Zahlreiche interessierte Eltern, Großeltern, Erzieherinnen und Tagesmütter kamen am vergangenen Freitag in die Mehrzweckhalle Mottgers, wo der SPD-Ortsverein Sinntal unter dem Motto „Mit kleinen Stühlen große Probleme lösen“ zum Gespräch über die Zukunft der Kinderbetreuung eingeladen hatte.
Den Auftakt machte Bürgermeister Thomas Henfling (parteilos), selbst Vater dreier Kinder, mit einem umfassenden Bericht über die aktuelle Situation Sinntaler Kinderbetreuung. Er sprach über Kapazitäten, Auslastung und Wartelisten und hob hervor, dass das Betreuungsangebot für derzeit 317 Kita-Kinder sowie 19 Plätze bei Tagesmüttern qualitativ hochwertig, aber quantitativ ausbaufähig sei. „Wir sind auf Fachkräfte angewiesen, die auch nach dem Ruhestand weitermachen. Das geht nur, wenn Team und Stimmung gut sind“, so der Bürgermeister. Die Gewinnung und Bindung pädagogischer Fachkräfte sei derzeit die zentrale Aufgabe der Gemeinde. „Wir haben das Glück, dass bei uns Erzieherinnen andere Erzieherinnen werben: das ist ein Qualitätsmerkmal.“
Auch die Finanzierung der Einrichtungen sei eine wachsende Herausforderung: Fast 50 Prozent des Gemeindepersonals arbeiten in den Kindergärten, so Henfling. Angesichts steigender Anforderungen müsse man offen über Betreuungskosten und Qualitätsstandards sprechen. „Damit das Niveau unserer guten Betreuung gehalten und die Qualität weiter gesteigert werden kann, müssen wir alle an einem Strang ziehen: Gemeinde, Eltern und Personal.“ Mit Blick auf die kommenden Jahre zeigte er sich besorgt: Bis 2030 werden in Hessen rund 18.000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung lud die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Johanna Altvater zu Thementischen ein, an denen die Gäste ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen austauschten. Diskutiert wurden unter anderem Auslastung und Erweiterung der Kitas, Platzvergabe, Tagespflege und Personalsituation. Eltern wünschten sich mehr zeitliche Verlässlichkeit bei der Platzvergabe, idealerweise eine Zusage spätestens sechs Monate vor Kindergartenstart. Auch eine App zur digitalen Anmeldung und eine modernisierte Vergabesatzung wurden angeregt. Beim Thema Tagespflege forderten Teilnehmende eine Reform der Kreisregelungen, übergreifende Elternbeiräte und einen besseren Austausch zwischen Tagesmüttern und Kitaleitungen.
Die Personalsituation blieb ein zentrales Thema. Um den Beruf attraktiver zu machen, sammelten die Teilnehmenden Ideen wie Besuche an Berufsschulen, kreative Nachwuchsaktionen und moderne Stellenanzeigen. Auch die Anwerbung ausländischer Fachkräfte wurde als Chance gesehen. Zum Abschluss fassten die Thementischmoderatoren die Ergebnisse zusammen. Oliver Habekost und Johanna Altvater luden zum ersten Gasthausgespräch der Reihe „Von Altengronau bis Züntersbach“ am 14. November in Weichersbach ein. Viele Gäste blieben noch zum weiteren Austausch.
Die SPD-Fraktion Sinntal wird die zahlreichen Anregungen und Vorschläge aus der Veranstaltung aufgreifen und in ihre politische Arbeit einfließen lassen. Besonders die Themen Fachkräftesicherung, bessere Elternkommunikation und moderne Verwaltungsstrukturen sollen in den kommenden Monaten aktiv weiterverfolgt werden. „Die Ideen der Eltern, Erzieherinnen und Tagesmütter sind für uns wertvoller Input, um Kinderbetreuung in Sinntal zukunftsfähig zu gestalten“, betonte Altvater.










Grafik: Ergebnisse der Mentimeterumfrage.
Foto Credits: Annemarie Berger
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