Ein Abend, der zum Nachdenken anregte

Rodenbach
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Zu dem Abend eingeladen hatte der Freundeskreis des Medientreffs Rodenbach und Demokratie leben Erlensee-Rodenbach.

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Knapp 60 Besucherinnen und Besucher erlebten am Jahrestag des Endes des II. Weltkriegs am 8. Mai in den Räumen des Medientreffs eine spannende Buchlesung. Die Autorin Sabine Bode, 1947 geboren, Journalistin und selbst Nachkriegskind, hat sich seit den 1990er Jahren intensiv mit den Schicksalen von Menschen, die den Krieg als Kinder erlebten, deren Kindern und Enkeln befasst und dies in mehreren Büchern verarbeitet, in denen sie die Menschen selbst zu Wort kommen lässt. Sie wagte es, nicht Menschengruppen wie Juden, Sinti und Roma, Gewerkschafter, Kirchenmitglieder, Kommunisten und Demokraten, die besonders unter dem Nationalsozialismus gelitten haben, in den Mittelpunkt zu stellen. Bewusst richtete sie ihren Blick auf die „normalen“ Kinder und Familien, die im Kriegsdeutschland lebten, die Kriegsheimkehrer, die Vertriebenen, unsere Eltern und uns selbst als folgende Generationen, ohne die Gräuel des Faschismus zu verharmlosen. Es geht ihr darum, was Krieg und Vertreibung mit Menschen macht – damals wie heute, weltweit!

Am Beispiel zweier Familien, eine aus Westdeutschland, eine aus Ostdeutschland, machte sie deutlich, welch tiefe Spuren die Traumata des Krieges bei unseren Eltern und bis heute hinterlassen haben. Da ist zum Beispiel die „Burg“-Familie, wie sie sie nennt: nach außen eine „heile Familie“, herzliche und hilfsbereite Nachbarn, nach innen leben die Eltern eine starrer Routine ihres Tagesablaufs, die ihnen vermeintliche Sicherheit gibt und keinen Platz für Konflikte oder gar ihre konstruktive Lösung lässt. Misstrauen, Angst vor Neuem, vor Veränderungen, Verdrängung von Problemen, oft verbunden mit einer Unfähigkeit, Geborgenheit und Liebe, Verständnis, einen „sicheren Hafen“ für Heranwachsende zu geben. Das macht es vielen Nachkriegskindern und Kriegsenkeln fast unmöglich, ihre Eltern zu verstehen und führt zu Unsicherheit bis hin zu Depressionen. Nicht alle schafften es, durch unterschiedlichste individuelle Bewältigungsstrategien einen für sie guten Lebensweg zu finden.

Während Sabine Bode las und berichtete, war es sehr still im Saal. Viele Besucher reflektierten ihre eigenen Erfahrungen, in der anschließenden lebhaften offenen Diskussion fand das seinen Ausdruck. Und die Wirkungen von Kriegstraumata, Flucht und Vertreibung sind keine Vergangenheit, sondern eine universelle Erscheinung weltweit bis heute. Dies bestätigte Sabine Bode ausdrücklich aus ihrem Engagement bei internationalen Konferenzen und Seminaren. Viele Gedankenstränge, von denen jeder es wert ist, weitergedacht zu werden…..das war der Eindruck vieler Besucher*innen. Noch lange saßen einige Besucher im Medientreff und sprachen über das Gehörte, auch zu Hause beschäftigte das Thema weiter.

Am Ende der Veranstaltung bedankte der Freundeskreis Medientreff sich ganz herzlich bei der Autorin Sabine Bode für die Denk-Anstöße, bei „Demokratie Leben“ für die finanzielle Unterstützung, beim Medientreff, bei Herrn Knoll von der Bücherstube Keese und bei allen ehrenamtlichen Helfern, die diese anregende Veranstaltung möglich gemacht haben.

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