Zuhörer mit Darstellern verwechselt

Ostheim

Die Zuhörer werden ein Teil der erzählten Geschichte – so erfährt es das Publikum in seinem Programmheft.

Autohaus Nix

Auch in diesem Jahr inszenierte ein Ostheimer Konfirmandenkurs eine Theateraufführung, die ans absurde Theater erinnert. Gespielt wird eine freie Interpretation des biblischen Gleichnisses „Die königliche Hochzeit“. Jesu tragikomische Geschichte handelt von einem König, der für die Hochzeit seines Sohnes gewaltsam Gäste herbeibringen muss, damit überhaupt gefeiert werden kann. Ebenso tragikomisch inszenieren die Ostheimer Konfirmanden ihr Theaterstück dazu. Die Szenen sind witzig, aber das Publikum traut sich nicht zu lachen. Diese Verunsicherung spiegelt die Zumutung, wenn Jesus eigentlich nicht eine Geschichte über das Himmelreich erzählt, sondern die Zuhörer selbst zu Darstellern macht. Und so passiert es auch: Drei uniformierte Jugendliche zerren Zuschauer auf die Bühne und stellen sie an den Altar, an dem sie verunsichert zurückgelassen werden. Braut und Bräutigam werden von Jesus selbst nie erzählt, stehen aber den ganzen Abend unbeholfen auf der Bühne.

Wer Darsteller ist und wer Publikum, bleibt im ganzen Stück auf der Schwebe: Aus dem Zuschauerraum erheben sich Jugendliche, die sich über das Stück beschweren. Gleichzeitig beschweren sich „echte“ Zuschauer, dass der Kameramann ihren Blick verstellt. Doch was man sieht, wird umso rätselhafter: Drei Adressaten des Gleichnisses unterhalten sich über die Geschichte, als sie von Jesus plötzlich darauf aufmerksam machen, dass einer von ihnen die falsche Kleidung hat, um überhaupt da sein zu dürfen. Irritiert lässt sich dieser Zuhörer gefallen, von den übrigen gefesselt zu werden. Erst als jemand nachdenklich in die Runde fragt: „Gott, wo bist du eigentlich?“, ruft der Gefesselte durch seinen Knebel: „Betrug! Betrug!“

Die Frage, wo Gott ist, stellt sich in den Gleichnissen Jesu immer, so erfährt man aus dem Programmheft. Tatsächlich aber gibt es keine einfache Antwort darauf. Protestierende Zuhörer auf der Bühne fordern diese Antwort ein, aber Jesus beschwichtigt: „Erst hören, dann verstehen!“ Jedoch versucht sogar Jesus selbst Gott den Vater zu überreden, diese Geschichte nicht den Menschen erzählen zu müssen: „Wenn ich sie schon nicht verstehe, wie sollen die sie dann verstehen?“

Die Antwort, wo Gott ist, wird letztendlich vom Publikum abhängig gemacht: Denn nach dieser Inszenierung wird man genauer danach suchen, ob man selbst im Leben Gott entspricht – und ihn somit findet.

Die 26 Konfirmandinnen und Konfirmanden haben ein subtiles und spannendes Stück geschrieben, das sie souverän aufgeführt haben. Hier demonstrierten Jugendliche vor einem großen Publikum, dass sie ihrer Religionsmündigkeit gewachsen sind und etwas Neues zu sagen haben. Am Ende des verwirrenden Spiels halten sie sich dann doch an den scheinbar unauffindbaren Gott. In Gestalt der Soldaten des Königs heißt es: „Das Himmelreich ist ein wunderbares Reich.“


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