UN-Klimakonferenz: Annika Sauer aus Schlüchtern kehrt mit gemischten Gefühlen zurück

Schlüchtern

Nach einem 17-tägigen Trip zur 29. UN-Klimakonferenz (COP) in Aserbaidschan ist Annika Sauer aus Schlüchtern wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Natürlich voller Eindrücke, aber auch psychisch und physisch von dem Erlebten erschöpft – und gehörig nachdenklich. „Es fühlt sich an, als hätte ich mein Leben in Deutschland auf Pause gedrückt, wäre nach Aserbaidschan gegangen, hätte dort eine Ewigkeit gelebt und müsste nach Hause zurückkehren und genau dort weitermachen, wo ich aufgehört habe“, gibt sich die 21-Jährige vielsagend.

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Während andere in diesen Tagen ihren ersten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trinken, stehe sie ratlos daneben. „Ich fühle mich in eine andere Welt abgetaucht“, berichtet sie, während sie ihr Psychologie-Studium in Heidelberg fortführt.

Als Mitglied der „NAJU4Climate Delegation“ der Naturschutzjugend Deutschland (NAJU) hat sie mit zwei Kollegen ganz viel erlebt in der Hauptstadt Baku. Der Höhepunkt war dabei das Treffen und Gespräch mit Vizekanzler Robert Habeck (Grüne). Zusammen mit anderen jungen Vertretern aus verschiedenen Ländern trugen sie ihm ihre Anliegen zum Thema Klima vor. Annika Sauer oblag es, dem Minister das Gastgeschenk der NAJU zu überreichen: Ein von vielen Aktiven in ganz Deutschland gestaltetes Dominospiel, auf dessen Steinen die Forderungen der Gruppe aufgeschrieben waren.

Mehrere Treffen fanden auch mit Verhandlungsführerin Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Außenministerium statt. Diese vertrat ihre Chefin Annalena Baerbock, die zeitweise wegen Erkrankung keine Termine wahrnehmen konnte. Auch Begegnungen mit anderen deutschen Staatssekretären und einer überparteilichen Delegation aus dem Europaparlament standen auf der Tagesordnung. Die ursprünglich geplante Visite von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) fiel wegen der Regierungskrise in Deutschland aus.

Doch auch sonst waren die Tage für die 21-Jährige prall gefüllt – mit der Teilnahme an Gesprächsforen, dem aktiven Auftreten bei Demonstrationen, dem Austausch mit anderen COP-Gästen, dem Berichte verfassen für ihren Instagram-Account, der Beantwortung von Telefonanrufen und Mails. Durch ihr aktives Auftreten gelang es Annika Sauer auch medial im großen Stil in Erscheinung zu treten. So wurde sie im ARD-Morgenmagazin ebenso interviewt wie für einen Podcast und mehrere namhafte deutsche Zeitungen.

Auch wenn sie ohne große Hoffnungen auf durchgreifende Erfolge nach Baku gereist war, gibt sie sich nun ernüchtert. Schon die Leitung der Konferenz durch den Gastgeber Aserbaidschan, ein stark auf Öl- und Gasexporte basierendes Land, war deprimierend. Da wurden ihrer Ansicht kritische Stimmen an den Rand gedrängt. Ein krasses Missverhältnis vor Ort: Etwa 1800 Öl-Lobbyisten standen nur 350 Klimaaktivisten gegenüber. Auch der Umstand, dass die Zeltstadt für die rund 40000 Teilnehmer mit Dieselgeneratoren beheizt wurde, stimmt sie nachdenklich.

Dennoch sei es wichtig gewesen, dass auch sie und andere Kritiker vor Ort waren: „Sonst wäre das gesamte Treffen am Ende noch als Erfolg verkauft worden.“ Denn das war es nicht. Letztlich waren die Ergebnisse „super ernüchternd“. Am Ende sei eine Entscheidung „durchgeboxt“ worden, die viele Länder unzufrieden zurücklasse. Dieses Schlusswort bringe der Welt in Sachen Klimaerwärmung keinerlei Verbesserung. Im Gegenteil: Sie bedeute sogar einen Rückschritt, weil beispielsweise die zunächst geforderte Abkehr von fossilen Energieträgern letztlich gänzlich aus dem Schlusstext gestrichen wurde.

Gut zwei Wochen lang hat die 21-Jährige zusammen mit anderen jungen Menschen für ein besseres Klima auf der Welt gekämpft und darüber diskutiert. Ihr Engagement hat sie vielfach um ihren Schlaf gebracht, ihr teilweise 20 Stunden-Tage beschert. „Aber warum sehen die Verantwortlichen nicht, dass der Kampf gegen die Klimakrise nicht verhandelbar ist und gemeinsame Anstrengungen erfordert?“, wird sie nachdenklich. Diese COP habe sie viele Dinge gelehrt und eine unglaubliche Bandbreite an Emotionen gebracht – einige davon seien für sie völlig neu gewesen. Sie spüre bereits, dass die Teilnahme ihre Perspektive auf die Welt erweitert, ihr Verständnis für unterschiedliche Menschen und Kulturen vertieft und ihr künftiges Engagement zum Schutz dieses Planeten prägen werde.

Ob sie noch einmal an einer solchen Konferenz teilnimmt, weiß sie derzeit noch nicht. Die gesamte Form eines solchen Treffens müsse überdacht werden, beispielsweise ob dafür tatsächlich die große Zahl von rund 40000 Menschen an einen Ort gebracht werden müssen oder das nicht im kleineren Rahmen stattfinden könne.

Annika Sauer will auch die heimische Bevölkerung an ihren Erlebnissen auf der Weltklimakonferenz in Baku teilhaben lassen. Daher lädt sie zu einem Info-Abend am Freitag, 27. Dezember, ab 17 Uhr ins evangelische Gemeindehaus neben der Stadtkirche St. Michael ein. Hier wird sie ihre Gedanken zur COP der Öffentlichkeit vorstellen. „Ich freue mich, wenn die Gäste zwischen Glühwein und Plätzchen Lust haben, sich mit internationaler Klimapolitik auseinanderzusetzen“, so die 21-Jährige. / hd

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Die 21-jährige Schlüchternerin nahm an der 29. UN-Klimakonferenz (COP) in Aserbaidschan teil. Foto: privat

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Annika Sauer im Gespräch mit der deutschen Verhandlungsführerin Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Außenministerium. Foto: privat

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Annika Sauer hatte die Ehre, ein Dominospiel als Gastgeschenk der Naturschutzjugend an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) persönlich zu übergeben. Foto: privat


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