Universität und Kirche

Ostheim

"Ich gehe beruhigt nach Hause, dass der Mensch doch kein künstliches Leben erschaffen kann."

Morgenpost

So äußerte sich eine Teilnehmerin der diesjährigen Ostheimer Tagung "Universität und Kirche". Ein Teilnehmer fügte allerdings hinzu: "Und trotzdem habe ich Angst vor der weiteren Entwicklung."

Zwei Tage hatten sich Theologiestudierende in der Ostheimer Kirche mit Menschen aus der Hanauer Region getroffen, um über die ethischen Folgen künstlicher Intelligenz und Robotertechnologie nachzudenken. Schon im kommenden Jahrzehnt werden sich Menschen nach Gedächtnisverlust einen Computerchip ins Gehirn einsetzen lassen können, der ihre Lebensgeschichte gespeichert hat. Auf diese Weise haben sie wieder Zugriff auf ihre Vergangenheit. Aber sind sie danach noch Menschen oder schon Maschinen? Die Tagung sponn die Entwicklung weiter: Was geschieht, wenn nicht nur das Gedächtnis gespeichert wird, sondern auch das Denktempo oder die menschliche Wahrnehmung mit Sensortechnik perfektioniert wird? "Wer bekommt den Arbeitsplatz, wenn sich künftig ein natürlicher Mensch und ein Mensch mit Gehirnprothese um eine Stelle bewerben?", fragte rhetorisch Pfarrer Lukas Ohly, der die Tagung leitete. Der Ostheimer Gemeindepfarrer ist zugleich Professor für Theologische Ethik an der Goethe-Universität Frankfurt.

Trotz der ethischen Risiken beruhigte Ohly die Teilnehmenden, von denen die jüngsten 16 Jahre und der älteste 85 Jahre alt war. "Wenn Leben geworden ist, kann es nicht gemacht werden", so Ohly in einem Kurzreferat. Man müsste schon Kreationist sein, also ein religiöser Fundamentalist, um anzunehmen, dass Leben gemacht werden könne. Aber dann könnte auch Gott nur künstliches Leben erschaffen. Wichtig sei es allerdings zu verhindern, dass die sogenannten intelligente Prothesen noch Hilfsmittel bleiben. Sie dürfen nicht die Steuerung des Menschen übernehmen.

Trotz der großen Altersunterschiede und der unterschiedlichen Qualifikationen der Teilnehmer war die Gruppe schnell integriert. Und bei aller Sorge zum Thema blieben die Teilnehmer neugierig aufeinander und entwickelten eine fröhliche Atmosphäre. Mit einem Konzert der Ostheimer Gospelfamily wurde der Charakter der Veranstaltung weiter aufgelockert. Zwischen den Gospels inszenierten die Studierenden eigene Stücke der Musik- und Weltliteratur zur menschlichen Phantasie künstlichen Lebens.

Die Tagung "Universität und Kirche" wird seit 2006 jährlich in Ostheim angeboten. Sie ist für die Teilnehmenden kostenfrei und richtet sich an Interessierte der Hanauer Region unabhängig von deren religiösem Bekenntnis. In diesem Jahr nahm auch eine Muslimin teil, die in Frankfurt Islamstudien studiert.


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