Mit einer so überwältigenden Resonanz hatte der Maintaler Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. überhaupt nicht gerechnet: Zur Verlegung von sieben „Stolpersteinen“ für verfolgte Juden aus Wachenbuchen waren insgesamt 20 Familienangehörige nach Maintal gekommen, Nachfahren von Joseph, Rosa und Fanny Reinhardt aus der Herrnstraße sowie Jenny, Ernst Daniel, Simon und Ludwig Strauß vom Rübenberg.
Angereist waren sie aus den USA, Belgien, Luxemburg und Israel. Am Vormittag des 17. September wurden die Gäste von Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) im Rathaus willkommen geheißen, bevor es dann gemeinsam nach Wachenbuchen ging. Dort warteten bereits Schülerinnen des Albert-Einstein-Gymnasiums. Sie hatten sich im zweisprachigen Geschichtsunterricht mit den Biografien der Verfolgten beschäftigt.
Herbert Begemann, der Vorsitzende des Brüder-Schönfeld-Forum e.V., sprach einleitend von einem „bewegenden Moment“ und gab für die ausländischen Gäste einige Erläuterungen zum früheren Wohnhaus der Familie Reinhardt. Anschließend trugen die Schülerinnen die wesentlichen Lebenslinien der Verfolgten vor. Nach einer Minute des Gedenkens meldete sich dann Jerry Wolf aus dem US-Staat Illinois zu Wort und drückte namens der Angehörigen seine Anerkennung für diese Art des Erinnerns aus.
Vor dem damaligen Wohnhaus der Familie Strauß am Rübenberg versammelten sich Gäste, Schülerinnen, Nachbarn und Vereinsmitglieder erneut, um in gleicher Weise dieser Familie zu gedenken. Vereinsvorsitzender Herbert Begemann erinnerte hier an Simon und Ludwig Strauß, die 1997 einer Einladung der Stadt Maintal gefolgt waren, um an der namentlichen Widmung des Brüder-Schönfeld-Hauses in Dörnigheim teilzunehmen.
Die Brüder Strauß vom Rübenberg wie auch Fanny Reinhardt von der Herrnstraße konnten in den 30er Jahre des letzten Jahrhunderts rechtzeitig ausreisen und überlebten den Holocaust. Von ihrem Leben haben sie später in langen Video-Interviews erzählt. Der Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. besitzt dafür Lizenzen und stellt die Aufnahmen im Rahmen seiner pädagogischen Arbeit Interessierten zur Verfügung.
Ein Besuch des jüdischen Friedhofs in Hanau, wo sich die Gräber der Vorfahren befinden, markierte das Ende des offiziellen Besuchsprogramms.