Schwarze Beine und schwarze Schnäbel – so sind die heranwachsenden Störche von ihren Eltern auf den fünf bewohnten Nestern in Rodenbach zu unterscheiden, berichtet die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) in ihrer aktuellen Pressemitteilung.
Die Naturschützer der GNA, die gestern wieder einmal die Storchennester in der Rodenbacher Kinzigaue begutachteten, stellten pro Neststandort je zwei Jungstörche fest: Nicht nur auf der seit dem Jahr 2000 durchgängig besetzten Nisthilfe mitten im Feuchtgrünland, sondern auch auf dem erst 2010 errichteten Storchenmast am Rand der Kinzigaue. In Rodenbach sind derzeit aber nicht nur die beiden künstlichen Nisthilfen besetzt. Auch mitten im Naturschutzgebiet „Röhrig von Rodenbach“ hat ein Storchenpaar sein Nest gebaut – in den Astgabeln eines abgebrochenen Baumes. Diese eigentlich naheliegende, natürliche Verhaltensweise wurde von den ehrenamtlichen Storchenschützern der GNA schon viele Jahre nicht mehr beobachtet. Das ungewöhnlichste Nest befindet sich aber im Wäldchen direkt am Weg in die Aue. Zwischen den hohen Pappeln kann die Familie Adebar gut mit bloßem Auge beim Brutgeschäft beobachtet werden.
Auch auf dem alten Wehrturm in Niederrodenbach ist der erste Brutversuch seit 1962 erfolgreich verlaufen: Hier wachsen derzeit ebenfalls zwei Jungstörche auf. Die Wiederbesetzung dieses historischen Nistplatzes funktionierte nicht ganz konfliktfrei. Vielmehr lieferten sich rivalisierende Störche heftige Luftkämpfe. Der Hintergrund: Storchenmännchen verteidigen schon unmittelbar nach ihrer Ankunft im Brutgebiet ihre Horste, vorübergehend sogar mehrere gleichzeitig. Während dieser Zeit verlässt der Storch „seinen“ Horst nur sehr selten, bewacht ihn und verjagt jeden Konkurrenten. Die wenige Tage später eintreffenden Weibchen heißt er dagegen mit ausdauerndem Klappern willkommen.
Bald nach der ersten Paarung beginnen Störche mit der Eiablage. Die mittlere Gelegestärke liegt bei drei bis vier Eiern, wobei es von Jahr zu Jahr zu erheblichen Schwankungen kommen kann. Am häufigsten sind 3er-Gelege, in manchen Jahren auch Gelege mit vier Eiern. 5er-Gelege stellen eher die große Ausnahme dar. Nester mit sechs und mehr Eiern sind sehr selten.
Jungstörche wachsen erstaunlich schnell. Im Alter von zwei Wochen hat sich ihr Geburtsgewicht bereits verzehnfacht. Mit drei Wochen nehmen Jungstörche täglich zwischen 150 und 200 Gramm zu und mindestens das 3 bis 4fache ihrer Gewichtszunahme verschlingen sie an Nahrung, die in den ersten Lebenswochen hauptsächlich aus Regenwürmern, Insektenlarven, Heuschrecken und Käfern besteht. In den weiteren Lebenswochen der Küken verschiebt sich das Spektrum hin zu größeren Beutetieren. Eidechsen, Schlangen, Maulwürfe, Spitzmäuse, junge Ratten, aber auch Schnecken, Muscheln und selbst Fische stehen dann auf dem Speiseplan der Küken, die den fütternden Eltern aufgeregt ihre kleinen Schnäbel entgegenstrecken. An heißen Tagen und bei langer Trockenheit werden die Jungen zusätzlich mit Wasser versorgt, dass die Eltern im Schlund herantransportieren.
Wesentlich niedriger als die Zahl der Eier ist die Anzahl ausfliegender Jungvögel. Sie liegt in Deutschland im Schnitt bei drei Jungen. Denn nur dort, wo die Nahrungsvoraussetzungen im Lebensraum der Weißstörche wirklich optimal sind, gelingt es den Elterntieren, alle Jungvögel eines Horstes großzuziehen. Dass es in diesem Jahr in Rodenbach jeweils nur zwei Jungvögel pro Nest geschafft haben, mag mit der Zunahme der brütenden Storchenpaare und der daraus resultierenden Konkurrenz um die Nahrung zu tun haben. Nur einmal, und zwar 2012, hatte ein Rodenbacher Storchenpaar alle fünf Jungstörche großziehen können.
Vom langjährigen Engagement der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung hat der Weißstorch im Kinzigtal in den vergangenen Jahren profitiert. Dennoch brauchen Störche weiterhin eine starke Lobby, denn um ihren Lebensraum, das Feuchtgrünland und die Flussauen, ist es eng geworden. Die GNA engagiert sich daher hauptsächlich für neue Nahrungsbiotope und die Gestaltung eines storchengerechten Lebensraums. Im Rahmen ihres Artenschutzprogramms Weißstorch realisierte die GNA zuletzt einen großen Tümpel, der die Nahrungssituation in der Rodenbacher Kinzigaue noch einmal verbessern sollte. Weitere Projekte entlang der Kinzig sind in der Planung und benötigen finanzielle Unterstützung.
Storchenpaten gesucht!
Die GNA sucht Storchenpaten, die mit einem monatlichen Betrag den Weißstorch unterstützen. Patenschaftsbeiträge gelten als Spende und sind daher steuerlich absetzbar. Storchenpaten erhalten unaufgefordert jeweils am Anfang eines Jahres eine Spendenquittung. Eine Patenschaft kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen beendet werden. Wer möchte, erhält eine schöne Patenurkunde. Gerne werden Patenschaften auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen, zum Jubiläum oder zu Taufen verschenkt.
Einmalige Spenden sind natürlich ebenso hilfreich für das Artenschutzprojekt.Das GNA Spendenkonto lautet:Raiffeisenbank Rodenbach, BLZ 506 636 99, Konto 10 70 800 (IBAN: DE75 5066 3699 0001 0708 00, BIC: GENODEF1RDB). Bei Interesse wendet man sich an die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung, Buchbergstr. 6, 63517 Rodenbach, Telefon: 06184 – 99 33 797 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Weitere Informationen und das Online-Formular zur Anmeldung finden sich unter www.gna-aue.de
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