Schlüchtern: Roland Sauer auf den Spuren der Tour de France

Ein Traum geht für Roland Sauer aus Schlüchtern-Elm in Erfüllung: Er darf Mitte Juni an der Veranstaltung „Cykelnerven“ teilnehmen. Foto: Ulrich Schwind

Elm
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Einmal bei der Tour de France hautnah dabei sein. Das ist der Traum jedes Radsportfans. Für Roland Sauer aus dem Schlüchterner Stadtteil Elm geht er dieses Jahr in Erfüllung. Der 52-Jährige fährt sogar ein Teilstück selbst mit. Während das große Etappenrennen am 1. Juli startet, ist der Familienvater schon vom 14. bis 18. Juni im Rahmen der Radsportveranstaltung „Cykelnerven“ auf einem Teilstück in den französischen See-Alpen unterwegs.

Der dänische Veranstalter wirbt damit, dass es sich hierbei um Europas „einzigartigstes und herausforderndstes“ Rad-Wohltätigkeits-Event handelt. Es geht dabei um die Akquirierung von Spendengeldern für Multiple Sklerose-Erkrankte.

Rund 300 Fahrer aus der ganzen Welt nehmen kurz vor dem offiziellen Rennen über eine Strecke von rund 400 Kilometern die härtesten Anstiege der Tour de France in Angriff. Es ist die Fahrt, von der jeder Radfahrer träume, aber nur die Härtesten könnten sie schaffen, so der Veranstalter. Schließlich sind rund 11000 Höhenmeter zu bewältigen und das bei teilweise einstelligen Temperaturen. Ihre Fahrt führt sie über fünf der steilsten Berge der Tour. Startpunkt ist in Briancon nahe Grenoble, Ziel nach vier Tagen Alpe d´Huez, ein Mythos als Bergankunft der Tour. Angesteuert wird auch der 2645 Meter hohe Col du Galibier, das „Dach“ des Radklassikers, mit einem der längsten Anstiege: rund 34 Kilometer. Die gesamte Veranstaltung ist kein Rennen, sondern der gemeinsame Kampf gegen den Berg.

Roland Sauer ist seit rund 30 Jahren leidenschaftlicher Hobby-Radsportler. Ein Großteil seiner Freizeit verbringt er ohne Motorantrieb auf zwei Rädern in Rhön und Spessart - oder auch mal in Spanien, Italien und Frankreich. Als er vor rund zwei Jahren seinen 50. Geburtstag feierte, blickte er zum einen dankbar auf sein „gesundes, erfülltes Leben“ zurück, wie er es formuliert. Andererseits kam der Gedanke, mit seinem großen Hobby Radsport etwas Gutes zu tun. Mehr zufällig stieß er auf die „Cykelnerven“, bei der die Firma Merck Healthcare, selbst in der Sklerose-Forschung engagiert, als Sponsor fungiert. Merck in Darmstadt wiederum ist seit rund 20 Jahren sein Arbeitgeber. Sauer wirkt dort als Gruppenleiter im Labor-Bereich für die Qualitätskontrolle der Arzneimittel.

Also erkundigte er sich intern, ob er an der Tour teilnehmen könne – und bekam die Zusage. Ein Traum geht für ihn in Erfüllung. Nach seinem Wissen ist er der einzige Deutsche in dem gesamten Teilnehmerfeld. Die Hauptgruppe bilden mit rund 250 Personen die Dänen. Sein Merck-Team ist sechsköpfig mit vier Spaniern und einem Amerikaner besetzt. Sie kennt er bisher nur aus zwei Videoschalten. Das hat alles etwas von Abenteuer. Roland Sauer wird mit seinem etwas betagten VW Polo auf eigene Kosten zum rund 900 Kilometer entfernten Startort in die französischen Alpen anreisen. Darin will er zwei Bikes verstauen. Sein Hauptfahrrad hat er sich zum 50. Geburtstag individuell anfertigen lassen. Das Gefährt der italienischen Profimarke „de Rosa“ bestellte er bei einem Händler in Meran. Es ist exakt auf seine Körpermaße eingestellt, ausgestattet mit einer aus seiner Sicht traumhaften Campagnolo-EPS-Schaltung.

Der Schlüchterner hat die Pässe in den französischen Alpen alle schon früher auf zwei Rädern erklommen, den Col du Galibier bereits fünfmal befahren, erstmals im Jahr 1995 mit Schlafsack und Zelt im Gepäck. „Seitdem fasziniert mich dieser Pass. Da wollte ich unbedingt noch einmal hin“, schwärmt der 52-Jährige. Die „Cykelnerven“ ist keine „Spaßveranstaltung“. Das ist Roland Sauer sehr bewusst. Dabei gibt es beispielsweise keinen „Besenwagen“, der bei anderen Events schwächere Teilnehmer aufsammelt. Das macht ihn aber nicht bange. Er fühlt sich für die Anforderungen gut gerüstet. Regelmäßig ist er drei- bis viermal pro Woche in der Region auf Strecken um jeweils 100 Kilometer unterwegs. Mal alleine, mal mit Kumpels aus der Rhön, mal mit Radsportfreunden des Turnvereins 1861 Schlüchtern – aber regelmäßig samstags auf der „Hausstrecke“ zum Rad-Stammtisch auf dem Kreuzberg. Quasi zum Warmlaufen will er noch am Pfingstsonntag den Bimbacher Rhön-Radmarathon mit einer Strecke von über 210 Kilometern absolvieren. Roland Sauer gibt seinen derzeitigen Gemütszustand mit „ungläubigem Erwarten“ wieder. Wegen Corona war die Fahrt mehrfach angesetzt, verschoben und auch abgesagt worden. Nun soll es also wirklich wahr werden. „Ich freue mich sehr, dass es jetzt endlich losgeht“, gibt sich der Elmer erwartungsfroh.

Die Veranstaltung „Cykelnerven“ (frei übersetzt Radsportnerv) gibt es seit rund zehn Jahren. Der gleichnamige dänische Veranstalter lädt Sportlerinnen und Sportler zu dieser ultimativen Herausforderung in den Alpen ein und unterstützt damit gleichzeitig die Forschung im Kampf gegen Multiple Sklerose, eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Für die Hobbyfahrer wird eine Route erstellt, auf der sie die wichtigsten Anstiege der Tour de France überqueren. Jeder Fahrer muss quasi als Teilnahmegebühr mindestens 2500 Euro an Spenden akquirieren. Grundstock bei Roland Sauer sind die ihm von Freunden und Verwandten zum 50. Geburtstag geschenkten Gelder gewesen. In diesem Jahr gehen die gesamten Spenden der „Cykelnerven“ in ärmere Länder wie Südamerika und Afrika. Dort werden nicht nur einzelne Patienten, sondern auch Forschungsprojekte unterstützt. Das Motto des Veranstalters ist „Radfahren für eine Welt ohne Multiple Sklerose“. Wer für die MS-Hilfe über den Account von Roland Sauer spenden will – auch kleine Beträge sind willkommen - kann dies über folgende Adresse (usd): www.cykelnerveninternational.org/fundraisers/rolandsauer

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Ein Traum geht für Roland Sauer aus Schlüchtern-Elm in Erfüllung: Er darf Mitte Juni an der Veranstaltung „Cykelnerven“ teilnehmen. Foto: Ulrich Schwind


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