Kompromiss bei Thermo Fisher: 80 Stellen nicht zu retten

Langenselbold
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Nach 21-monatiger Verhandlung haben Betriebsrat und Geschäftsführung bei Thermo Fisher einen Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart. Der erzielte Kompromiss sieht zusammengefasst vor, dass von den ursprünglich geplanten 100 Arbeitsplätzen nunmehr noch 80 Arbeitsplätze am Standort Langenselbold abgebaut werden. Aufgrund bereits erfolgter Eigenkündigungen und dem Auslaufen von befristeten Arbeitsverträgen sind aktuell noch circa 55 Beschäftigte von betriebsbedingten Kündigungen betroffen.

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Für die vom Arbeitsplatzabbau betroffenen Beschäftigten wurden vom Betriebsrat umfangreiche Abfindungszahlungen durchgesetzt. Zur Sicherstellung der Umsetzung der Verlagerung der Arbeitsplätze wurden darüber hinaus verschiedene Prämien vereinbart, durch die sich die vereinbarte Sozialplanabfindung nochmal deutlich erhöhen kann.

Hierzu erklärt Walter Heidenfelder, Betriebsratsvorsitzender von Thermo Fisher in Langenselbold: „Mit dem erzielten Verhandlungsergebnis konnten wir den vom Unternehmen am Standort geplanten Stellenabbau deutlich reduzieren. Wir halten den Arbeitsplatzabbau weiterhin für unnötig und sehen durch die Verlagerung der Arbeitsplätze immer noch erhebliche Risiken für die Prozesssicherheit am Standort. Wir haben im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten für die betroffenen Beschäftigten überdurchschnittlich hohe Abfindungsregelungen erreichen können. Darüber hinaus bedauern wir, dass keinerlei Garantien zur Standortsicherung durch den Konzern abgegeben wurden.“

Die IG Metall hatte im Rahmen des Konflikts Sozialtarifforderungen aufgestellt, um damit einen Beitrag zur Lösung der Auseinandersetzung leisten. Der Arbeitgeber hat die Verhandlungen aus Sicht der Gewerkschaft hierzu bis zum Schluss verweigert.

Hierzu erklärt Robert Weißenbrunner von der IG Metall Hanau-Fulda: „Der abgeschlossene Kompromiss zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber wäre in dieser Form nicht möglich gewesen, ohne die entschlossenen und vielfältigen Aktivitäten von Belegschaft, Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik. Nichtsdestotrotz sind mit den abgeschlossenen Vereinbarungen die erhobenen Sozialtarifforderungen nicht als erledigt anzusehen. Ob die IG Metall ihre Forderungen weiterverfolgt, haben die Gewerkschaftsmitglieder am Standort zu entscheiden. Hierzu wird im Laufe dieser Woche eine breite Diskussion unter den Mitgliedern am Standort geführt. Am kommenden Wochenende wird die betriebliche Tarifkommission das erzielte Verhandlungsergebnis bewerten und eine Empfehlung zur weiteren Vorgehensweise aussprechen, die dann gegenüber den IG Metall-Mitgliedern zur Abstimmung gestellt wird.“

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