheidung und das Vorgehen des Konzern auf das Schärfste und erwarte, dass das Unternehmen nun endlich auf die Beschäftigten und ihre Interessenvertreter zugeht und einen fairen Lösungsvorschlag unterbreitet.“

Christof Sack, FDP-Parteivorsitzender Langenselbold, und Rainer Lamprecht, Fraktionsvors. im Stadtparlament Langenselbold (FDP): „Es kann nicht sein, dass ein höchst prosperierendes Unternehmen, welches am Standort Langenselbold Rekordgewinne macht, nur zur alleinigen Gewinnoptimierung Arbeitsplätze ins Ausland verlegen will. Wir sehen hier, dass die Geschäftsleitung ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern verletzt. Der Arbeitgeber sollte endlich in lösungsorientierte Sozialtarifverhandlungen einsteigen.“


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