Die Besucher vom „Erzählcafé“ im „Schützenhof“ in Oberrodenbach waren ganz gespannt, was ihnen der Moderator Walter Geppert und die ehemalige Rathausangestellte Maria Peter, noch Neues über die Ortsgeschichte unter dem Titel: „Es war einmal….!“ zum Besten geben werden.
Volles Haus in der Begegnungsstätte, um das „Wir-Gefühl zu pflegen“ und die Heimat auch den in den letzten Jahrzehnten zugezogenen Bürgern näher zu bringen, so der Moderator in Übereinstimmung mit dem Vorsitzenden vom Trägerverein Oberrodenbach, Richard Uhl, zu Beginn am „Abend der Überraschungen“.
Die „Bembelsänger“ hatten sich lange und intensiv unter Leitung von Gerhard Trageser auf dieses besondere „Erzählcafé“ vorbereitet. Der Schwerpunkt ihrer Liedvorträge lag in den 30iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. viele Zeitzeugen.
Der Eintritt war wie immer frei, aufgrund vieler Nachfragen war jedoch eine Reservierung empfehlenswert gewesen denn eine Sitzplatzgarantie gab es nicht! Klaus Schneider informierte die zahlreichen Besucher über die geschichtlichen Hintergründe der Lieder und den Komponisten sowie das Jahr der Präsentation. Original gekleidet wie in Jahren zwischen den beiden Weltkriegen betraten die Bembelsänger mit Vorschussbeifall bedacht die kleine Bühne im „Schützenhof“ und Gerhard Trageser begleitete die 5 ortbekannten Sänger auf seinem Klavier. Ohrwürmer von Walter Kollo oder Paul Linke, wie z.B. „Zwei rote Rosen ein zarter Kuss“ oder „Lass den Kopf nicht hängen!“ gaben sie zum Besten.
Moderator Walter Geppert bat die 87jährige Maria Peter eingangs um eine Schilderung über die allgemeinen Lebensverhältnisse Oberrodenbachs in der Vorkriegszeit. Dabei begeisterte alle im Saal, dass sie nach wie vor geistig fit ist und insbesondere Zahlen, Daten und Fakten in betont humorvoller Art vortrug. Die Einwohnerzahl stieg damals aufgrund der ärmlichen dörflichen Infrastruktur nur langsam von 471 im Jahr 1867 auf 640 im Jahr 1934. Der Tausenste Einwohner bekam im Jahr 1963, also drei Jahre nachdem die Gemeinde an die allgemeine Wasserversorgung angeschlossen wurde, vom Bürgermeister Rosenberger 1.000 Pfennige als Geschenk! Das Erwachen aus dem „Dornröschenschlaf“ erfolgte 1921 mit der Elektrifizierung. Ein weiterer großer Fortschritt war 1926 der Zuzug von Ordensschwestern aus Fulda, die sowohl eine Krankenstation wie auch einen Kindergarten einrichteten. Der Bau einer Kanalisation und der Anschluss an die Wasserleitung im Jahr 1960 war ein entscheidender zivilisatorischer Gewinn für alle Bürger Oberrodenbachs. „Endlich konnte man im Warmen kacken“, war die Äußerung eines verstorbenen Bürgers. Großen Spaß hatten die Zuhörer bei den Anekdoten über den „Ausscheller“ und den „Nachtwächter“. Im Backhaus, das viermal die Woche angeschürt wurde, war einer der Treffpunkte im Dorf, wie auch die beiden Dorfbrunnen. „Heute wären dies Kommunikationszentren“, denn es gab damals weder Telefon noch Fernseher, geschweige denn PCs oder Handy im Ort. „Do howwe die Leut noch mit a nanner geret!“ so Maria Peter.
Die Bembelsänger lockerten mit vier Gesangsblöcken die Unterhaltung auf und animierten die Gäste zum Mitsingen. Zwischenzeitlich kam bei dem Einen oder Anderen eine melancholische Stimmung auf, wenn Moderator Walter Geppert und Maria Peter an die schlechten Zeiten im 20. Jahrhundert erinnerten. Es fehlte an Lebensmitteln und Kleidung sowie an Arbeit. Heute sei die damalige Situation der nachwachsenden Generation nur schwer vermittelbar und die oft benutzte Formulierung von der „Guten alten Zeit“ war nicht immer zutreffend.
Alle Anwesenden waren sich am Schluss der Veranstaltung einig, dass es den Bürgern jetzt wesentlich besser ginge. Insbesondere in der Bildungs- und Gesundheitspolitik seien große Fortschritte erzielt worden. Manches sei immer noch verbesserungswürdig und sozial gerechter zu gestalten. Dazu können in der Dorfgemeinschaft alle Bürger beitragen.