Pfannkuch: "Machen wir Linsengericht wieder sexy!"

Linsengericht

"Bei der Podiumsdiskussion stellte eine junge Frau eine Frage, die mich seitdem begleitet: Wie will ich Linsengericht wieder attraktiv für junge Menschen machen? Ich hatte darauf keine gute Antwort. Das möchte ich nachholen – ehrlich und mit konkreten Gedanken", meldet sich Bürgermeisterkandidat Maximilian Pfannkuch (FDP) zu Wort.

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Zwischen Vertrautheit und fehlender Anonymität

"Das Dorf hat Vorteile. Man kennt sich, man hilft sich, man hat seine Ruhe. Gleichzeitig bedeutet das: Man wird erkannt. Wer einfach mal untertauchen will, findet diese Anonymität eher in der Stadt. Das wird sich nicht ändern – und es soll sich auch nicht ändern. Aber wir müssen akzeptieren, dass junge Menschen manchmal genau diese Mischung suchen: Gemeinschaft und Freiraum zugleich", erklärt er in einer Pressemitteilung.

Mobilität ist Freiheit

"Mit dem Anschluss an den Spessart und einer zuverlässigen Verbindung Richtung Frankfurt und Fulda entsteht eine echte Chance. Wenn man abends spontan nach Frankfurt fahren kann, um zu feiern, ein Konzert zu besuchen oder Freunde zu treffen, verändert das das Lebensgefühl. Doch der Weg zum Bahnhof ist aus fast allen Ortsteilen – außer Altenhaßlau – umständlich. Hier liegt Potenzial: Der Bürgerbus existiert bereits. Warum nicht am Wochenende zwischen den Ortsteilen und Gelnhausen pendeln lassen? So könnte man in eine Bar, ins Kino oder weiter zu Freunden fahren, ohne dass immer jemand aus der Gruppe verzichten und fahren muss. Und ja: Bars und Clubs sind nicht nur Unterhaltung. Sie sind Orte, an denen neue Bekanntschaften entstehen. Wer neue Menschen kennenlernen will, braucht Begegnungsräume."

Digitale Realität ernst nehmen

Pfannkuch: "Der Glasfaserausbau ist vielerorts fast abgeschlossen. Das ist gut. Aber während des Plakatierens ist mir im Ortskern von Lützelhausen aufgefallen: kein Empfang. Kein mobiles Internet. Keine Erreichbarkeit. Das ist nicht nur unbequem. Es betrifft Kommunikation, Sicherheit und Arbeitsmöglichkeiten. Wer heute jung ist, lebt digital – ganz selbstverständlich. Funklöcher sind mehr als technische Probleme. Sie sind Standortnachteile."

Lernorte statt Wohnzimmer

"Viele Studierende kennen das Gefühl: Irgendwann fällt einem zu Hause die Decke auf den Kopf. Was in Linsengericht fehlt, sind Lernorte – vergleichbar mit einer Bibliothek oder einem ruhigen Co-Working-Bereich. Dabei stehen in allen Ortsteilen Gemeinderäume leer oder werden ineffizient genutzt. Warum nicht einen davon als offenen Lern- und Arbeitsraum etablieren? Und im Abstand von fünf Minuten ein Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen. Erst kommt der Ort, dann das Angebot. Sobald sich ein Treffpunkt etabliert, siedelt sich Gastronomie an. So beginnt ein lebendiger Ortskern."

Neubaugebiete – und trotzdem keine wachsende Gemeinde

"Seit etwa 2002 stagniert die Einwohnerzahl bei rund 10.000 Menschen. Das fällt grob mit der ersten Amtszeit von Albert Ungermann zusammen – vermutlich eher Korrelation als Kausalität. Trotz zahlreicher Neubaugebiete wächst die Gemeinde nicht. Das bedeutet: Junge Familien ziehen neu ins Baugebiet, während die Ortskerne ausdünnen. Die Großmutter lebt allein in einem Haus, das einst für zwei Familien gedacht war. Geerbte Häuser stehen leer, weil die Renovierungskosten abschrecken. Gleichzeitig werden Leitungen, Straßen und Müllrouten immer länger, obwohl die Einwohnerzahl gleich bleibt. Ohne große Berechnungen wird klar: Wenn die Fläche wächst und die Menschenzahl gleich bleibt, steigen die Kosten pro Person. Deshalb halte ich es für notwendig, keine weiteren Neubaugebiete auszuweisen, sondern die Innenentwicklung zu stärken. Eigentümer im Kern müssen motiviert werden zu verkaufen, zu vermieten oder umzubauen. Lebendige Ortsmitte statt wachsender Randlage", so der FDP-Bürgermeisterkandidat.

Mehr Vertrauen ins Leben

"Attraktivität entsteht auch im Rathaus. Wenn das Ordnungsamt Veranstaltungen unkomplizierter genehmigt. Wenn Beschwerden von wütenden Rentnern nicht unreflektiert weitergeleitet werden. Wenn bei einer Party auch mal eine Ausnahme möglich ist. Aktuell ist es extrem schwierig, für einen 18. Geburtstag eine Location zu finden. Gemeindesäle sollten leichter und unbürokratischer für Privatpersonen mietbar sein. Wer feiern will, sollte das nicht heimlich tun müssen."

Natur als Raum für Jugend

Pfannkuch abschließend: "Der Gemeindewald bietet Chancen. Ein ausgebautes Fahrrad-Trailsystem. Klare, genehmigte Flächen für Feiern. Orte, an denen Jugend nicht stört, sondern willkommen ist. Auch Tourismus und Jugend überschneiden sich. Wenn der Parkplatz am Abzweig zum Hufeisenhof mit Strom- und Müllsystem so gestaltet würde, dass man dort legal campen kann, entstünde ein kleines Mikroabenteuer. Etwas, das man nicht vergisst. Und ja: Auf den Haupt-Schlittenhang in Altenhaßlau ein Wohngebiet zu setzen, war möglicherweise keine Entscheidung, die Jugendkultur stärkt. Machen wir Linsengericht wieder sexy!"

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