Beim Stichwort „Neckar“ fällt wohl jedem zuerst die romantische Seite des berühmten Flusses ein.
Beim Stichwort „Neckar“ fällt wohl jedem zuerst die romantische Seite des berühmten Flusses ein.
Ganz anders erlebten das in der Zeit des zweiten Weltkrieges Tausende von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, denn die Region am mittleren Neckar war ein Zentrum der Rüstungsproduktion, überwiegend verborgen in unterirdischen Stollen.
Exemplarisch ist das dokumentiert in der Gedenkstätte Mosbach-Neckarelz , die jetzt der Maintaler Verein Brüder-Schönfeld-Forum bei seiner Jahresfahrt besuchte. 1944 wurde die Produktion von Flugzeugmotoren der Daimler-Benz AG aus dem Berliner Raum in einen Gipsstollen der Portland-Zementindustrie nach Obrigheim am Neckar verlegt. Zur Tarnung wurde der Namen „Goldfisch GmbH“ verwendet. Die seit einigen Jahren mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg neu gebaute Gedenkstätte in Neckarelz liegt auf dem Gelände der örtlichen Schule, die seinerzeit für die Unterbringung von KZ-Häftlingen aus Dachau benutzt worden war. Besonders erstaunte die Besucher das weiträumige Geflecht der Zwangsarbeit, welches – aus dem besetzten Elsass gesteuert – bis ins Rhein-Main-Gebiet reichte: Frankfurt mit seinen Adler-Kleyer-Werken (Tarnname „Katzbach“), Walldorf (Bau der Landebahn am Flughafen Frankfurt) oder Geisenheim (Maschinenfabrik Johannisberg GmbH) sind hier die markantesten Orte.
Nach dem Mittagessen ging es einige Kilometer weiter ins badische Waibstadt bei Sinsheim. Oberhalb der Kleinstadt im Kraichgau liegt einer der größten jüdischen Landfriedhöfe Baden-Württembergs. Unmittelbar daneben das mächtige Mausoleum des 1927 gestorbenen Frankfurter Mäzens Hermann Weil, dessen Urne (und die seiner Frau und einer Pflegerin) hier bis zu den Pogromen vom November 1938 aufbewahrt wurde. Das bis in die jüngste Zeit kaum beachtete und daher baufällig gewordene Denkmal ist vor wenigen Jahren durch die Initiative eines rührigen Trägervereins restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht worden.
Der vermögende Kaufmann Hermann Weil, im Kraichgau geboren, gilt als der materielle Begründer des berühmten Instituts für Sozialforschung der Universität Frankfurt. Diese verlieh ihm für die „Förderung der Forschungsarbeit der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät“ 1922 die Ehrendoktorwürde. Seine Privatvilla in der Frankfurter Zeppelinallee gibt es heute noch. Sie war nach dem zweiten Weltkrieg für einige Zeit Sitz des Deutschen Fußball Bundes.
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