"Sommerfrisur" für Schafe auf der Weidenkaute

Hochstadt
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Die Schafe von Holger Weiß auf der Weidenkaute in Maintal-Hochstadt haben kürzlich ihre „Sommerfrisur“ erhalten.

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Geduldig ließen die 25 Tiere die Prozedur über sich ergehen. Die meisten wussten offenbar schon, was sie erwartete. Sicher war es bei den frühsommerlichen Temperaturen eine Wohltat, von dem dichten zotteligen Fell befreit zu werden.

Bevor Schafscherer Matthias Moritz die Schermaschine anlegte, musste er kräftig zupacken, um die Schafe in die richtige Position zu bringen. Annkathrin Weiß, die sämtliche Schafe beim Namen kennt, sortierte die abgetragenen Felle nach Qualität. Der Teil der Wolle, der nicht für die Textilindustrie geeignet ist, wird zu Pellets verarbeitet. „Das ist ein super Dünger“, erklärt Holger Weiß. Schafe sind aber nicht nur wertvolle Lieferanten für Wolle, Fleisch und Düngemittel. Die Herde ist enorm wichtig für die Landschaftspflege, denn sie verhindert durch das Weiden unerwünschten Wildwuchs.

Maintals Erster Stadtrat Ralf Sachtleber freut sich: „Endlich haben wir wieder eine Bewirtschaftung der Wiesen in dem Gebiet!“ Holger Weiß übernimmt ab diesem Jahr mit seinen Schafen die Unterwuchsnutzung in den Streuobstwiesen in der Weidenkaute und Umgebung, die unerlässlich ist zum Erhalt des offenen Charakters der Streuobstwiesen. Mit rund 250 Hektar hat Maintal einen der größten zusammenhängenden Streuobstbereiche Hessens. Zudem sind sie vernetzt mit Streuobstgebieten der angrenzenden Städte und Gemeinden bis Frankfurt und Hanau sowie darüber hinaus. Der Streuobstbereich ist bekannt für seine außerordentlich hohe ökologische Wertigkeit, unter anderem wegen seines reichen Vorkommens an Steinkauz- und Gartenrotschwanzbruten. „Die Wiesen im Unterwuchs sind größtenteils extensiv genutzt und gehören zu den artenreichen Glatthaferwiesen und wärmeliebenden Salbei-Glatthaferwiesen. Somit sind sie auch aus internationalen Gesichtspunkten schutzwürdig“, informiert Barbara Fiselius, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis.

Gleichwohl benötigen auch die Obstbäume von der Pflanzung bis zum Altbaum kontinuierliche Pflege. Fehlt diese, so droht ein vorzeitiges Zusammenbrechen der Bestände. Trotz vielfältiger Bemühungen durch den Landschaftspflegeverband, den Streuobstarbeitskreis Maintal und weitere Akteure, konnten die Lücken in den Altbeständen noch längst nicht geschlossen werden. Mit den Obstbäumen droht der Verlust einer reichen Obstsortenvielfalt. Daneben gehen wertvolle Lebensräume für verschiedene Tierarten sowie die wunderschöne Kulturlandschaft verloren. Im aktuellen Jahr will der LPV zusammen mit dem Streuobstarbeitskreis und der Stadt Maintal erneut aktiv werden, um hier weitere Maßnahmen einzuleiten. „Es wäre toll, hier wieder viele Menschen für die Pflege und Nutzung einer Streuobstwiese zu begeistern, denn es gibt kaum etwas Schöneres, als an einem sonnigen Herbsttag die Äpfel seiner Wiese zu ernten“ schwärmt Projektmitarbeiterin Mascha Werth vom Landschaftspflegeverband.

Im ersten Schritt soll eine Bestandsaufnahme Auskunft über den Bedarf an Nachpflanzungen und Altbaumsanierung im Streuobstgürtel von Hochstadt und Bischofsheim geben. Im Weiteren sollen Nutzer für Grundstücke gefunden werden. Hier sind zum einen interessierte Bürgerinnen und Bürger aufgerufen sich zu melden, die ein Grundstück pachten oder gegen Pflege nutzen möchten sowie Personen, die ihr Grundstück selbst nicht mehr nutzen oder pflegen können und es deshalb abgeben wollen. Dabei wird der Landschaftspflegeverband unterstützend bei der Vermittlung von Grundstücken wirken. Grundstücksnutzer sollen bei den erforderlichen Pflegemaßnahmen, wie Altbaumsanierung und Organisation der Unternutzungspflege, unterstützt werden. Zudem sollen Kurse zu Baumpflanzung und -pflege angeboten werden.

Großer Wert soll auch auf Öffentlichkeitsarbeit gelegt werden. So bereiten unwissende Spaziergänger und Hundebesitzer, die Obst auf Privatgrundstücken sammeln und fremde Wiesen betreten, immer wieder Probleme. Hier soll durch Infomaterial und weitere Aktionen Aufklärung erfolgen. Weitere Informationen, besonders zur Vermittlung von Streuobstwiesen sind erhältlich über den Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis, Georg-Hartmann-Straße 5, 63637 Jossgrund, 06059 906688 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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