Ein erstauntes „Ach was!“ erntete Naturparkführer Willi Bechtold von seiten seiner Wandertruppe, als er ihnen unter den stattlichen Bäumen auf dem Hufeisen erläuterte, dass es Zeiten gab, in denen im Spessart kaum ein Baum stand.
Ein erstauntes „Ach was!“ erntete Naturparkführer Willi Bechtold von seiten seiner Wandertruppe, als er ihnen unter den stattlichen Bäumen auf dem Hufeisen erläuterte, dass es Zeiten gab, in denen im Spessart kaum ein Baum stand.

Kreilberg? – Wo ist der denn? So reagieren die meisten Linsengerichter auf den offiziellen Namen dieser mit 481 m höchsten Erhebung im vorderen Spessart. Denn seit Generationen ist er unter dem Namen „Franzosenkopf“ bekannt. Hier schlug Napoleon I während seines auch über die Birkenhainer verlaufenden Rußlandfeldzugs 1812 ein Lager auf. Willi Bechtold führte den Wanderungsteilnehmern die Dimension dieses Unterfangens vor Augen: „Stellt Euch vor, welche immense Logistik dahinter steckte, rund 400.000 Soldaten nach Rußland zu delegieren. Diese Riesentruppe marschierte quer durch den Spessart. Heute kaum noch vorstellbar.“
Vorbei an einem für den Spessart eher befremdlich wirkenden Thuja-Bestand auf bayerischer Seite wandten sich die Wanderer auf ihrem Weg entlang der Grenze dem Weiler Waldrode zu, der zum Ortsteil Großenhausen gehört. Diese höchstgelegene Siedlung der Gemeinde ist eigentlich ein „Kunstgebilde“. Sie wurde erst unter den Nazis zwischen 1933 und 1939 gebaut. Gedacht war ein Erbhöfedorf mit landwirtschaftlichem Charakter. Dafür wurde ein großes Waldstück an der Birkenhainer gerodet. Solche Weiler entstanden überall in Deutschland und waren Bestandteil des nazionalsozialistischen Landwirtschaftsprogramms. In der „Häßlichhohle“ in Richtung Krötenweiher machte Naturparkführer Bechtold auf die Kreativität der Waldroder aufmerksam: „Hier entstand 1953 der erste Weinberg. Den Wein, den die Landwirte produzierten, nannten sie ‚Waldroder Spatz‘.“
Natürlich darf auf keiner Wanderung, die durch den Spessart verläuft, die Eiche als Thema nicht vergessen werden. Willi Bechtold stellte seiner Wandertruppe die verschiedenen Arten vor und ging auf Verwendung und Bedeutung dieses „Urbaums“ des Spessarts ein. Jahrhundertelang wurde das Waldgebiet von den Mainzer Fürstbischöfen genutzt. Vorwiegend als Jagdgebiet aber auch als Wirtschaftsfaktor. Denn besonders das stabile Holz eignete sich als Bauholz und für den Schiffsbau. Besonders die Holländer schätzten das Eichenholz, sodass sich intensive Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Küstenstaat und dem Fürstbistum Mainz entwickelten..
Nach rund drei Stunden, in denen Willi Bechtold auch immer wieder Besonderheiten physikalischer Natur u.a. bei Insekten einfließen ließ, erreichte die Wandergruppe das Ziel dieser 2. Etappe der „Linsengerichter Grenzwanderungen“:Im Biergarten des „Schützenhauses“ in Großenhausen ließen sie in gemütlicher Runde noch einmal die vielen, für die meisten völlig neuen Einblicke in die spannende Geschichte der Gemeinde Revue passieren. Ein vom SPD-Ortsverein organisierter Auto-Shuttle brachte sie schließlich zurück zum Ausgangspunkt auf dem Hufeisen.
SPD-Ortsvereinsvorsitzender Hans Jürgen Wolfenstädter freute sich über die rege Teilnahme an dieser zweiten Grenzwanderungsrunde und versicherte: „Die dritte Etappe kommt bestimmt. Der Termin sowie der dann geplante Streckenverlauf wird wieder rechtzeitig über die Presse bekannt gegeben.“
Foto: Etwas erschöpft aber um viele spannende Informationen rund um die Linsengerichter Gemeindegrenze reicher: die Teilnehmer der 2. Etappe der „Linsengerichter Grenzwanderungen“ genießen ihre Abschlusseinkehr im Biergarten des idyllisch gelegenen Schützenhauses in Großenhausen. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Hans Jürgen Wolfenstädter (rechts) dankt Naturparkführer Willi Bechtold (links unten) für seine interessante Führung.
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