Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) beobachtet zunehmend überwinternde oder frühzeitig aus den Winterquartieren zurückkehrende Störche.
Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) beobachtet zunehmend überwinternde oder frühzeitig aus den Winterquartieren zurückkehrende Störche.
Die Frage, ob diese auch ohne Zufütterung eine Chance haben, beantwortet der erste Vorsitzende der GNA, Günter Könitzer.
Der jedes Jahr Anfang August beginnende Zug der Weißstörche in südlichere Gefilde bis nach Afrika ist eine angeborene Verhaltensweise, die in den letzten Jahren mehr und mehr verlorengegangen zu sein scheint. Auch kehren Störche immer früher in ihre Brutgebiete zurück. Bereits vor der letzten Jahreswende wurde ein Rückkehrer in den Nidderauen im Main-Kinzig-Kreis gesichtet. Seit etwa einer Woche halten sich mehrere Störche in der verschneiten Rodenbacher Kinzigaue auf. Sinken die Temperaturen und kehrt der Winter wieder ein, häufen sich verständlicherweise die Anfragen besorgter BürgerInnen bei Naturschutzorganisationen wie der GNA, ob die Weißstörche eine Überlebenschance haben.
GNA gibt Entwarnung. Hier kann die GNA, die sich seit Jahren für den Weißstorch mit vielen Projekten stark macht, erst einmal Entwarnung geben. „Die derzeit vorherrschenden winterlichen Verhältnisse stellen noch keine Notsituation für die Störche dar, die im Übrigen bis zu einer Woche ohne Nahrung leben können.“, erklärt die GNA Biologin Susanne Hufmann. „Der Boden ist nicht gefroren und in den Gräben ist viel Grasaufwuchs. Hier sind viele Mäuse zu finden.“. Denn Feldmäuse stellen zurzeit das Hauptnahrungsmittel von Ciconia ciconia, wie der Storch wissenschaftlich genannt wird, dar. Die Mäuse besitzen keine Fettdepots, halten keinen Winterschlaf und legen keinen Wintervorrat an. Deshalb müssen sie täglich fressen. Zum Vorteil für den Storch. Da Feldmäuse nicht wie Wühlmäuse unter der Erde nach Nahrung suchen, kann er sie jederzeit erbeuten. Auch Mäusebussard und Turmfalke profitieren davon.
Was frisst ein Storch? Als ausgeprägter Nahrungsopportunist frisst der Storch beinahe alle tierische Nahrung, die nicht zu klein, nicht zu groß und vor allem einfach zu erbeuten ist. Sein Speiseplan ist wesentlich reichhaltiger als der der meisten europäischen Vogelarten. So liest sich sein Speisezettel wie die Aufzählung der in Mitteleuropa vorkommenden Kleintierarten. Dazu zählen Eidechsen, Schlangen, Maulwürfe, Spitzmäuse, junge Ratten; aber auch Heuschrecken, Käfer, Insektenlarven aller Art, Schnecken, Muscheln und sogar Fische. Das Klischee vom „Froschjäger Storch“ ist damit hinfällig.
Schöner Erfolg. Wenn es im März langsam wieder wärmer wird, sind Regenwürmer eine Zeitlang die Hauptnahrung der Störche. Erst wenn im Frühjahr bei geeigneter Witterung die Amphibien wieder zum Vorschein kommen, stehen Frösche, Kröten und Kaulquappen an der ersten Stelle seines Speiseplans. Für den Fortpflanzungserfolg der großen Wiesenvögel sind einzig eine hohe Nahrungsdichte und ihre leichte Erbeutbarkeit ausschlaggebend. Dass in der Rodenbacher Kinzigaue zurzeit diesbezüglich alles richtig läuft, zeigen die Fortpflanzungserfolge der letzten Jahre. Im letzten Sommer wurden auf dem seit dem Jahr 2000 kontinuierlich besetzten Storchenhorst im Naturschutzgebiet Röhrig von Rodenbach sogar erstmalig fünf Jungstörche aufgezogen.
Keine neue Erscheinung. In den Brutgebieten überwinternde Störche sind keine Neuheit. Sind sie gut über den Winter gekommen, befinden sie sich gegenüber den Zugstörchen sogar in einem deutlichen Vorteil, da sie frühzeitig die besten Niststandorte besetzen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachwuchs der Überwinterer nicht mehr den markanten Zugtrieb aufweisen, ziemlich hoch.
Negative Folgen. Erst in einem richtig starken Winter mit hohen Schneedecken und langanhaltenden Frostperioden haben die überwinternden Störche Schwierigkeiten, zu überleben. Diesmal zum Vorteil der Zugstörche, die nach ihrer Ankunft im Brutgebiet die Konkurrenz nicht mehr vorfinden. Diese naturgegebenen populationsdynamischen Prozesse haben sich über lange Zeiten bewährt, so dass die Schlussfolgerung zulässig ist, dass das Füttern der Störche im Winter in die natürliche Populationsdynamik nicht nur eingreift, sondern sie sogar negativ beeinflusst. Deshalb raten die meisten Naturschutzverbände von einer Winterfütterung für Störche ab. Ähnlich verhält es sich mit Aufzuchtanlagen, die ihren Sinn erfüllten, als die Storchenpopulation in Deutschland komplett zusammengebrochen war. In Hessen gab es beispielsweise über 30 Jahre kein einziges Brutpaar mehr. Ausgewilderte Aufzuchtstörche waren geeignet, ziehende Störche zum Bleiben und Brüten in der Region zu veranlassen. Denn da, wo sich ein Storch aufhält und allem Anschein nach gut leben kann, bleiben andere Störche auch. Zurzeit ist die Storchenpopulation in Hessen und im Main-Kinzig-Kreis wieder im Aufwärtstrend, so dass sowohl auf Aufzuchten als auch auf die Zufütterung verzichtet werden kann.
Neuer Amphibientümpel. Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung ist bemüht, eine stabile Storchenpopulation im Kinzigtal zu etablieren. Dabei geht es ihr vornehmlich um Nahrungsbiotope in einem storchengerechten Lebensraum. Dazu zählen alle Übergangszonen zwischen Wasser und Land, Uferzonen von Flüssen und Seen und regelmäßig überschwemmte Wiesen. Wichtig ist es vor allem, ausreichend Nahrungshabitate zu schaffen, so dass im März die aus Afrika zurückgekehrten Weißstörche schon früh genügend Nahrung vorfinden. Das Gleiche gilt im Besonderen für die Zeit der Jungenaufzucht bis zum Wegzug in die Winterquartiere. Im Rahmen ihres Artenschutzprogrammes realisierte die GNA zuletzt im Sommer 2012 einen Amphibientümpel, der nach dem Aufstellen des zweiten Nistmastes helfen wird, die Nahrungssituation in der Rodenbacher Kinzigaue noch einmal zu verbessern. Weitere Projekte sind in der Planung.
Nachhaltige und langfristige Unterstützung. Die GNA sucht Storchenpaten, die mit einem monatlichen Betrag das Artenschutzprojekt Weißstorch unterstützen möchten. Grundsätzlich gilt: Patenschaftsbeiträge gelten als Spende und sind daher steuerlich absetzbar. Eine Bestätigung über ihre Zuwendungen erhalten GNA Storchenpaten unaufgefordert jeweils am Anfang des darauffolgenden Jahres. Regelmäßig veröffentlicht die GNA einen Projekt-Report über ihre Aktivitäten und die Entwicklung des Storchenbestandes. Und: Eine Patenschaft kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen beendet werden. Wer möchte, erhält eine schöne Patenschaftsurkunde.
Gerne werden Patenschaften auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen, zum Jubiläum oder zu Taufen verschenkt. Einmalige Spenden sind natürlich ebenso hilfreich.Das GNA Spendenkonto lautet:Raiffeisenbank Rodenbach, BLZ 506 636 99, Konto 10 70 800. Bei Interesse wendet man sich an die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung, Gartenstr. 37, 63517 Rodenbach, Telefon: 06184 – 99 33 797 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.gna-aue.de
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