Weißer Tisch, weiße Stühle, dazu zwei charmante Damen – die CDU verpasst ihrem Ministerpräsidenten ein neues Image. Volker Bouffier präsentierte sich gestern Abend in der Klosterberghalle in Langenselbold als Familienmensch, erzählte von seinen Urlaubserlebnissen und Studentenjobs.
Fast keine Spur mehr vom einstigen Hardliner, die Angriffe auf die Opposition deutlich weichgespülter als sonst. Man kann sich dem Eindruck nicht verwehren: Es „merkelt“ bei Volker Bouffier.
Ganz im Stil von Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt er sich freundlich und nett, spricht von erfolgreichen Regierungsjahren in Hessen und verteidigt vehement eigene Errungenschaften. „Wenn es gut läuft, dürfen wir gelegentlich auch darauf hinweisen, dass das was mit unserer Arbeit zu tun hat“, zählt er auf, wie viele Lehrer und Polizisten in seiner Amtszeit eingestellt wurden und verteidigt die Klage gegen den Länderfinanzausgleich. „Ja zu Hessen bedeutet ja zu dieser Klage“, könne das wirtschaftlich stärkste Flächenland in Deutschland nicht weiterhin gemeinsam mit Bayern und Baden-Württemberg die anderen 13 Bundesländer finanzieren. Dieses Geld solle besser für die Kinder und Enkel in Hessen ausgegeben werden. Darunter, das passt auch gut ins Bild, sein eigener Enkel, über den sich der frischgebackene Großvater seit fünf Wochen freuen darf.
Interessant: Zur Pkw-Maut, die er unbedingt einführen will, was ihm bundesweite Schlagzeilen beschert hat, sagt er kein Wort. Stattdessen spricht er lange über Bildung und knüpft sich dabei doch noch mal die politische Konkurrenz vor. „Einheitsschule ist die falsche Antwort, weil es keine Einheitsschüler gibt“, hätte der „alte“ Bouffier bei diesem Thema aber wesentlich deutlicher zugeschlagen. Bleibt noch das, was ihm vor vier Jahren ins Amt geholfen hat: die vermeintliche Liebäugelei von Rot/Grün mit der Linkspartei. „Sich auszuliefern einer Truppe, die zum Teil bis heute nicht in der Demokratie angekommen ist, ist das programmierte Abstiegsprogramm für unser Land“, hat sich aber auch das schon einmal ganz anders angehört. Bierzeltstimmung kommt so nicht auf.
Viel spannender ist daher auch, was der „neue“ Bouffier gleich zu Beginn im Gespräch mit der RTL-Journalistin Lisa Habib und seiner Frau Ursula erzählt. „So oft wie in diesen vier Wochen sehen wir uns sonst das ganze Jahr über nicht“, begleitet sie ihren Ehemann beim Wahlkampfendspurt und macht das Bild des Familienmenschen Bouffier perfekt. Der telefoniert aber auch täglich mit seiner Mutter, „und die fragt mich dann natürlich auch: ‚Kind, isst du was? Bist du warm angezogen?‘“ Und dass manche Hotelgäste im Urlaub erstaunt, dass der Ministerpräsident selbst sein Essen am Büffet holen muss und sich auch ein Landesvater im Flugzeug schon einmal den heißen Kaffee über die helle Hose schüttet, lockt die Moderatorin ebenfalls aus ihm heraus. Und manchmal wäre er sogar gerne sein eigener Doppelgänger. Zeitungspacker, Verkäufer bei Karstadt und Assistent des Bademeisters – alles Karrierestufen auf dem Weg zum Ministerpräsidenten, mit Kohlrouladen wie die Bundeskanzlerin kann er allerdings nicht dienen.
Die „Merkelisierung des Volker Bouffier“ – durchaus gelungen und ihm Wahlkampfendspurt vielleicht auch dringend nötig. Während die Landtagskandidaten Hugo Klein, Michael Reul und Heiko Kasseckert im Main-Kinzig-Kreis Brezeln und Espresso-Tüten verteilen, liest ihr Vorsitzender Umfragen. „Es wird auf jede Stimme ankommen, nur ein Prozent kann sehr viel verändern“, gelte das auch für den Bund. Und dafür erntet der 61-Jährige nicht nur den Applaus von den CDU-Bundestagskandidaten Dr. Katja Leikert und Dr. Peter Tauber. Der muss zum Schluss noch mal tief durchschnaufen. „Ich danke auch dem Kreisvorsitzenden Tom Zeller“, leistet sich Bouffier einen kleinen Lapsus, der allerdings seinen täglichen Rundreisen und Auftritten geschuldet sein dürfte. Und sind wir ehrlich: Das ist bestimmt auch schon mal Angela Merkel passiert.