Jede Menge weiße Mäuse: Rundgang durch das historische Dörnigheim
Ausschnitt aus einer Bestellung des Staalichen Instituts für experimentelle Therapie von wöchentlich 200 weißen Mäusen beim Dörnigheimer Peter Jonas. Quelle: HHStAW 518/2639
Am letzten Wochenende der Schulferien umrundete eine Gruppe historisch interessierter Bürger den alten Ortskern von Dörnigheim.
Im Fokus standen Gebäude und Plätze, die mit Lebensläufen der Zeit zwischen 1933 und 1945 verknüpft sind. Damals hatten braune NSDAP-Funktionäre zwar das Sagen im Ort. Sie bewegten sich jedoch in einer stark rot gefärbten Dorfgemeinschaft. Der Rundgang führte vom ehemaligen „Frankfurter Hof“ zum alten Dörnigheimer Rathaus und weiter entlang der Schwanen- und Untergasse bis zum sanierten Herrenhof in der Kirchgasse. Angeboten hatte die Führung der Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. Dessen Vorsitzender Herbert Begemann konnte dazu auf viele in Archiven schlummernde Dokumente, Fotos und Skizzen zurückgreifen.
Neben bekannten Ereignissen, wie die Beschlagnahme von Vermögen und Inventar verbotener Vereine wie der Freien Turner Dörnigheim, gab es auch überraschend Neues: So geht aus Akten im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden hervor, dass die Eheleute Peter und Käthe Jonas nicht von der Geflügelzucht lebten („Hühnerfarm“), sondern in erster Linie von der Zucht weißer Mäuse, die sie in großen Stückzahlen an Forschungsinstitute verkauften. Hauptabnehmer war das Staatliche Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt, ein Vorläufer des heutigen Paul-Ehrlich-Instituts in Langen. Durch die zeitweilige Inhaftierung von Peter Jonas und die wiederholte Inhaftierung seiner Frau Käthe geriet die Versuchstierzucht immer wieder in größte Schwierigkeiten und kam gegen Ende des Krieges ganz zum Erliegen.
Ausschnitt aus einer Bestellung des Staalichen Instituts für experimentelle Therapie von wöchentlich 200 weißen Mäusen beim Dörnigheimer Peter Jonas. Quelle: HHStAW 518/2639