Viele Unterschiede zwischen Hoch-, Allgemein- und Niedrigkultur

Rodenbach

Dass ein Buchhändler nicht nur eine literarische sondern auch eine satirische Ader haben kann, zeigte Detlef Knoll in seinem Soloprogramm.

Messe Wächtersbach

detlefknolldetlefknoll1detlefknoll2detlefknoll3detlefknoll4Der Inhaber der Bücherstube in Niederrodenbach beleuchtete den Kulturbetrieb – oder was heutzutage dafür gehalten wird – auf seine ganz spezielle Weise in der Begegnungsstätte Schützenhof in Oberrodenbach.  „Kultur-Initiative“ nannte der Buchhändler Detlef Knoll den Kulturbetrieb unter dem Thema: „Gemeinsamkeiten von Goethe und Dschungelcamp, die es in diesen Zeiten notwendig machen, Unterschiede herauszuarbeiten!“. Zunächst schlug Knoll nach eigener Aussage  im Lexikon nach und  zitierte: „Kultur  ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der reinen Natur.“  Jetzt könnte man mutmaßen, ob einem Gehirn, das sich so etwas wie das Dschungelcamp ausgedenkt, eine irgendwie geartete Störung zu diagnostizieren ist, Fakt ist aber, dieser Fernsehquotenschlager wurde von Menschen gestaltend hervorgebracht und muss deshalb wie Goethes Faust als Kultur bezeichnet werden.

Kultur bewegt sich innerhalb eines weit gefächerten Spektrums und Detlef Knoll setzte deshalb ein paar Fixpunkte und unterschied zwischen 1. Hochkultur, Goethe, Schiller usw., also die, die heute noch kaum einer freiwillig lesen will und 2. Gebrauchskultur, das sind menschliche Erzeugnisse, die nicht zur Hochkultur zählen, aber nützlich sind, weil sie intelligent unterhalten sowie  3. Niedrigkultur, auch Trash, ins Deutsche übersetzt, also Müll genannt. An diese Dreiteilung lehnte sich der Rodenbacher Buchhändler im Verlauf des Abends immer wieder an. Als erstes Beispiel diente im „Der Erlkönig“ in Hochkultur von Johann Wolfgang von Goethe. Zur Unterscheidung folgte in Allgemeinkultur von Heinz Erhardt „Der König Erl“. Was ist im Vergleich dazu Trash? „Nun, Trash, also Müll ist es, wenn bei ´Wetten Das`, der bedauernswerte Hollywood-Schauspieler Gerard Butler den Erlkönig mit Eiswürfeln in der Hose vorlesen musste. Knoll machte es ganz besonderen Freude, wenn er Antworten (meist von jungen Leuten, aber immer öfter auch von älteren)  von Straßenumfragen z. B. „Kennen Sie Goethes Faust?“ wiedergab: „Eh mach misch nischt an mit so nem Scheiß! Faust hat doch bestimmt was mit Klitschko zu tun oder?“ und fragte ins Publikum „Woran liegt das?“ Unterhaltungskultur findet heute zu einem Großteil im Fernsehen und im Internet statt.

Das Dschungelcamp ist nur etwas für abgehalfterte Prominente und dieses Gerüchle will sich natürlich kein aktiver Politiker ans Bein binden.  Im Container haben es nur Westerwelle und Möllemann, mit geringem Erfolg probiert, bei Let`s Dance hat Frau Simonis auch nicht bella Figura  abgegeben. Politiker lassen sich lieber bei Lanz beschleimen oder bei Plaßberg mit dem Faktencheck bedrohen. Fakten, Fakten, Fakten sind wichtig und für die Fernsehmacher steht ein Faktum an allererster Stelle, die Einschaltquote. Die Besucher skandierten dem Satiriker auf die Frage:  „Was bringt uns in den Gremien gute Noten?“ immer wieder lautstark: „Einschaltquoten, Einschaltquoten!“

Natürlich kam der Sport auch sein Fett weg. „Eigentlich ist Sport etwas natürliches, abgeleitet aus den normalen Bewegungsabläufen des Menschen. Ringen oder Boxen sind also durchaus natürlich“ so Detlef Knoll. Nur diese Sportarten geben nicht genug her, um die für Sport zur Verfügung stehenden Fernseh-Sendezeiten zu füllen und sie oft nicht fernsehgerecht umzusetzen. „Bei Olympischen Spielen im Fernsehen wird stundenlang Beach-Volleyball mitten in London gezeigt und Ringen findet so gut wie nicht statt. Warum? Beach-Volleyball ist sexy und deshalb telegen. Beim Ringen verdrehen sich kräftige Typen mit solchen Muckis schwitzend Arme und Beine. Das ist nicht sexy.“

Das Thema Esskultur durfte nicht fehlen: „Früher, also viel früher, in der Steinzeit, war Ernährung noch etwas ganz natürliches. Man hatte Hunger, also besorgte man sich etwas zu essen. Man nahm das, was einem vor den Speer kam. Egal ob Mammut, Beutelratte, Ungeziefer oder Unkraut, Hauptsache satt.“ Die Unterscheidung zwischen Hochkultur, Allgemeinkultur und Trash kommt bei der Esskultur wieder ganz exemplarisch zum Tragen. Taschenkrebscannelloni auf Seeigelbutter an Chicoréemousse, gibt’s bei Dallmeier in München, das ist Hochkultur. Ein bayerischer Schweinsbraten mit Knödeln, das ist Allgemeinkultur und Big-Mac mit Pommes, das ist Trash. Im zweiten Teil des Abendprogramms nahm er sich besonders die Politiker vor.

Foto: Detlef Knoll in seinem Element beim Satire-Abend voll besetzen Schützenhof in Oberrodenbach. Er regte einerseits zum Nachdenken an, hatte aber auch die Lacher auf seiner Seite!

Text und Fotos: Anton Hofmann


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