Mit Spannung erwartet wurde am Montag im Rahmen einer gemeinsamen Ausschusssitzung die Präsentation der Ergebnisse des Maintaler Bürgergutachtens zur künftigen Stadtentwicklung im Bürgerhaus Bischofsheim.
Die wichtigste Aussage stand dabei ganz zu Beginn. Keines der drei Szenarien, die der Workshop-Gruppe vorgelegt worden waren, hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vollkommen überzeugt. Sie empfehlen ein neues, viertes Szenario.
„Vielfalt verbinden“, „Konzentration an der Stadtachse“ und „Neue Mitte“: So lauteten die Überschriften für drei ganz unterschiedliche Konzepte, die Frank Ammon vom Stadtplanungsbüro ammon + sturm für die Stadt Maintal entworfen hatte. Diese waren neben bestehenden Konzepten und Planungen die Grundlage des Bürgergutachtens. Das Ergebnis steht nun fest: „Nach vier sehr arbeitsintensiven Tagen mit einer Menge Informationen und lebhafter Diskussion sind die Gutachterinnen und Gutachter zu einem eindeutigen und einstimmigen Ergebnis gekommen.“, verrät der für Konzept und Durchführung des Bürgergutachtens beauftragte Stadtplaner Markus Hirth vom Büro projekt.stadt aus Bensheim in seinem Abschlussbericht. Die Kernaussage des neuen, vierten Szenarios lautet: Maintals Stärke ist die Vielfalt seiner Stadtteile und seiner Bewohner – und das soll auch in Zukunft so bleiben.
Das von der Gruppe erarbeitete neue Szenario enthält Elemente aus den beiden Konzepten „Vielfalt verbinden“, und „Konzentration an der Stadtachse“. Die Vorschläge des dritten Szenarios, das den Bau einer Neuen Mitte im Bereich des Maintalbads und der Grünen Mitte vorgesehen hatte, konnte nicht befürwortet werden und fand daher keinen Eingang in das nun vorgestellte Ergebnis.
Wege und Verbindungen müssen verbessert werden
Damit die Idee der Individualität erfolgreich umgesetzt werden kann und trotzdem das Gefühl einer „einheitlichen“ Stadt Maintal entsteht, haben die Gutachterinnen und Gutachter zahlreiche Verbesserungen und Veränderungen vorgeschlagen. So müssten zum Beispiel in erster Linie Wege und Verbindungen zwischen den Stadtteilen besser funktionieren, wenn Maintal von der Vielfalt seiner Stadtteile leben soll. Das betrifft Fußwege, Beleuchtung, Radwege und Busverbindungen – insbesondere auch von und nach Wachenbuchen. Zur Aufwertung der Stadtteile und zur Beseitigung von Missständen haben die Workshop-Teilnehmer eine Liste erstellt, die im Laufe der Zeit weiter ergänzt werden kann. Sie beinhaltet unter anderem eine Neubebauung am Ortseingang Dörnigheim/ Opel-Eck, die Aufwertung des Mainufers, die Neugestaltung der Straße Alt-Bischofsheim, die Verschönerung der Ortsdurchfahrt in Wachenbuchen sowie die Möglichkeit, „Tante-Emma-Lädenin den Stadtteilen Bischofsheim und Wachenbuchen zu etablieren. In den alten Ortskernen aller Stadtteile sollten die Gehwege speziell für mobilitätseingeschränkte Menschen verbessert und die Ortskerne aufgewertet werden, etwa durch Begrünung, Alleen, eine attraktive Möblierung und bessere Parkmöglichkeiten.
Natur erhalten in der Grünen Mitte
Die Grüne Mitte wird in dem Bürgergutachten als besonderer Begegnungsort für ganz Maintal gesehen. Sie ist in ihrer besonderen Qualität aus Sicht des Landschaftsschutzes und der Ökologie zu erhalten, darf nicht bebaut werden, und auch Sportstätten sollen dort nicht errichtet werden. Die Tatsache, dass es sich um Überschwemmungsgebiet handelt, spricht ebenfalls gegen eine Bebauung. Die Grüne Mitte sollte aber dennoch als Begegnungsort für Maintal weiter entwickelt werden. Dazu gehören eine bessere Beleuchtung, sichere und attraktive Wege sowie ausreichende Sitzgelegenheiten. Ganz wichtig für die Gutachterinnen und Gutachter ist dabei, sich bei einem Ausbau der Grünen Mitte als Begegnungsort an die Begrenzungen des Naturraums zu halten. Der Vorschlag, im Bereich der Grünen Mitte eine „Neue Mitte“ mit Rathaus, Geschäften, Stadthalle und Wohnbebauung zu realisieren, wurde abgelehnt – neben den Naturschutz-Aspekten auch aus finanziellen Gründen.
Auch ein Neubau des Maintaler Rathauses – sowohl in einer Neuen Mitte als auch am Bahnhof Dörnigheim – macht aus Sicht der Gutachterinnen und Gutachter keinen Sinn. Das Rathaus sei kein wesentliches Element für eine städtische Mitte, da es nur relativ selten von den Bürgerinnen und Bürgern besucht werde, so die Gruppe. Vorgeschlagen wird, dass alle Teile der Verwaltung am jetzigen Standort in Hochstadt zusammengezogen werden. Dort soll der Altbau abgerissen und durch einen barrierefreien Neubau ersetzt werden. Durch Einsparungen bei Betriebskosten und Mieten könnte das Projekt annähernd kostenneutral realisiert werden.
Stadtentwicklung in Dörnigheim vorantreiben
Aufgegriffen wurde von den Gutachterinnen und Gutachtern die Idee von Frank Ammon, den Bereich Bahnhof Dörnigheim nach Norden bis Hochstadt als sogenannte Stadtachse zu einem besonderen Ort zu entwickeln. Dies beinhaltet auch die Umsetzung der Maßnahmen, die bereits im Rahmen des Stadtleitbildprojekts „Maintal Entree“ für die Südseite des Bahnhofs Maintal-Ost entwickelt wurden. Als Nutzungen für diesen neuen zentralen Bereich werden Wohnungen, Geschäfte, Läden, Café, ein Kino sowie ein Ärztehaus vorgeschlagen, in dem auch wieder ein ärztlicher Notdienst für Maintal einziehen könnte. Eine Mehrheit von 17 der insgesamt 20 Gutachterinnen und Gutachtern empfiehlt außerdem den Neubau einer Mediathek im Bereich des Bahnhofs Maintal-Ost. Die Stadtteilbibliotheken in Bischofsheim und Wachenbuchen würden bleiben: Die Bücherei in Bischofsheim sei gut in den Schulbetrieb integriert, die Bücherei Wachenbuchen sei kostengünstig und solle wegen der großen Entfernung nach Dörnigheim als Treffpunkt und Quelle für Medien gerade auch für ältere Menschen erhalten werden. In Sachen Sportanlagen empfiehlt die Workshop-Gruppe, die Sportstätte Eichenheege aufzugeben und auf dem Gelände stattdessen eine Wohnbebauung zu realisieren. Der vorgeschlagene Ersatzstandort nördlich des Maintalbads wird wegen des Eingriffs in die Grüne Mitte abgelehnt. Für die dringend erforderliche Zusammenlegung von Sportanlagen soll die Stadt Maintal verschiedene Varianten untersuchen. Neben dem Ausbau des Standorts „Dicke Buche“ werden die Standorte „Westlicher Ortseingang Dörnigheim gegenüber real“ und „Am Rand der Grünen Mitte südlich der Bahnlinie“ zur Prüfung vorgeschlagen.
Für alle genannten Maßnahmen müssen in den kommenden Monaten von der Stadt Maintal die finanziellen Rahmenbedingungen wie Bau- und Betriebskosten sowie Einsparpotentiale genau unter die Lupe genommen werden. Die Empfehlungen der Gutachterinnen und Gutachter basieren auf den Zahlen, wie sie zum jetzigen Zeitpunkt der Planungen abschätzbar waren und durch die Verwaltung vorgetragen wurden. „Grundsätzlich müssen natürlich alle Ideen auch finanzierbar sein. Dies werden wir nun ermitteln, dann geht es weiter“, erklärt dazu Erster Stadtrat Ralf Sachtleber. Eine Erhöhung der Grundsteuer zur Finanzierung der Vorschläge wird von den Gutachterinnen und Gutachtern abgelehnt. Als besonders wichtig erachten sie dafür, die Maintaler Bürgerschaft auch weiterhin in die Planung und Realisierung von Projekten und Maßnahmen zu integrieren. Auch das bürgerschaftliche Engagement sollte weiter gestärkt werden. Die Teilnehmer regen an, bei den weiteren Maßnahmen etwa zur Weiterentwicklung der Grünen Mitte wiederum Bürgerinnen und Bürger zur tatkräftigen Mithilfe einzuladen. Die Arbeitsform „Bürgergutachten“ wurde von allen Beteiligten sehr positiv bewertet. Alle Gutachterinnen und Gutachter möchten über den weiteren Verlauf der Beratungen informiert werden und sind weiterhin am Mitmachen und Mitgestalten interessiert.
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