In Sachen Erinnerungskultur und Versöhnung unterwegs
Einer der Höhepunkte des positiven Genkens an das wechselhafte sudetendeutsch-tschechische Verhältnis in der Hessischen Staatskanzlei: Der Empfang unter dem Titel „Sudetendeutsch-Tschechische Meilensteine – Ein europäischer Weg durch die Geschichte“. Hier Bernd Klippel aus Eidengesäß (2. von rechts) u.a. mit Milan Horácek, Mitbegründer der Partei „Die Grünen“, ehemaliger MdB und MdEP, Präsidiumsmitglied des Bundes der Vertriebenen, Reinfried Vogler, Ehrenpräsident der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen, der Hessische Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck sowie Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe undPräsident der Paneuropa-Union Deutschland.
„Wir haben etwas Undenkliches erreicht. Aus Hass wurden Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen. Wir begegnen uns heute als Freunde.Tschechen und Sudetedeutsche haben nach Jahrzehnten ihren Frieden gefunden.“
Der Eidengesäßer Bernd Klippel war in seiner Funktion als Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Altkreis Gelnhausen, Mitglied der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft und aktives Mitglied der Seligergemeinschaft in den vergangenen Monaten viel unterwegs. Es galt den Pogromen 1945 – vor 80 Jahren – in Aussig an der Elbe (Ustí nad Labem) und vielen anderen Teilen des damaligen Sudetenlandes zu gedenken. „Ebenso erinnern wir uns aber auch an die Anfänge der Annäherung zwischen Sudetendeutschen und Tschechen, an das wachsende gegenseitige Vertrauen und an die heutige feste Freundschaft, die uns verbindet“, unterstreicht Klippel und fügt hinzu: „Welche Strahlkraft die Überwindung von Feindschaften hin zu dauerhaften Freundschaften, wie es Sudetendeutschen und Tschechen über Jahrzehnte gelungen ist, weit über unsere Grenzen hinaus besitzt, bestätigen uns bei allen Veranstaltungen unsere Gäste aus Politik, Kirchen und Gesellschaft.“ Vom ehemaligen deutschen Botschafter in Prag Andreas Künne, zahlreichen MinisterInnen, Abgeordneten aus Europa, Bund und Ländern, Oberbürgermeistern oder – wie zuletzt – dem Hessischen Minister des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, Prof. Dr. Roman Poseck beim Empfang in der Hessischen Staatskanzlei: Ihre Teilnahme dokumentiert die Bedeutung dieses festen Bündnisses im Herzen Europas.
Direkt nach Kriegsende begann die Jagd freier tschechischer Milizen auf ihre früheren Nachbarn, die Sudetendeutschen. Es folgte die sogenannte „wilde Vertreibung“ der Volksgruppe aus ihrem jahrhundertealten Stammland. Deren Angehörige wurden in alle Winde zerstreut. So fanden sich Unzählige auch auf der Wegscheide bei Bad Orb wieder. Dort war ein Sammellager für Heimatvertriebene und Flüchtlinge eingerichtet worden. Zeitweise bis zu 3000 Personen drängten sich auf dem Areal, bevor sie in umliegende Dörfer verteilt wurden. Erste Station der Familie mütterlicherseits des Eidengesäßers Klippel, die aus Ustí nad Labem (Aussig an der Elbe) stammte, war das nordhessische Wabern. Über Homberg/Efze gelangte sie zunächst nach Salmünster und schließlich nach Eidengesäß, wo sie über viele Jahre die Dorfgaststätte betrieb.
Zum 80. Mal jährte sich am 31. Juli das Massaker von Aussig; die Opferzahlen sind umstritten. Unbekannt ist ebenfalls die Zahl der sudetendeutschen Stadtbewohner, die von tschechischen Milizen über das Geländer der Benesch-Brücke in die Elbe gestürzt wurden. Bis heute gelten sie als vermisst, wie auch Familienangehörige Klippels, die Opfer des Massakers wurden und deren Schicksal bis dato ungeklärt bleibt.
„Neben diesen schweren Gedenktagen 2025 hatten wir auch Anlass, an das Positive im Verhältnis zwischen Sudetendeutschen und Tschechen zu erinnern“, so Bernd Klippel rückblickend. Höhepunkt war der Empfang in der Hessischen Staatskanzlei, der unter dem Titel „Sudetendeutsch-Tschechische Meilensteine – Ein europäischer Weg durch die Geschichte“ stand. Gedacht wurde an 120 Jahre Mährischer Ausgleich, 75 Jahre Wiesbadener Abkommen - dem Beginn des sudetendeutsch-tschechichen Versöhnungsprozesses - 75 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen, 75 Jahre Europäische Menschenrechtskonvention und 70 Jahre Sudetendeutscher Rat.
„Im Sinne dieser Meilensteine werden die heute gemeinsamen Initiativen, Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert und grenzüberschreitend umgesetzt“, erläutert Klippel. Für den Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Altkreis Gelnhausen dabei ganz entscheidend: „Das Interesse der jungen Generation in Tschechien wie auf deutscher Seite an der weiteren Aufarbeitung unserer Geschichte und an der Pflege unserer Freundschaft ist groß; der Wille zum friedlichen Miteinander weist in die Zukunft - ein Garant für dauerhaften Frieden mitten in Europa und ein Beispiel dafür, dass Krieg und gegenseitige Gewalt überwindbar sind.“
Einer der Höhepunkte des positiven Genkens an das wechselhafte sudetendeutsch-tschechische Verhältnis in der Hessischen Staatskanzlei: Der Empfang unter dem Titel „Sudetendeutsch-Tschechische Meilensteine – Ein europäischer Weg durch die Geschichte“. Hier Bernd Klippel aus Eidengesäß (2. von rechts) u.a. mit Milan Horácek, Mitbegründer der Partei „Die Grünen“, ehemaliger MdB und MdEP, Präsidiumsmitglied des Bundes der Vertriebenen, Reinfried Vogler, Ehrenpräsident der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen, der Hessische Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck sowie Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe undPräsident der Paneuropa-Union Deutschland.