Plan der 1938 zerstörten Israelitischen Schule Wachenbuchen aufgetaucht

Wachenbuchen
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82 Jahre nach ihrer politisch gewollten Zerstörung am 9. Und 10. November 1938 ist erstmalig ein genauer Plan der Israelitischen Schule Wachenbuchen aufgetaucht. Bisher gab es von dem zweistöckigen Gebäude an der früheren Hauptstraße (heute Alt Wachenbuchen) weder ein Foto noch eine zeichnerische Abbildung.

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Um so größer war die Überraschung als Herbert Begemann, Vorsitzender des Maintaler Vereins Brüder-Schönfeld-Forum e.V., vor einiger Zeit einen Hinweis bekam, dass sich in alten Akten des Landratsamts Hanau, die im Landesarchiv Marburg verwahrt werden, ein Bauplan aus dem Jahr 1882 befindet. Entdeckt hat ihn der Historiker Dr. Wolfgang Fritzsche aus Gustavsburg bei Forschungen zu den Synagogen im Main-Kinzig-Kreis. Erstellt wurde der Plan, als die ursprünglich einstöckige Schule um ein weiteres Geschoss erweitert werden sollte, um eine Wohnung für den Lehrer zu schaffen. „Das Tolle an dem Plan ist, dass er nicht nur das zeigt, was zusätzlich gebaut wurde, sondern auch den Zustand davor. Man sieht also genauso, wie das Gebäude vor 1882 ausgesehen hat“, so Vereinsvorsitzender Begemann.

Von besonderer Bedeutung ist die im Plan ablesbare Lage des Frauenbades, der Mikwe. Denn man muss davon ausgehen, dass wegen ihrer Lage in der Tiefe des Grundwasserspiegels wesentliche Teile noch im Boden erhalten geblieben sind. Heute ist dort, wo das Gebäude 1938 durch örtliche SA-Männer und andere Helfer dem Erdboden gleich gemacht wurde, der Asphalt der Hainstraße: Sie mündet an dieser Stelle, neben dem ehemaligen Synagogenbau, in die Straße Alt Wachenbuchen. Hier liegen auch drei „Stolpersteine“ in Erinnerung an den damals mit Gewalt vertriebenen Lehrer Leo Sonneberg, seine Frau Hedwig und deren Sohn Paul. Leo und Hedwig Sonneberg starben 1941 im Ghetto Lodz.

Zum Bauplan der früheren Israelitischen Schule gibt es im Landesarchiv Marburg noch Schriftstücke, die jetzt vom Brüder-Schönfeld-Forum e.V. ausgewertet werden. Danach geht alles zum Stadtarchiv Maintal, damit sich die allgemeine Öffentlichkeit ein Bild machen kann.

Foto: Der Vorsitzende des Maintaler Vereins Brüder-Schönfeld-Forum e.V., Herbert Begemann, mit der Kopie eines Bauplans von 1882, der die im November 1938 zerstörte Israelitischen Schule Wachenbuchen zeigt.

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