Brüder-Schönfeld-Forum kuratiert internationale Ausstellung

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Die Gedenkstätte Museum IX. Fort im litauischen Kaunas hat den Maintaler Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. gebeten, für eine Ausstellung über die Deportation der Juden aus Frankfurt deren Kuratierung auf deutscher Seite zu übernehmen.

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Schon seit Herbst letzten Jahres werden dafür in den verschiedenen städtischen und staatlichen Archiven Dokumente zusammengetragen.

Das Thema ist von besonderem Interesse, weil man bis Anfang dieses Jahrhunderts gar nicht wusste, welches Ziel der am 22. November 1941 von der Großmarkthalle abgehende Zug hatte. Noch 1996 waren die fast 1000 Namenstafeln am Neuen Börneplatz mit „Riga“ beschriftet und das Datum des Todes offengelassen worden. Bis heute hat sich daran nichts geändert, obgleich seit etwa 2000 feststeht, dass alle 992 Männer, Frauen und Kinder nicht nach Lettland, sondern nach „Kowno“ in Litauen transportiert und dort am 25. November ausnahmslos erschossen wurden.

Zu den meist spannenden, aber immer tragisch endenden Lebensgeschichten gehören Biografien aus Orten des heutigen Main-Kinzig-Kreises. Eine davon ist die von Hilde Flörsheim, Ehefrau eines aus Meerholz stammenden und über viele Jahre in Langenselbold praktizierenden Arztes. Die beiden Eheleute organisierten in der anhaltinischen Stadt Zeitz den Widerstand, wurden verhaftet und kamen, wie auch ihre Tochter Ingeborg, auf unterschiedlichen Wegen zu Tode. Während Dr. Gustav Flörsheim in Auschwitz ermordet wurde, kam Hilde Flörsheim auf den Transport nach Litauen. Die Akten dazu sind auf staatliche Archive in Wiesbaden, Leipzig und Berlin verteilt.

Augenblicklich stockt die Sache, denn die genannten Institute sind wegen der Pandemie genauso geschlossen wie andere kulturelle Einrichtungen. Doch noch ist Zeit. Wenn alles klappt, soll die Ausstellung Ende 2021 in Frankfurt zu sehen sein, ergänzend zu einer allgemeineren Ausstellung im Historischen Museums über „Frankfurt und der Nationalsozialismus“. Geplant ist, die Ausstellung später im Raum Gießen und Fulda zu zeigen, bevor das Ganze nach Kaunas geht. Die zweitgrößte Stadt Litauens wird 2022 Europäische Kulturhauptstadt sein.

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