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Mo, Apr
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Ausstellung zur Nazi-Besetzung in Jarocin eröffnet
Bürgermeisterin Urszula Wyremblewska-Korzyniewska (Zweite von links) und Schlüchterns Stadtoberhaupt Matthias Möller dankten stellvertretend Marah Naumann (Mitte) für die Organisation der Ausstellung. Mit dabei auch Kerstin Baier-Hildebrand, Abteilungsleiterin für Kultur (Zweite von rechts). Foto: Ulrich Schwind
Mit einer besonderen Vernissage wurde im Schlüchterner Bergwinkel-Museum die Ausstellung „Die Nazi-Besetzung im Jarociner Land 1939-1945“ würdig eröffnet. Etwa 70 Gäste hatten sich zu diesem Ereignis versammelt, darunter nicht nur viele Schlüchterner Bürger und Mandatsträger, sondern auch eine größere Abordnung aus der Partnerstadt Jarocin, der diese Ausstellung gewidmet ist.
„Wir treffen uns hier nicht als Polen und Deutsche, sondern als Menschen“, unterstrich Jarocins Bürgermeisterin Urszula Wyremblewska-Korzyniewska die intensive Freundschaft zwischen beiden Städten, die mittlerweile seit gut 23 Jahren eine enge Partnerschaft verbindet. Hüben wie drüben gebe es reife und kluge Menschen, die in der Lage seien, dieses dunkle Kapitel der gemeinsamen Geschichte näher zu beleuchten, betonte sie.
In einem Begleitfilm erinnern sich Jarociner Bürger an die Schrecken der Kriegszeit. Diese Erinnerungen und gerade auch der aktuelle Konflikt in der Ukraine sollten allen Mahnung sein, dass beide Länder niemals mehr solche Zeiten erleben dürften. Die Furcht vor einem Krieg verbinde beide Völker. Deswegen sollten alle der Jugend das geben, was sie fordert – nämlich Frieden, forderte sie unter dem Applaus der Gäste. Der herzliche Umgang der Menschen aus beiden Städten miteinander mache ihr viel Hoffnung, betonte Urszula Wyremblewska-Korzyniewska.
Doch das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen birgt ein dunkles Kapitel, das nun im Bergwinkel-Museum beleuchtet wird. Kurz nach dem Start des Angriffskriegs der Nationalsozialisten im Jahr 1939 auf die Zweite Polnische Republik fielen auch im beschaulichen Jarocin deutsche Truppen ein. Kurzerhand annektierten sie die Stadt, gaben den dortigen Straßen neue deutsche Namen und vertrieben polnische Bürgerinnen und Bürger. Ladenbesitzerinnen und -besitzer wurden enteignet, andere zu Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt, Jüdinnen und Juden verfolgt und verschleppt.
Die Geschichte der Besetzung wird nun in der Sonderausstellung in Schlüchtern nacherzählt. Dafür sind temporär auch einige polnische Exponate in die Bergwinkelstadt gezogen, nachdem Bürgermeister Matthias Möller sie jüngst persönlich in der Partnerstadt abgeholt hatte. Ergänzt wird die Ausstellung neben großen Text- und Bildtafeln mit Exponaten aus dem Schlüchterner Stadtarchiv.
Trotz der Entfernung von 781 Kilometer zwischen beiden Städten habe man in den vergangenen Jahren eine angenehme Freundschaft aufgebaut, freute sich Möller. Die Herzlichkeit der polnischen Freunde sorge regelmäßig bei Besuchen dafür, dass man sich in Jarocin zuhause fühle und inspiriert wieder zurückfahre. Die Beziehung bewege sich auf einer „hohen empathischen Ebene“. Die Zeit des Nationalsozialismus arbeite Schlüchtern in mehreren Bereichen auf, so auch mit den Plänen für die Neugestaltung der Synagoge sowie mit dem Verlegen von Stolpersteinen. Die jetzige Ausstellung bezeichnete Möller als „Ort zum Lernen und Lehren“.
Auf heimischer Seite hatten mehrere Personen die Präsentation vorbereitet, allen voran Marah Naumann, die für die Bereiche Tourismus und Stadtmarketing tätig ist. Sie betonte, wie sensibel die Exponate und Texte ausgewählt wurden. Bewusst habe man auf „Schreckensbilder“ verzichtet, aber eindrückliche Text verwandt und bedenkliche Symbole überklebt. Glücklicherweise sei diese „dunkle Zeit“ vorbei. Ein solches Kapitel solle nie wieder zwischen beiden Nationen geschrieben werden, mahnte sie unter dem Beifall der Gäste.
Die Ausstellung ist weiterhin zu den Öffnungszeiten des Museums jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat von 16 bis 20 Uhr sowie jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 11 bis 15 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter Telefon (06661) 85-359.
Bürgermeisterin Urszula Wyremblewska-Korzyniewska und ihr Amtskollege Matthias Möller (Mitte von rechts) eröffneten die Jarocin-Ausstellung zur Erinnerung an die Nazi-Besetzung. Foto: Ulrich Schwind
Bürgermeisterin Urszula Wyremblewska-Korzyniewska (Zweite von links) und Schlüchterns Stadtoberhaupt Matthias Möller dankten stellvertretend Marah Naumann (Mitte) für die Organisation der Ausstellung. Mit dabei auch Kerstin Baier-Hildebrand, Abteilungsleiterin für Kultur (Zweite von rechts). Foto: Ulrich Schwind
Bürgermeisterin Urszula Wyremblewska-Korzyniewska und Amtskollege Matthias Möller zeigen auf das Jarociner Rathaus, das auf einem der historischen Bilder zu sehen ist. Foto: Ulrich Schwind