Grausame Details eines mutmaßlichen Doppelmordes in Langenselbold: Petra H. und Thomas R. sind beide verblutet, nachdem sie am 16. November 2013 von einer Stichwaffe und einer Gewehrkugel erheblich verletzt wurden. Für die Tat verantwortlich ist laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Hanau Josef G., der zunächst seine Tochter und anschließend deren Lebensgefährten getötet haben soll.
Der 81-Jährige schweigt im Prozess vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Hanau weiterhin zu den Vorwürfen, im Gespräch mit einem psychiatrischen Gutachter deutete er aber im Vorfeld an, dass es sich bei der Tötung von Thomas R. um eine Notwehrsituation gehandelt haben soll und er für den Tod seiner Tochter keine Erklärung habe.
Regungslos verfolgte der 81-Jährige zunächst die Ausführungen der Gerichtsmedizinerin, die Fotos der beiden Opfer schienen ihn nicht wirklich zu berühren. Erst als seine eigenen Blutspuren im Haus zur Sprache kamen, begann er plötzlich mit seinem Verteidiger zu tuscheln. Und das hatte einen Grund: Die Blutspuren von Josef G. könnten die entscheidenden Indizien in diesem Prozess sein.
Ein Foto zeigt Thomas R. regungslos im Eingangsbereich des Zweifamilienhauses in der Rhönstraße liegen. Eine Gewehrkugel hatte den 51-Jährigen vorne auf einer Höhe von 150 Zentimetern getroffen und trat vier Zentimeter tiefer am Rücken wieder aus. Das widerspricht einer in den Akten zu lesenden Version des Angeklagten: Der 81-Jährige will das Gewehr nach unten gehalten haben, Thomas R. habe nach dem Lauf gegriffen und dabei habe sich ein Schuss gelöst. Nur: Laut Gerichtsmedizinerin müsste dann der Schusskanal von unten nach oben laufen. Tut er aber nicht. Getroffen wurde bei Thomas R. der Herzbeutel und zudem die Hauptschlagader gestreift. Vermutlich ist er nicht gleich umgefallen, war noch Sekunden handlungsfähig, aber wohl schon wehrlos. Dennoch wurden bei ihm am Hals und am Oberkörper noch jeweils zehn kleine Einstiche festgestellt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Josef G. mit einer Mistgabel auf den Lebensgefährten seiner Tochter eingestochen hat und damit seinen Tod sicherstellen wollte. Tödlich wären diese eher oberflächlichen Einstiche aber nicht gewesen.
Petra H. war zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon Tod, allerdings ist die genaue Abfolge der beiden Taten unklar. Die 53-Jährige wurde nur mit einem Shirt und einer Unterhose bekleidet in einer Blutlache im Eingangsbereich ihrer Küche im Obergeschoss gefunden. Ihr Todeskampf begann aber vermutlich schon im Bad, auch dort wurden Blutspuren von ihr sichergestellt. Tödlich war ein 3,5 Zentimeter langer Einstich im Hals, mit dem ihre Hauptschlagader durchtrennt wurde. Zudem wies ihre Leiche eine waagrecht verlaufende, neun Zentimeter lange und klaffende Stichwunde unter dem Kinn auf. Umgangssprachlich würde mal wohl sagen, ihr wurde die Kehle durchgeschnitten, getroffen wurde eine Vene, deren Blutung aber womöglich noch hätte gestoppt werden können. Ein dritter, 2,4 Zentimeter großer Einschnitt im Hals traf Muskelgewebe und wäre nicht lebensgefährlich gewesen. Die Gerichtsmedizinerin vermutet, dass sie schwer verletzt in die Küche gekrochen ist. Spuren an der Tür weisen zudem darauf hin, dass das Blut bereits aus ihrem Körper gespritzt sein muss.
Hat Josef G. am Vormittag des 16. November 2013 zunächst seine Tochter mit einem Messer bestialisch getötet und anschließend ihrem Lebensgefährten im Eingangsbereich des Hauses mit einem Gewehr aufgelauert? Nach seiner Festnahme wurde bei dem 81-Jährigen im Klinikum Hanau eine Schnittverletzung am Finger diagnostiziert, von der vermutlich seine Spuren im Haus kommen. Bluttropfen wurden vor der Eingangstür der Wohnung seiner Tochter im Obergeschoss und auf der Treppe gefunden. Alle auf der linken Seite, die Verletzung hatte Josef G. an der rechten Hand. Die naheliegende Vermutung: Der Hobbymusiker hat sich beim Todeskampf mit seiner Tochter verletzt und anschließend beim Runterlaufen in die Erdgeschosswohnung die Blutspuren hinterlassen.
Dort bewegte er sich laut Spurenlage in mehreren Räumen. Im Bad wurde offenbar versucht, die Blutspuren zu verwischen, die Spezialisten der Polizei machten diese allerdings wieder sichtbar. "Da stimmt irgendwas nicht", tuschelt Josef G. so laut mit seinem Anwalt, dass es auch das Gericht mitbekommt. Der 81-Jährige verweigert weiterhin jede Aussage, hat jetzt aber nicht mehr viel Zeit, sich zum Sachverhalt zu äußern. Richter Dr. Peter Graßmück hat die Prozessbeteiligten bereits aufgefordert, für den nächsten Verhandlungstermin am 8. Juli ihre Plädoyers vorzubereiten.
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