Die entscheidende Weiche ist gestellt: Der Vorstand des Trägervereins Bürgerhof Ostheim hat am Freitag im Rathaus den Kaufvertrag mit der Stadt Nidderau unterzeichnet.
Für einen symbolischen Euro geht die historische, aber sanierungsbedürftige Hofreite in den Besitz des Vereins über. Die Stadtverordnetenversammlung hatte zuvor dem Verkauf des ehemaligen Weiderhofes an der Limesstraße ohne Gegenstimme zugestimmt. Das Projekt zur Schaffung einer Seniorenbegegnungsstätte und dem Ausbau des Heimatmuseums erfreut sich auch von privater Seite einer Welle der Unterstützung: Nicht einmal zwei Monate nach der Gründung des Vereins hat die Mitgliederzahl mit 110 einen dreistelligen Wert erreicht.
Die Gründungsversammlung Anfang Februar hatte bereits alle Erwartungen übertroffen. 50 Mitglieder wollte man gewinnen. Letztlich mussten 186 Stühle aufgestellt werden. 60 Besucher erklärten noch am Abend den Beitritt zum Trägerverein und entrichten künftig einen Jahresbeitrag von 25, 50 oder 90 Euro (Einzelpersonen, Vereine, Firmen).
Nach der Vertragsunterzeichnung kann der Bauantrag gestellt und mit den Renovierungsarbeiten begonnen werden. „Die Leute rufen mich schon an und fragen, wann sie die Tapeten abreißen können“, berichtete Ostheims Ortsvorsteher Horst Dillmann in seiner Funktion als Vorsitzender des Trägervereins. Das Vorderhaus muss nur renoviert werden: neue Fußböden, neue Tapeten. Dem Hinterhaus steht ein kompletter Umbau bevor. Ein großer Versammlungsraum, großzügige und behindertengerechte Toilettenanlagen sowie ein ebenerdiger Zugang lauten die großen Vorhaben. Angedacht ist auch, eine Werkstatt zu integrieren und im Hof Turngeräte für Senioren aufzustellen. „Es wäre toll, wenn wir den Weihnachtsmarkt im Hof diesmal anders feiern können, und nicht – wie im letzten Jahr – mit zugefrorenen Toiletten“, sagte Vorsitzender Dillmann über den Zeitplan.
„Gratulation den mutigen Bürgern aus Ostheim zu dieser Initiative. Die Bewahrung des Bürgerhofes verdient Respekt und Anerkennung. In den nächsten Monaten muss in die Hände gespuckt werden. Die Stadt steht mit Rat und Tat zur Seite“, sagte Bürgermeister Gerhard Schultheiß. „Es ist schön, dass die Weichen für ein gutes Ende gestellt sind. Ich hoffe, dass der Geschichtsverein mit dem Trägerverein und allen anderen Unterstützern das Ziel erreicht, Geschichte und Tradition in einem vergrößerten Umfang wahren zu können“, sagte Heinrich Pieh vom Trägerverein. Der Dank ging auch an Notar Klaus-Peter Rug von der Nidderauer Kanzlei Jahn & Rug und Dieter Gonze vom Steuerbüro Gonze & Schüttler, die erreicht hätten, dass der Trägerverein schnell als gemeinnützig anerkannt wurde.
Zweck und Ziel des Vereins ist die Anschaffung und der Erhalt sowie die Unterhaltung des Gebäudes, auch unter Denkmalschutzaspekten, außerdem die Errichtung einer Seniorenbegegnungsstätte. Als Vorbild dient der Schützenhof in Oberrodenbach. Die Finanzierung ist gesichert. Die Umbaukosten werden mit 311.000 Euro beziffert. 150.000 Euro steuert das Land Hessen, 80.000 Euro die Stadt bei. Eigenleistungen, großzügige Spenden einer Firma und des Heimat- und Geschichtsvereins sowie Firmensponsoring decken die Investitionen. Verwaltet wird das Geld von der Stadtkasse.
Nachdem die Stadt die Hofreite anno 2008 für 285.000 Euro gekauft hatte, fehlte das nötige Geld für die Sanierung. Ein Dorfmuseum oder Museum für Handwerk und Landwirtschaft waren angesichts von Kosten bis zu 1,3 Millionen Euro nicht realisierbar. Main-Kinzig-Kreis und Fraport lehnten eine Unterstützung ab. Es war schließlich die FWG, die mit der Idee kam, einem zu gründenden Trägerverein das Objekt zu überlassen – oder es an privat zu verkaufen, erinnert sich Bürgermeister Schultheiß. Stadtverordnetenvorsteher Gunther Reibert warb bei der Vereinsgemeinschaft Ostheim mit Erfolg für das Modell. Der gordische Knoten war zerschlagen, zumal es dem Landtagsabgeordneten Hugo Klein und dem Bürgermeister gemeinsam gelang, Dr. Dr. Frank Theisen vom Hessischen Sozialministerium für das Bürgerhof-Projekt mit Seniorenbegegnungsstätte zu begeistern.
Trotz des Happyends: Dem Projekt Bürgerhof und seinem Trägerverein stehen noch viele harte „Bergetappen“ bevor. Denn mit den gut 300.000 Euro kann nur ein Drittel des Hofes saniert werden. Weiteres Geld muss generiert werden. Wer helfen, spenden oder Mitglied werden will, wendet sich an die Firma Dillmann (Telefon 06187/3028) oder an Silvia Herrmann vom Büro des Bürgermeisters (06187/299-103).
Foto: Für nur einen Euro: Reinhard Weider, Horst Dillmann, Heinrich Pieh und Markus Dillmann (von links) für den Vorstand des Trägervereins und Stadtrat Hanstheo Freywald, Rathausmitarbeiter Jürgen Hartenfeller, Bürgermeister Gerhard Schultheiß und Stadtverordnetenvorsteher Gunther Reibert (von rechts) unterzeichnen im Beisein von Notar Klaus-Peter Rug (vorne Mitte) den Kaufvertrag.
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