Das Total-Herbizid Glyphosat soll nicht mehr eingesetzt werden. Stattdessen soll Raum für Feldrandhecken oder Blühstreifen entstehen, sollen Insektenhotels und Pflanzinseln gefördert werden sowie die innerörtliche Baumpflege mit Augenmaß erfolgen.
Das Total-Herbizid Glyphosat soll nicht mehr eingesetzt werden. Stattdessen soll Raum für Feldrandhecken oder Blühstreifen entstehen, sollen Insektenhotels und Pflanzinseln gefördert werden sowie die innerörtliche Baumpflege mit Augenmaß erfolgen.
Man könne es als aktive Krebsvorsorge sehen, denn laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist wissenschaftlich erwiesen, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ ist. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) sieht es nicht so eng.
„Politik muss entscheiden, im Zweifel für die Gesundheit, auch wenn die Gelehrten streiten. Selbst der gesunde Menschenverstand ist ausreichend. Wenn nach der Ausbringung von Glyphosat in kürzester Zeit die Pflanzen absterben und die Felder braun werden, ist das augenscheinlich gefährlich. Für das Ökosystem und unmittelbar - oder am Ende der Nahrungskette - für uns Menschen. Mir scheint die Einstufung der WHO plausibel und auch glaubhafter als die des BfR. Letztere hat eins zu eins Formulierungen des Herstellers Monsanto übernommen“, erklärt die Fraktionschefin der Schönecker Grünen, die promovierte Biologin Dr. Barbara Neuer-Markmann. Die Folgen des Alleingangs von CSU-Minister Schmidt müssten jetzt alle in Europa tragen, die EU hatte damit die Mehrheit für eine Verlängerung der Zulassung. Wo immer es aber rechtlich möglich ist, wollen Schönecks Grüne jetzt selbst die Initiative ergreifen und im Entscheidungsbereich der Kommunalpolitik das Herbizid aus der Gemarkung verbannen. Sie fordern deshalb, dass der Bauhof es nicht einsetzt und dass beauftragte Unternehmen vertraglich darauf verpflichtet werden, ebenso wie Landwirte, die gemeindeeigene Ackerflächen pachten.
Alarmiert durch eine Langzeitstudie, nach der sich die Insektenpopulationen in Deutschland seit 1989 um dramatische 75 Prozent reduziert hat, wollen sich die Grünen aber auch aktiv um die Schaffung neuer Lebensräume für Insekten und andere Tiere kümmern. „Grüner Lebensraum in Schöneck“ ist daher ein zweiter Antrag überschrieben. Darin fordern die Grünen die Förderung von Hecken oder Blumen an Ackerrandstreifen, ebenso die Förderung von Insektenhotels und innerörtlichen Pflanzinseln. Weiter erwarten sie Aufklärung und Sensibilität bei den innerörtlichen Baumpflegearbeiten. „Denn“, so Fraktionsvize Wolfgang Seifried, „da die Ackerflächen ausgeräumt sind und auch in den Ortslagen Lebensräume verschwinden, ist die logische Folge, dass auch die Tiere verschwinden.“
Die Grünen zeigen sich zuversichtlich, Mehrheiten im Parlament zu gewinnen, da auf ihren Antrag hin bereits Mittel für den Ankauf von Feldrandflächen im Haushalt vorgesehen wurden, ebenso wie auf Antrag der FWG Mittel für Blumen-Saatgut. Jetzt gehe es darum, in enger Abstimmung mit den örtlichen Landwirten die Umsetzung voranzutreiben.
Foto: Benjes-Hecke des Büdesheimer Ortsbeirats Gerald Diehl: Zwischen seiner Streuobstwiese und dem Feldweg wird Baumschnitt aufgeschichtet. Für den Rest sorgt die Wundertüte Natur, weil Vögel über ihren Kot standortgerecht einsäen – eine kostenlose Lösung, Abwechslung in Schönecks ausgeräumte Agrarlandschaft zu bringen und an Ackerrändern wieder Lebensräume für Insekten und andere Tiere zu schaffen.
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de