Ein Diener schiebt einen Paravent in den Raum und drapiert etwas umständlich Dessous und Wäsche darauf.
Ein Diener schiebt einen Paravent in den Raum und drapiert etwas umständlich Dessous und Wäsche darauf.



Wir befinden uns mitten in den Probenarbeiten der Musical-Familie Nidderau, die sich dieses Wochenende in das Jugendzentrum Ronneburg zurückgezogen hat, um intensiv die bevorstehende Inszenierung ihres aktuellen Projektes vorzubereiten, dessen Veranstalter die Sängervereinigung Nidderau-Windecken e.V. ist. Am 18. März wird die Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán Premiere in der Willi-Salzmann-Halle in Windecken feiern. Bis es soweit ist, haben nicht nur die Solisten noch einiges zu tun. Während Rebecca Wokittel, die die Hauptrolle der Sylva Varescu besetzt, noch einmal den Diener, verkörpert von Hermann Schulz, herumkommandiert, dringen vom Nebenraum flotte Töne herüber. Leonore Kleff, Initiatorin, musikalische Leiterin und Ansprechpartnerin für alle kleinen und größeren Sorgen ihrer Mitwirkenden probt gerade zum allerersten Mal mit dem gesamten Orchester. Sie verrät: „Die erste Orchesterprobe ist für mich immer besonders spannend. Man muss zusammenführen, was die einzelnen Instrumentalisten bereits eigenständig einstudiert und vorbereitet haben. Neben Streichern, Bläsern, einem Schlagzeuger und dem Akkordeon hat in dieser Operette die Harfe einen großen Part. Nicht ganz ohne Stolz erzählt Leonore Kleff, dass sie im Vorfeld einige Inszenierungen gesehen hat und nicht bei jeder eine Harfe dabei war. „Es ist nicht ganz einfach, jemanden zu finden, der dieses Instrument beherrscht, aber mir war klar, dass wir darauf einfach nicht verzichten können und ich habe eine talentierte junge Dame gefunden.“ So ist es, wenn sich Leonore Kleff etwas in den Kopf gesetzt hat. Nicht zuletzt dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass es in Nidderau seit nunmehr 20 Jahren Musicalinszenierungen wie „Tabaluga“, „Tanz der Vampire“ und „My fair Lady“ gibt.
Ein Musiker fehlt jedoch in der Probe. Es ist Christopher Scheld, der Pianist. Da auch der Musical-Chor gerade probt und Leonore Kleff nicht überall sein kann, obwohl das an diesem Tag noch öfter so den Anschein haben wird, hat der Korrepetitor, der den Chor und die Solisten bereits seit den Proben zum Singspiel „Im weißen Rössl“ betreut, diesen Part übernommen. Unterstützung bekommt er dabei direkt aus den Reihen des Chores: Dorothea Gerdes, eine tragende Altstimme und ehemalige Musiklehrerin hat sich spontan bereit erklärt, einzuspringen. „Und so ist es immer“, sagt Leonore Kleff. „Wenn Not am Mann ist, ist hier stets jemand da, der aushilft. Es gibt keinen Konkurrenzkampf, allein das Miteinander zählt.“ Diese positive Energie und die Harmonie in der Gruppe spürt man auch als Außenstehender schnell. Als am Nachmittag die erste gemeinsame Probe von Chor, Ballett, Solisten und Orchester ansteht, wird trotz der Aufregung deutlich, wie sehr sich alle darauf freuen.
Da schreiten die Chordamen in ihrer feinen Abendtoilette dahin und kokettieren mit den Herren in ihren edlen Fräcken, die wiederum das Singen beinahe vergessen als das Ballett die Bühne betritt. Kein Wunder, denn die fünf Damen, die von Anni Lenz und Karolin Weisenstein trainiert werden, verkörpern die Varieté-Damen und sehen in ihren Corsagen und den Netzstrümpfen einfach umwerfend aus. Karolin Weisenstein tanzt trotz der Trainertätigkeit selbst mit und ist nicht die Einzige, die gleich mehrere Aufgaben übernommen hat. Auch Romina Jungk, die die Rolle der alten Fürstin singt und spielt und im Chor mitwirkt, hat eine weitere große Aufgabe, denn bei ihr laufen alle administrativen Fäden zusammen. Der Regieassistent Felix Wokittel spielt eine Doppelrolle, er verkörpert Oberleutnant Rohnsdorff und den Amerikaner Mc Grave, eine kleine Rolle von großer Bedeutung.
Eine Dame fällt wegen ihres zauberhaften Kleides besonders ins Auge: Conny Meister, die die Nichte Stasi der ebenfalls prachtvoll gekleideten Fürstin spielt. Aber nicht nur die Kostüme überzeugen, auch stimmlich und schauspielerisch haben Chor, Tänzerinnen und Solisten einiges zu bieten. In weiteren Rollen sind Mykolas Nechajus als Fürstensohn Edwin, Marcel Lutz als Graf Boni und Manfred Herrmann als Feri von Kerekes zu hören und zu sehen. Die Sprechrolle des Notars Kiss hat Horst Körzinger übernommen, der sich parallel auch im Sponsorenteam engagiert. Darauf angesprochen betont er: „Sponsoren sind für dieses Großprojekt sehr wichtig. Wir sind sehr dankbar, dass sich immer wieder so viele Geschäftsleute und Privatpersonen finden, die uns mit ihrer Spende unterstützen und so die Durchführung möglich machen.“ Während Horst Körzinger noch ein wenig weitererzählt, erscheint ein alter Bekannter auf der Bildfläche – Gottfried Schubert. Als er 2015 den Kaiser „Im weißen Rössl“ spielte, war das Publikum völlig begeistert, wenn er die Bühne betrat. Auch dieses Mal wird er in bekannter Weise hochherrschaftlich den alten Fürsten darstellen, der keinesfalls dulden möchte, dass sein Sohn eine Chansonette zur Frau nimmt. Dass am Ende doch alles anders kommt, kommt im Laufe des Nachmittages ans Licht. Dazwischen sind immer wieder musikalische Leckerbissen wie „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“, „Tausend kleine Engel singen“ und „Machen wir’s den Schwalben nach“ zu hören und auch wenn noch nicht alles perfekt klappt, ist schon zu erkennen, dass wieder ein besonderes Musikereignis auf das Nidderauer und Schönecker Publikum wartet. Eintrittskarten für die Aufführungen im März und April können bereits an den bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.printyourticket.de erworben werden. Die Karten sind im Vorverkauf für 18,00 Euro (Kinder 9,00 Euro) erhältlich.
Die Aufführungstermine sind:
Sa. 18.03.2017 • 19:00 Uhr • Willi-Salzmann-Halle, Nidderau-Windecken
So. 19.03.2017 • 17:00 Uhr • Willi-Salzmann-Halle, Nidderau-Windecken
Sa. 25.03.2017 • 19:00 Uhr • Bürgertreff, Schöneck-Kilianstädten
So. 26.03.2017 • 17:00 Uhr • Bürgertreff, Schöneck-Kilianstädten
Sa. 22.04.2017 • 19:00 Uhr • Kultur- und Sporthalle, Nidderau-Heldenbergen
So. 23.04.2017 • 17:00 Uhr • Kultur- und Sporthalle, Nidderau-Heldenbergen
Sa. 29.04.2017 • 19:00 Uhr • Bürgerhaus, Nidderau-Ostheim
So. 30.04.2017 • 17:00 Uhr • Bürgerhaus, Nidderau-Ostheim
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