Alarmierende Entwicklung in unseren Gärten: Bei der diesjährigen "Stunde der Gartenvögel" wurden so wenige Vögel gezählt wie noch nie seit Beginn der Aktion.
Alarmierende Entwicklung in unseren Gärten: Bei der diesjährigen "Stunde der Gartenvögel" wurden so wenige Vögel gezählt wie noch nie seit Beginn der Aktion.
Bereits im vergangenen Jahr mussten wir einen Negativrekord vermelden, der leider in diesem Jahr erneut gebrochen wurde: Die Teilnehmenden konnten in Hessen und auch im Main-Kinzig-Kreis im Durchschnitt nur 27 Vögel pro Garten beobachten. Das ist ein deutlicher Rückgang. Vor zehn Jahren wurden noch 36 Vögel pro Garten gezählt.
"Es scheint, dass sich die drastische, wissenschaftlich belegte Abnahme vieler Vogelarten auf Wiesen und Feldern auch bei den Vogelarten in Dörfen und Städten fortsetzt", sagt der Großenhäuser NABU Vorsitzende Norbert Möller. Es fehlen Verstecke und geeignete Brutplätze. Zudem gibt es immer weniger Biodiversität auf unseren Äckern, Wiesen, am Waldrand und in den Gärten. Auch der Mangel an Insekten ist ein zentrales Problem, da fast alle Singvögel Insekten zur Jungenaufzucht benötigen. Auch den Feldsperling, der eigentlich auch häufig in Gärten vorkommt, melden die Teilnehmenden seit Jahren immer seltener. Ihm fehlen die Samen der heimischen Wildkräuter wie Melde, Knöterich und Beifuß. Auch der Pestizideinsatz der Landwirtschaft trifft diese Art. Sorgen bereitet auch der Grünfink, der durch den Krankheitserreger Trichomonas gallinae bedroht und für die Vögel tödlich ist. Die Amsel war bei der Zählung besonders im Fokus. Man hatte den Verdacht, dass das im vergangenen Jahr vornehmlich in Norddeutschland beobachtete Usutu-Virus sich bei der Zählung bemerkbar machen könnte. Leider war dem auch so. Dort wurden jetzt im Mai deutlich weniger Amseln pro Garten gemeldet. Bei uns in Hessen waren im vergangenen Jahr glücklicherweise die Einbrüche nicht so massiv.
Es erhebt sich die Frage: Was fehlt den Vögeln? Besonders die Gebäudebrüter haben es zunehmend schwer, Brutplätze zu finden. Die Zahl der Häuser, an denen Haussperlinge oder Hausrotschwänze Nischen zum Brüten finden, wird immer weniger. Bei Gebäudeabrissen und Sanierungen entstehen oft ersatzweise keine Nisthilfen an den Neubauten. Außerdem besteht nach wie vor der Trend zu sterilen Gärten. Es entstehen weiterhin Schottergärten, es werden Kirschlorbeerhecken gepflanzt und Flächen neu versiegelt. Wer im eigenen Garten einen Lebensraum für Vögel schaffen möchte, kann mit einfachen Mitteln viel bewirken: Heimische Wildblumen, beerentragende Sträucher oder eine Ecke mit Totholz bieten zahlreichen Arten Nahrung, Unterschlupf und Brutplätze. Wir können die Trendwende gemeinsam schaffen, mit mehr Naturschutz und Toleranz. Dazu sind alle gefordert: Politik, Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen.
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