Eine besonders heikle Aufgabe wartete zu Allerheiligen auf den Maintaler Verein Brüder-Schönfeld-Forum.
Für jenen Sonntag hatte sich Yohanan Hauben, ein Enkel des Mazzenbäckers Robert Reinhardt aus Wachenbuchen, mit seiner Frau Irit zu einem eintägigen Besuch angesagt. Das Besondere: Beide in Israel geborene Eheleute reisten zum ersten Mal nach Deutschland. Für Herbert Begemann, den Vorsitzenden des gastgebenden Vereins, kam es deshalb darauf an, nicht nur ein guter Fremdenführer zu sein, sondern die Gäste „mit ausgebreiteten Armen und ganzem Herzen“ zu empfangen.
Yohanan Hauben hatte bis zu seinem 82.Lebensjahr gezögert, ins Land der Nationalsozialisten zu reisen. Nach dem Holocaust habe es für seine in Wachenbuchen aufgewachsene Mutter Deutschland nicht mehr gegeben. Nach Palästina gerettet, habe sie aus ihrem Leben und ihrer Wohnung alles Deutsche verbannt. „Damit bin ich groß geworden“, so der Besucher aus Israel.
Reiner Zufall war das zeitliche Zusammentreffen mit den Beratungen der Maintaler Gremien zur vorgeschlagenen Rückbenennung der Kleinen Hainstraße in Reinhardtstraße. Die Besucher aus Israel hatten darüber bereits im Internet gelesen und zeigten sich gut informiert. Die großväterliche Bäckerei befand sich im Haus Reinhardtstraße 1, in einem stattlichen und heute vorbildlich restaurierten Gebäude. Man muss dazu aber wissen, dass die Straßenbenennung von 1922 sich nicht auf die Bäckersfamilie bezieht, es sich also um eine zufällige Namensgleichheit handelt.
Zum Besuchsprogramm der israelischen Gäste gehörte neben dem Rundgang durch den historischen Teil von Wachenbuchen auch ein Besuch des Jüdischen Friedhofs in Hanau, wo Franziska Reinhardt, die Großmutter des Yohanan Hauben und deren Eltern begraben sind. Eine weitere Station war die Heldenberger Straße in Groß Karben. Dort steht noch das Haus der mütterlichen Großeltern.
Für den Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. sind die Besuche von Nachfahren der hiesigen Juden meist wenig spektakulär, dafür in ihrer Wirkung aber außerordentlich nachhaltig und als Mittel der Verständigung und Aussöhnung unschätzbar wertvoll.

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