Die Diskussion um die Verkehrssituation in Linsengericht hat sich in den vergangenen Monaten spürbar belebt.
„Und das ist gut so. Wir müssen zu einem fairen Interessenausgleich zwischen Anwohnern, Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern kommen“, formuliert der Vorsitzende des Ortsverbandes, Klaus Böttcher, die Ziele der Grünen. Angefangen bei den Ortseinfahrten, die oft zu schnell angefahren werden, über die Durchgangsstraßen, die auch für Fahrradfahrer passierbar sein müssen, bis hin zu Ortsstraßen, an denen ausreichende Verkehrsflächen für Fußgänger vorhanden sein müssen, sehen die Grünen Handlungsbedarf. Die bislang vorgeschlagenen Maßnahmen enthalten den Bau eines neuen Radwegs und eines Fahrbahnteilers an der Unterfrankenstraße sowie die Sperrung der Lagerhausstraße durch Pfosten. Während zur Entscheidung der Maßnahmen an der Unterfrankenstraße zunächst noch eine Verkehrszählung abgewartet werden soll, steht die Maßnahme in der Lagerhausstraße bereits in der Sitzung des Ausschusses für Bau, Verkehr und Energieplanung am 9. September zur Abstimmung.
In der Argumentation der gewerblichen Anlieger der Lagerhausstraße, die sich die CDU zu eigen gemacht hat, wird auf die Erschwernis für Kunden- und Lieferverkehr durch eine Sperrung hingewiesen. Da die Straße bis zur Mitte von beiden Seiten befahrbar bleibt, ist jedes Anwesen aber problemlos zu erreichen, stellt Klaus Böttcher fest. Auch Tanklastwagen können ohne Weiteres von der Tankstelle über den neuen Kreisel in die neue Straße zum Bahnhof abfahren. Kunden dürften auch weiterhin auf die jeweils am Anfang der Straße gelegenen Gewerbebetriebe aufmerksam werden und dorthin fahren. Die Vorschläge zur Beruhigung des Verkehrs ohne Sperrung der alten Lagerhausstraße sind leider nicht ausreichend, um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer zu gewährleisten. So würden Parkplätze die Fahrbahn weiter verengen und insbesondere bei einer Befahrung durch Lkws die Benutzung des Fußweges im Begegnungsverkehr erschweren – von der Befahrung der Straße durch Radfahrer ganz zu schweigen. Die Einrichtung einer Anliegerstraße, 30er-Zone oder andere Beschilderungslösungen dürften in der Praxis auch nicht helfen, da der fehlende Platz für Fußgänger und Radfahrer auch durch eine geringere Geschwindigkeit nicht ausgeglichen wird. Lediglich eine Einbahnstraßenlösung würde diesen Platz schaffen, wäre aber für die Gewerbetreibenden möglicherweise noch ungünstiger als die Sperrung. Aufwendigere Umbauten wie eine Verbreiterung des Fußgängerweges und bauliche Verengungen der Fahrbahn oder ein farbig markierter Belag mit Schwellen wären mit erheblichen Kosten verbunden und würden den Lieferverkehr deutlich erschweren.
Die Grünen bleiben nach Abwägung der verschiedenen Lösungsvorschläge dabei: Eine Sperrung in der Mitte der Lagerhausstraße durch Pfosten ist der kostengünstigste Weg, die Interessen der Anlieger, aller Verkehrsteilnehmer und der Gemeinde als Kostenträger fair zu berücksichtigen. Die CDU vertritt in dieser Frage, wie auch schon bei der Verkehrsberuhigung in Eidengesäß, einseitig die Interessen der Gewerbetreibenden und Autofahrer. Hier sollte sich die Bürgerliste überlegen, ob sie mit einer Unterstützung dieser Position ihrem eigenen Anspruch gerecht wird. Es macht nämlich wenig Sinn, weitere Fahrradboxen am Bahnhof zu fordern und sich gleichzeitig gegen eine Verbesserung der Zufahrtswege auszusprechen.
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