Landläufig werden sie als sogenannte Angst-Orte bezeichnet. Diese Zuschreibung erfolgt in der Regel jedoch rein subjektiv und deckt sich meist nicht mit polizeilichen Daten. Dies bestätigt auch die aktuelle Auswertung einer repräsentativen Umfrage zur Sicherheit in Maintal.

3.810 Personen wurden im Herbst vergangenen Jahres zufällig aus dem kommunalen Melderegister ausgewählt und waren eingeladen, sich an einer repräsentativen Umfrage im Rahmen von KOMPASS zu beteiligen. KOMPASS (Kommunalprogramm Sicherheitssiegel) ist ein Projekt des Hessischen Innenministeriums, das Kriminalität und Unsicherheitsgefühle in den Kommunen identifizieren und durch passgenaue Maßnahmen beheben möchte. Maintal als eine der ersten vier Pilotkommunen nimmt seit 2018 an der Initiative teil. Die Sicherheitsbefragung erfasst Probleme vor Ort, um in einem nächsten Schritt Strategien zu entwickeln, wie sich das Sicherheitsempfinden der Bürger*innen steigern lässt, um die Lebensqualität vor Ort zu verbessern.

Mit 777 Rückläufen lag die Beteiligung an der Umfrage bei über 20 Prozent – ein positiver Wert für eine repräsentative Erhebung. „Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Bürgerinnen und Bürgern bedanken, die sich Zeit genommen haben, um den Fragebogen schriftlich oder online auszufüllen. Sie haben damit einen hilfreichen Beitrag geleistet, damit wir unsere präventiven Maßnahmen noch besser ausrichten können“, sagt Frank Meisinger. Er ist Leiter des Fachdienstes Allgemeine Ordnungsaufgaben und Präventionsbeauftragter der Stadt Maintal.

Die zufällig ausgewählten Teilnehmenden wurden in der Befragung unter anderem um allgemeine Angaben zu ihrer Person, ihrem Sicherheitsempfinden, ihrer Kriminalitätserfahrung und zu ihrer Erfahrung mit Präventionsprojekten in Maintal gebeten. Insgesamt umfasste der Fragebogen 110 Fragen. Nun liegt die Auswertung durch die Justus-Liebig-Universität in Gießen unter Leitung von Prof. Dr. Britta Bannenberg (Professur für Kriminalität) vor, die auch den Fragebogen erarbeitet hat. Die Ergebnisse dienen als Grundlage, um unterschiedliche Problemlagen zu beheben. Dafür braucht es in der Regel individuelle Konzepte, die sich an den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort orientieren. Oft sind es einfache Maßnahmen, wie ein besseres Beleuchtungskonzept, die eine erhebliche Verbesserung der Situation bringen.

Ein positives Beispiel ist der Flugzeugspielplatz an der Bischofsheimer Goethestraße. In einer nicht-repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2018, die ebenfalls von der Justus-Liebig-Universität durchgeführt wurde, wurde der Spielplatz in den Abendstunden als ein sogenannter Angst-Ort wahrgenommen. Grund dafür war vor allem die unzureichende Beleuchtung. Seitdem wurden zusätzliche Laternen installiert, sodass der Flugzeugspielplatz in der aktuellen Umfrage nicht mehr benannt wurde. „Mit einfachen Mitteln gelingt es, dass sich Bürgerinnen und Bürger in ihrem Umfeld sicherer fühlen. Das ist enorm wichtig, denn es geht um Lebensqualität. Ich freue mich, dass damit die Ziele von KOMPASS greifbar werden: Mehr Sicherheit bedeutet, dass alle Perspektiven in unser Stadt berücksichtigt werden“, sagte Bürgermeisterin Monika Böttcher bei einem Termin vor Ort.

Generell zeigt sich, dass neben einer schlechten Ausleuchtung vor allem die Lage, die umliegende Bebauung oder die Nutzung bestimmter Bereiche darüber entscheiden, wie ein Ort wahrgenommen wird. Abgeschiedene Plätze, Treffpunkte von Gruppen, insbesondere junger Männer, oder ein ungepflegtes Erscheinungsbild des öffentlichen Raums tragen dazu bei, dass Menschen sich unsicher fühlen. Denn gerade Bereiche, die unansehnlich wirken, erwecken den Eindruck fehlender sozialer Kontrolle. An solchen Orten fühlen sich Menschen schnell unwohl.

Im Rahmen der Befragung wurden die beiden Maintaler Bahnhöfe, die Goethestraße in Bischofsheim, das Opel-Eck sowie das Mainufer in Dörnigheim, der Festplatz in Hochstadt sowie das Bürgerhaus und der Abenteuerspielplatz in Wachenbuchen als Orte genannt, an denen sich die Befragten in den Abend- und Nachtstunden nicht sicher fühlen. Sie wünschen sich eine bessere Beleuchtung und eine häufigere Präsenz von Polizei und Ordnungsbehörde, fühlen sich aber zuweilen ebenso von lärmenden Gruppen junger Menschen verunsichert oder assoziieren diese Bereiche mit Alkohol- und Drogenkonsum. Die Umfrage hat ebenfalls ergeben, dass sich etwas mehr als jede*r dritte Befragte nachts in der eigenen Wohngegend eher unsicher fühlt. Besonders häufig wurde die Furcht vor Wohnungseinbruch, Diebstahl sowie Sachbeschädigungen genannt. Dabei ist es Frank Meisinger wichtig zu betonen, dass es sich bei der Einschätzung des Sicherheitsempfindens um eine subjektive Bewertung handelt.

Unabhängig davon, dass an diesen Orten statistisch gesehen keine erhöhte Gefahr für ein Verbrechen besteht, ist es dennoch wichtig, diesen Bereichen noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn sobald die Bevölkerung solche Orte zunehmend meidet, schwindet die soziale Kontrolle. „Das darf nicht sein. Es ist wichtig, dass sich die Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit in Maintal sicher fühlen, und vielfach kann die Kriminalitätsfurcht mit einfachen Mitteln deutlich gemildert oder gar behoben werden“, sagt der neue Erste Stadtrat und Ordnungsdezernent Karl-Heinz Kaiser und kündigt an: „Wir werden die Ergebnisse der Umfrage in unsere Überlegungen und Aktivitäten einfließen lassen, um das subjektive und reale Sicherheitsempfinden der Bevölkerung weiter zu verbessern. Einen besonderen Fokus werden wir dabei auf die in der Umfrage benannten Orte richten.“

Foto: Für Bürgermeisterin Monika Böttcher, Ersten Stadtrat Karl-Heinz Kaiser und Maintals Präventionsbeauftragten Frank Meisinger sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage Anlass, das individuelle Sicherheitsempfinden der Bürger*innen durch gezielte Maßnahmen weiter zu stärken. Oft lassen sich Angst-Orte durch einfache Mittel positiv beleben. Ein gelungenes Beispiel ist der Flugzeugspielplatz in Bischofsheim. Foto: Stadt Maintal

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