Schlüchtern: Traditionslokal „Heideküppel“ lebt weiter

Robert Puth (rechts) übergibt die Leitung der Traditionsgaststätte „Heideküppel“ in die treuen Hände von Payam Najmi. Foto: Ulrich Schwind

Schlüchtern
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Die Gaststätte „Heideküppel“ lebt weiter. Das, was schon seit Wochen in der Stadt kolportiert wurde, ist nun fix: Payam Najmi übernimmt das Traditionslokal im Herzen der Stadt. Der bisherige Inhaber Robert Puth zeigt sich sehr zufrieden mit dieser Lösung. Voraussichtlich am Freitag, 28. Juni, wird das Lokal wieder öffnen. Der „Heideküppel“ im Schatten des Schlüchterner Klosters ist Kult – und das seit langer Zeit. Im Mai 1984 hatte der 75-Jährige zusammen mit Christel Hochhaus das Lokal aufgemacht. Genau 40 Jahre später gibt er es nun in neue, jüngere Hände.



Dass es überhaupt zur damaligen Ansiedlung kam, bedurfte einiger Fügungen. Robert Puth, gelernter Industriekaufmann und aus Offenbach-Bieber stammend, war damals des Stadtlebens überdrüssig. Beim Besuch von Bekannten im Bergwinkel schaute er hier auch nach freien Immobilien und stieß dabei auf das Doppel-Fachwerkhaus in der Kirchstraße. Auch wenn es teilweise baulich in einem schlechten Zustand war, fand es dennoch sein Interesse. Ursprünglich hatte er es als Wochenendhaus gedacht. Doch dann kamen die Idee mit einer Gaststätte im Erdgeschoss und der damalige Stadtplaner Jörg Sielaff ins Spiel. Ein Lokal, vorwiegend für junge Menschen, das fand dieser genial und unterstützte das Vorhaben tatkräftig.

Unter Mithilfe von zahlreichen Freunden verhalf Robert Puth den Häusern zu neuem Glanz und zu einem gemütlichen Lokal. Schnell wurde es zu einem beliebten Anlaufpunkt für viele Menschen. Die Treffen von Freunden, Vereinen und Parteien jeglicher Coleur, Elternabende und Zusammenkünfte von ehemaligen Schulkollegen – sie alle fanden hier statt. Nicht zu vergessen die Teilnehmer von Kursen der wenige Meter entfernten Kirchenmusikakademie, für die es teilweise ein bisschen zum Wohnzimmer wurde. Für alle Generationen entwickelte sich an dieser Stelle der optimale Treffpunkt. Auch für viele namhafte Künstler oder Schauspieler, die zu einem Gastspiel in Schlüchtern weilten, gehörte ein Besuch in der Lokalität dazu. Wer in Schlüchtern war, war im Heideküppel.

Und das nicht nur wegen des gemütlichen Ambientes, sondern auch wegen der leckeren Getränke und der ausgefeilten Speisekarte. Von Anfang an ein Renner waren die Brottaschen wie Berner oder Milano. Nicht nur die Idee dazu brachte der heute 75-jährige Puth aus dem Rhein-Main-Gebiet mit, sondern er holte dort anfangs regelmäßig auch die Fladenbrote. Geschätzt wurden aber ferner beispielsweise die leckere Tomatensuppe oder die Spezialitäten auf der Wochenkarte.

Auch der bekannte Schlüchterner Unternehmer Payam Najmi wusste das kulinarische Angebot schon immer zu schätzen. Als der 50-Jährige dann Mitte Oktober vergangenen Jahres von der geplanten Schließung in den Kinzigtal Nachrichten las, griff er sofort zum Telefonhörer und bekundete Robert Puth sein Interesse. Das kommt bei ihm nicht von ungefähr, hat er doch früher für einige Jahre das Lokal „Löwenkeller“ bewirtschaftet. Das Interesse an der Gastronomie ist seitdem bei ihm nie verloren gegangen. Nur eines stand fest: Wenn er noch einmal einsteigt, dann nicht mehr als Pächter, sondern nur noch als Besitzer. Schon nach kurzer Zeit waren sich die beiden Männer handelseinig. Übrigens hatten auch noch andere Interesse an dem Objekt angemeldet, nur damit das Traditionslokal erhalten bleibt.

Aus verschiedenen Gründen – beispielsweise wegen der Abstimmung mit den zuständigen Behörden, die kooperativ und gut verlief – dauerte es doch bis jetzt in den Juni, bevor der Verkauf des Doppelhauses notariell beurkundet werden konnte. Najmi will den Geist des Heideküppels bestmöglich erhalten. Nur kleinere Veränderungen sind geplant, so beispielsweise eine Neugestaltung der Gartenwirtschaft. Die Speisekarte sowie die Öffnungszeiten werden ergänzt. Ruhetag ist künftig nur noch dienstags. Sonntags werden die Türen wieder geöffnet und zwar voraussichtlich für ein Frühstück und später um die Mittagszeit für ein besonderes Mittagessen. Auf Vorreservierung werden dann Speisen aus seiner persischen Heimat gereicht. Der 50-Jährige ist dankbar, dass ein Großteil der Mitarbeiter weiter mit dabei ist, vor allem das Küchenpersonal, so dass hier die bekannt gute Qualität gewährleistet bleibt.

Für Robert Puth heißt es dann Abschied nehmen. Und das nicht nur vom „Heideküppel“, sondern auch von Schlüchtern. In wenigen Tagen fliegt er nach Thailand, wo er den Altersruhesitz bei seiner Familie genießen will. Hin und wieder wird er aber noch in der warmen Jahreszeit im Bergwinkel vorbeischauen. Zwar gibt er sein bisheriges Leben auch mit einem leicht tränenden Auge auf. Insgesamt ist er aber froh und dankbar. Für die lange Zeit in Schlüchtern, die gute und freundliche Aufnahme beim Start in der Stadt, die vielen Freunde und Bekannte, den großen Zuspruch für seine Lebensleistung, dem tollen Team, das ihn so lange unterstützt hat, und der wunderbaren Nachfolgeregelung. „Ich muss halt jetzt einen Schnitt machen und loslassen“, verweist er auf sein Alter und gesundheitliche Einschränkungen.

Payam Najmi ist sich über die Ehre bewusst, ein solches Traditionslokal in die Zukunft führen zu dürfen. „Das ist ein tolles Gefühl und ein wunderbarer Ort“, schwärmt er. Viele Menschen hätten ihm schon Mut für sein Engagement zugesprochen. Das motiviere und mache sehr viel Spaß. Und er verrät, dass er – so oft es seine Zeit zulässt – auch hinter der Theke stehen und sich selbst um seine Gäste kümmern will. Schon jetzt fest: Anfang November ist das Lokal die Festwirtschaft des diesjährigen Kalten Marktes. / hd

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Robert Puth (rechts) übergibt die Leitung der Traditionsgaststätte „Heideküppel“ in die treuen Hände von Payam Najmi. Foto: Ulrich Schwind


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