Unterstützung für den Erhalt des Speierlingsbaums

Maintal

In der Umgebung von Frankfurt sieht man ihn noch relativ häufig. Er ist ein imposanter und landschaftsprägender Bestandteil vor allem in traditionellen Streuobstgebieten – so auch in den Maintaler Wiesen.

Höfler Fenster

speiermainspeiermain1speiermain2speiermain3speiermain4Der Speierlingsbaum. Mit einer Kartierungsaktion sowie einer Untersuchung zum Erhaltungs- und Pflegezustand der Bäumesetzt sich der Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig-Kreis seit Anfang des Jahres dafür ein, den Speierlingsbaum vermehrt in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken. Das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Streuobst sowie dem Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Maintal läuft noch bis Ende des Jahres und wird von der Fraport AG mit einem Betrag von 5.000 Euro gefördert.

In Maintal mit seinen alten gewachsenen Streuobstwiesen sind vom Speierling – einem Wildobst mit kleinen, birnen- oder apfelförmigen, stark gerbstoffhaltigen Früchten – noch viele Altbäume erhalten. „Wir schätzen den Bestand aktuell auf über 100 Bäume. Diese stehen vor allem auf den Streuobstwiesen in Hochstadt“, so Barbara Fiselius, Geschäftsführerin beim LPV. Wie mehrere Ortsbesichtigungen zeigten, sind bei einigen Altbäumen dringend Baumpflege- und Erhaltungsmaßnahmen nötig. Auch bei etlichen Jungbäumen fehlt die gezielte Pflege, die den Baum erst zu seiner vollen Form auswachsen lässt. „Für eine effiziente und priorisierte Bearbeitung der Einzelbäume ist jedoch eine praktisch orientierte und systematische aktuelle Erhebung über den Zustand und Pflegebedarf notwendig“, so Barbara Fiselius weiter. In Maintal fehlte solch eine Kartierung bisher. „Wir freuen uns sehr, dass auch dank der Fördergelder von Fraport diese wichtige Arbeit nun ausführlich nachgeholt werden kann“, so Maintals Umweltdezernent, Stadtrat Ralf Sachtleber. Gemeinsam mit Freia Klinkert-Reuschling, Barbara Fiselius und Vertretern der Fraport AG überzeugte er sich vor Ort in den Hochstädter Streuobstwiesen selbst vom Zustand der Bäume als wichtigem und prägendem Bestandteil der Maintaler Landschaft.

Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis führt das Projekt der Speierlingskartierung in Maintal als Träger verantwortlich durch. Vom Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt Stadt Maintal werden unterstützend Informationen bereitgestellt, lokale Spezialistinnen und Spezialisten unter anderem aus dem Arbeitskreis Streuobst Maintal werden ergänzend befragt. Auch das Büro für angewandte Landschaftsökologie AnLand von Diplom-Biologin Monika Peukert steht mit gutem Rat zur Seite. Die ausgewiesene Speierlingsspezialistin hat eine ähnliche Kartierungsaktion bereits für die Stadt Frankfurt durchgeführt und ist als Referentin regelmäßig beim Arbeitskreis Streuobst aktiv. „Es wird geschätzt, dass es in ganz Hessen derzeit noch etwa 400 bis 500 Speierlingsbäume gibt, die 80 Jahre oder älter sind“, erklärt sie. Nachdem der Baum 1993 mit sehr großem Erfolg „Baum des Jahres“ war, wurden immerhin etliche Jungbäume nachgepflanzt. „Mit der Erhebung des Speierlingsbestands in den Maintaler Streuobstwiesen möchten wir dazu beitragen, nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung des Pflege- und Erhaltungszustandes der Speierlinge auf den Weg zu bringen“, so Stadtrat Ralf Sachtleber.

Alte Hausmedizin und Zusatz für das „Stöffche“
Die Speierlinge entwickeln im Freistand – speziell in den Streuobstwiesen – große Kronen. Sie fruchten fast jährlich, liefern dann bis zu 1.000 kg Früchte pro Baum und erreichen bis zum Alter von 140 Jahren einen Stammdurchmesser von bis zu 130 Zentimetern. Ursprünglich stammt der Speierling aus Wäldern des nördlichen Mittelmeergebietes und des Balkan. Seit der Antike wurden die Früchte als Nahrungsmittel geschätzt und die Baumart kultiviert. Die Römer führten den Speierling als Obst nördlich der Alpen ein. Im Mittelalter war der Speierling ein wichtiges Kulturgehölz. Die Früchte sind erst im überreifen Zustand essbar. Der gerbstoffreiche Saft der unreifen Früchte wird manchmal in geringen Mengen von 1 bis 3 Prozent dem Apfelwein zugefügt. Dieser haltbare, herbe Apfelwein wird verkürzend Speierling genannt und ist eine Spezialität im Frankfurter Raum. In der Volksmedizin spielten die vollreifen Früchte wegen ihres Gerbstoffgehalts eine Rolle als Hausmedizin gegen Durchfall, Ruhr und Erbrechen – davon hat der Baum auch seinen Namen. Heute werden sie zu Mus, Marmeladen und zu Speierlingsbrand verarbeitet. Aufgrund des geänderten Nutzungsverhaltens wurden viele Speierlingsbäume auf den Streuobstwiesen zwischen den 1950er und 1990er Jahren jedoch nicht ausreichend gepflegt und zu wenige Jungbäume nachgepflanzt.

Bei der Kartierung in Maintal wird jeder Baum einzeln mit einer Fotodokumentation und Zustandsbeschreibung sowie den Standortkoordinaten mit GPS-Daten erfasst. Es kommt dabei eine Methodik zur Anwendung, die bereits 2012 im Frankfurter Raum getestet wurde und von der Unteren Naturschutzbehörde nun als wesentliche Arbeitsgrundlage verwendet wird. Die Arbeiten können nur von ausgewiesenem Fachpersonal mit Erfahrung in der Beurteilung von Bäumen und insbesondere Altbäumen erledigt werden. Nach der Aufnahme aller Speierlingsbäume werden die Daten digital erfasst und als Loseblattsammlung ausgegeben. Zudem wird es eine Übersichtstabelle aller Bäume in Maintal mit Koordinaten, eine Liste der Exemplare mit dringendem Handlungsbedarf und eine Vorschlagsliste für weitere Maßnahmen geben.

Mit den Fördergeldern aus seinem Umweltfonds unterstützt der Flughafenbetreiber Fraport den Regionalpark RheinMain, Forschungsprojekte und umweltpädagogische Maßnahmen sowie Natur- und Umweltschutzprogramme in der Region. Seit 1997 wurden über 800 Einzelmaßnahmen mit einer Gesamtsumme von rund 34 Millionen Euro bezuschusst.

Foto (von links): Thi Quyen-Thuy Nguyen (Fraport) gratuliert Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband zum geförderten Projekt, während sich Diplom-Biologin Monika Peukert und Erster Stadtrat Ralf Sachtleber ebenfalls sehr über die Förderung der Fraport AG freuen.

Foto: Inmitten der Hochstädter Streuobstwiesen fand die symbolische Schecküberreichung statt. Von links: Thi Quyen-Thuy Nguyen überreicht für die Fraport AG an Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband die Förderungszusage. Diplom-Biologin Monika Peukert, Erster Stadtrat Ralf Sachtleber und Freia Klinkert Reuschling (Stadt Maintal) freuen sich ebenfalls sehr über die Zuwendung.

Foto: Inmitten der Hochstädter Streuobstwiesen fand die symbolische Schecküberreichung statt. Von links: Thi Quyen-Thuy Nguyen überreicht für die Fraport AG an Barbara Fiselius vom Landschaftspflegeverband die Förderungszusage. Diplom-Biologin Monika Peukert, Erster Stadtrat Ralf Sachtleber und Freia Klinkert Reuschling (Stadt Maintal) freuen sich ebenfalls sehr über die Zuwendung.

Foto: Das Bild zeigt einen prächtigen Speierlingsbaum. Viele dieser Bäume sind insbesondere in den Streuobstwiesen rund um Maintal-Hochstadt zu finden. Bei deren bevorstehenden Kartierung wird jeder Baum einzeln mit einer Fotodokumentation und Zustandsbeschreibung sowie den Standortkoordinaten mit GPS-Daten erfasst.

Foto: Die Früchte des Baumes sind erst im überreifen Zustand essbar. Der gerbstoffreiche Saft der unreifen Früchte wird manchmal in geringen Mengen von 1 bis 3 Prozent dem Apfelwein zugefügt. Dieser haltbare, herbe Apfelwein wird verkürzend Speierling genannt und ist eine Spezialität im Frankfurter Raum.


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