Wohnraum schaffen, ohne Verkehrsinfarkt zu verursachen

Schöneck
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Es ist ein Dilemma. Alle sind sich einig, dass es rund um Frankfurt mehr bezahlbaren Wohnraum insbesondere für junge Familien braucht. Aber niemand kann und will noch mehr Pendelverkehr verkraften.

Schönecks Grüne haben nun Vorschläge gemacht, wie diesem Dilemma begegnet werden kann. Im Rahmen der Bauland-Offensive Hessen sind heftige Diskussionen entbrannt, wo neue Wohngebiete erschlossen werden sollen. Für alle drei Schönecker Ortsteile liegen Vorschläge vor. In Kilianstädten hat sich bereits eine Anwohnerinitiative gegen die Umsetzung vor Ort formiert. Für die Schönecker Grünen stellt sich aber vorrangig gar nicht die Frage nach dem „Wo“ als vielmehr nach dem „Wie“: Wer heute baue, müsse von vornherein ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept entwickeln, das den Individualverkehr reduziere und den Umstieg auf umwelt- und anwohnerfreundliche Verkehrsmittel fördere. Nur so könnten der Verkehrsinfarkt auf der Pendelstrecke nach Frankfurt sowie weitere Belastungen für das Klima verhindert werden.

Einsparungen durch alternatives Verkehrskonzept

„Die Befürchtungen der Stadt Bad Vilbel und der Schönecker Anwohner, dass sich morgens und abends noch mehr Verkehr über die Hauptachsen quält und die Lebensqualität in angrenzenden Wohngebieten leidet, sind vollkommen berechtigt,“ sagt Wolfgang Seifried von den Grünen in Schöneck. „Aber die Menschen sorgen sich nicht wegen Rad- oder Bahnfahrern. Es ist der motorisierte Individualverkehr, der Mensch und Umwelt belastet. Deshalb brauchen wir ein alternatives Verkehrskonzept, das für uns aus drei Bausteinen besteht: Erstens die Niddertalbahn, vor deren Ausbau wir nur einen Teil der potentiellen Baugebiete für machbar halten, zweitens eine fahrradfreundliche Erschließung der Baugebiete sowie drittens attraktive Carsharing-Angebote.“

In einem Antrag an die Gemeindevertretung macht die Fraktion der Grünen detaillierte Vorschläge für eine nachhaltige Verkehrserschließung. In ihrem Antrag rechnen die Grünen zudem vor, dass ihr Konzept – umgerechnet auf die Wohn- und Nutzfläche - zu einer Einsparung von etwa 80 Euro pro Quadratmeter führe. Das sei ein wesentlicher Beitrag zur Förderung günstigen Wohnraums. Die Einsparung resultiere aus dem Entfall der von der Stellplatzsatzung eigentlich starr vorgeschriebenen Stellplätze auf privatem Grund – zum Beispiel zwei Stellplätze pro Einfamilienhaus. Die als verkehrsberuhigter Bereich zu gestaltenden Straßen würden kleiner dimensioniert und damit den Flächenbedarf weiter reduzieren.

Carsharing und öffentliche Flexi-Stellplätze statt starrer „Ein-Haus-zwei-Stellplätze“ Regelung

Stattdessen soll mit einem Carsharing-Anbieter eine Vereinbarung über ein dauerhaftes und verlässliches Angebot getroffen werden. Es sollen öffentliche Flexi-Stellplätze geschaffen werden, die von den Anwohnern nach Bedarf für eigene Fahrzeuge buchbar sind und für Sharing-Fahrzeuge bereitstehen. In unmittelbarer Nähe jedes Hauseingangs sei zudem ein ebenerdiger, verschließbarer Abstellraum vorzusehen mit Platz für Fahr- und Lastenräder, Anhänger oder Kinderwagen.

Voraussetzung: Ausbau Niddertalbahn

Dieses Modell steht und fällt aber mit einer guten Anbindung an einen öffentlichen Nahverkehr, der weitere Pendler aufnehmen kann. Deshalb wollen die Grünen in Schöneck zunächst maximal 200 Wohneinheiten realisieren, solange noch keine belastbare Entscheidung über den Ausbau der Niddertalbahn vorliege.
„Das Konzept berücksichtigt die berechtigten Sorgen der Bürger Schönecks und der vom Pendelverkehr betroffenen Städte und Gemeinden. Gleichzeitig vereint es die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung mit dem Bedarf an preiswertem Wohnraum. Es zieht Menschen an, die im Grünen leben und klimafreundlich mobil sein wollen – und nicht Teil des morgendlichen Staus vor Bad Vilbel.“ Fraktionschefin Dr. Barbara Neuer-Markmann ist überzeugt: „So finden die neuen Nachbarn auch Akzeptanz bei den Alteingesessenen.“

Foto: L3008 bei Gronau. Der morgendliche Stau von Niederdorfelden bis Bad Vilbel erfordert alternative Verkehrskonzepte für Neubaugebiete.

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