Verweigererzahlen 2012: Kleine Anfrage, große Wirkung

Maintal

"Wieviele Mannschaftsdienstgrade,  Unteroffiziere und Offiziere haben 2012 den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigert?"

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Mit dieser scheinbar harmlosen Anfrage wandte sich der kirchliche Beauftragte Helmut Stein vor einigen Wochen an das Bundesministerium für Verteidigung in Berlin. Für die jährliche Pressekonferenz seines Beratungsteams für Kriegsdienstverweigerung (Maintaler KDV-Team) wollte er diese Zahlen gerne bereit halten.

Das Verteidigungsministerium erklärte sich jedoch für nicht zuständig und verwies auf das Familienministerium bzw. das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, weil dort die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt würden. Aber auch hier war die Auskunft, entsprechende Daten - insbesondere die Aufteilung nach Dienstgraden - würden nicht erhoben. Helmut Stein konnte und wollte dies nicht glauben und schaltete den Bundestagsabgeordneten Dr. Sascha Raabe ein, der auf seine Anfragen jedoch mehrmals ebenfalls keine befriedigenden Antworten bekam.

Dennoch kam durch die Beharrlichkeit von Helmut Stein und des Abgeordnetenbüros von Dr. Raabe Bewegung in die Sache. Inzwischen liegen die Verweigererzahlen von 2012 nicht nur vor, sondern wurden gegenüber Helmut Stein sogar schriftlich sowohl vom Verteidigungsministerium als auch vom Familienministerium ausdrücklich bestätigt. 2012 haben demnach 346 (Frauen? und) Männer einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, davon 316 Soldaten, 28 Reservisten und 2 Ungediente. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2011, in dem nur(!) 181 Unteroffiziere und Offiziere verweigert hatten.

Weitaus entgegenkommender ging das Verteidigungsministerium mit den Zahlen um, die die freiwillig Wehrdienstleistenden ( Frauen und Männer) betreffen. Von denjenigen, die 2012 ihren freiwilligen Wehrdienst angetreten haben, haben diesen 28,6% (!) innerhalb der ersten 6 Monate wieder beendet - entweder von sich aus oder weil ihnen die Bundeswehr innerhalb der Probezeit kündigte.

Dies sind Zahlen, die Helmut Stein und das KDV-Team darin bestätigen, junge Menschen immer wieder davor zu warnen, der Werbung in den Medien, in Schulen und auf Berufsmessen leichtfertig Glauben zu schenken. Soldat ist nicht einfach nur ein Beruf, er eignet sich nicht für Abenteuer oder "Karriere". Auch wer nur mal für ein Jahr "schnuppern" will, muss ab dem 11. Monat bereits Auslandseinsätzen zustimmen. Jede junge Frau und jeder junge Mann muss damit auch bekunden, dass sie bereit und auch vor ihrem Gewissen fähig sind, im Ernstfall andere Menschen zu verletzen oder zu töten.

Wer sich intensiv mit solchen Lebensplanungs- und Gewissensfragen auseinandersetzen möchte, kann sich am Mittwoch, dem 24.04.13, 17.00-19.00 Uhr telefonisch (06181/441368) melden. Bei Bedarf können auch (kostenlose) Beratungsgespräche, wenn gewünscht mit Eltern, vereinbart werden. Per Mail ist das KDV-Team unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar.


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