(Wieder-)Entdeckung: Das Erdmännchen als Steinauer Erzählung

Steinau
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Jacob und Wilhelm Grimm haben viele Märchen während ihrer Kasseler Zeit zugetragen bekommen; mehrere etwa von der bekannten Beiträgerin Dorothea Viehmann aus Niederzwehren, dem heutigen Kasseler Stadtteil.

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Doch von vielen Märchen gibt es unterschiedliche Varianten, die aus verschiedenen Gegenden stammen. Nun ist dem Museum Brüder Grimm-Haus eine interessante (Wieder-) Entdeckung gelungen: Vom Märchen Nr. 91 der Kinder- und Hausmärchen „Dat Erdmänneken“ wird von einer Steinauer Erzählvariante berichtet, die bisher noch niemand wirklich einmal wahrgenommen hat.

Eigentlich war der Historiker Olaf Spielmann, der in den beiden Steinauer Museen vordergründig für die wissenschaftliche Inventarisierung verantwortlich ist, auf der Suche nach Informationen in Dokumenten über den Urgroßvater der Brüder Grimm, Friedrich Grimm der Ältere, welcher in Steinau die Tätigkeit des Kircheninspektors ausgeübt hat. Dass es nach über 200 Jahren zu diesem Zufallsfund eines Steinauers kam, ist auch der fortschreitenden Digitalisierung zu verdanken. Im Grimm-Portal, welches unter anderem die digitalisierten Bestände des Hessischen Staatsarchivs und der Universität Kassel von und mit Bezug zu den Brüdern Grimm online bereitstellt, kann nicht nur nach bibliographischen Suchbegriffen recherchiert werden, sondern auch mittels moderner Texterkennung in den Schriftstücken selbst. So wurde Spielmann auf den Wortlaut „Steinau im Hanauischen“ aufmerksam, der sich in den Anmerkungen der Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm befindet. Steinau an der Straße war die Hauptstadt der Obergrafschaft Hanau, eine Exklave der Grafschaft Hanau, was diese Ortsangabe sofort zweifelsfrei als die Brüder-Grimm-Stadt auswies.

Was der studierte Historiker in diesem Digitalisat vorfand, entpuppte sich schnell als eine ganz andere Version des Märchens (die nur in indirekter Rede beschrieben ist). So werden in der Steinauer Erzählung etwa die beiden bösen Brüder am Ende in einen Sack voller Schlangen eingenäht und in den Abgrund geworfen. In den Kinder- und Hausmärchen, deren erster Band 1812 und deren zweiter Band 1815 erschien, fand sich stets eine familienfreundliche Fassung wieder. Das Erdmännchen hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Tier zu tun, sondern ist ein kleines graues Männchen mit einem langen weißen Bart, das in einem Erdhöhlenreich lebt. Insgesamt waren den Brüdern Grimm sechs verschiedene Varianten der Erzählung bekannt; 1. die Paderborner Erzählung (welche in Niederdeutsch in den Kinder- und Hausmärchen steht), 2. eine Kölner Erzählung, 3. eine Hannoveraner Erzählung, 4. die Steinauer Erzählung, 5. eine deutsch-schwedische Erzählung sowie 6. eine ungarische. Daneben existieren mehrere Märchen unter anderem Titel, die ähnliche Passagen und Elemente dieses Märchens aufgreifen. So weisen die Brüder Grimm in ihren Anmerkungen darauf hin, dass es auch mit ihrem Märchen „Der starke Hans“ (KHM 166) verwandt ist.

Erstaunlicherweise, das wurde im Nachhinein festgestellt, steht eine Kurzbeschreibung der Steinauer Erzählung mit der Verortung „aus Steinau im Hanauischen“ seit 2008 in der deutschen Wikipedia auf dem Lexikonartikel des Märchens sowie ebenso auf „maerchenlexikon.de“, was aber wohl keinem Menschen, der einen Bezug zu Steinau und zu den Brüdern Grimm hat, jemals aufgefallen ist. Spielmann und der Museumsleiter Burkhard Kling zeigten sich unisono erfreut darüber, daß die Brüder-Grimm-Stadt Steinau an der Straße also auch eine Märchenerzählung besitzt, die aus Steinau stammt: „Bestimmt findet dieses Thema noch für zukünftige Projekte Verwendung.“ Angedacht seien etwa eine Steinauer Mundartfassung oder auch ein Märchensonntag-Jubiläum mit der Steinauer Erzählung.

Das Erdmännchen

Ein Märchen der Brüder Grimm

Es war einmal ein reicher König, der hatte drei Töchter, die gingen alle Tage im Schloßgarten spazieren; und der König, der ein großer Liebhaber von allerhand schönen Bäumen war, liebte einen Baum ganz besonders, so daß er denjenigen, der ihm einen Apfel davon pflückte, hundert Klafter tief unter die Erde wünschte. Als es nun Herbst war, da wurden die Äpfel an dem Baum so rot wie Blut. Die drei Töchter gingen alle Tage unter den Baum und sahen zu, ob nicht der Wind einen Apfel heruntergeschlagen hätte, aber sie fanden ihr Lebtag keinen, und der Baum saß so voll, als ob er brechen wollte, und die Zweige hingen bis auf die Erde herab. Da gelüstete es die jüngste Königstochter gewaltig, und sie sagte zu ihrer Schwester: "Unser Vater, der hat uns viel zu lieb, als daß er uns verwünschen würde; ich glaube, das sagt er nur wegen der fremden Leute." Und das Kind pflückte einen ganz dicken Apfel ab und sprang vor seine Schwestern her und sagte: "Ah, nun schmeckt mal, meine lieben Schwestern, ich hab mein Lebtag noch nicht so was Schönes gegessen." Da bissen die beiden andern Königstöchter auch in den Apfel, und da versanken sie alle drei tief unter die Erde, daß kein Hahn mehr nach ihnen krähte.

Als es nun Mittag wurde, da wollte der König sie zu Tische rufen, aber sie waren nirgends zu finden. Er suchte sie überall, im Schloß und im Garten, aber er konnte sie nicht finden. Da wurde er sehr betrübt und ließ das ganze Land aufbieten, und der, der ihm seine Töchter wiederbrächte, der sollte eine davon zur Frau haben. Da gingen nun so viele junge Leute über Feld und suchten mit allen Kräften und über alle Maßen, denn jeder hatte die drei Kinder gern gehabt, weil sie gegen jedermann so freundlich und auch schön von Angesicht gewesen waren. Und es zogen auch drei Jägerburschen aus, und als sie wohl an die acht Tage gewandert waren, da kamen sie zu einem großen Schloß, da waren so hübsche Stuben drin, und in einem Zimmer war ein Tisch gedeckt, darauf standen so süße Speisen, die waren noch warm und dampften; aber in dem ganzen Schloß war kein Mensch weder zu hören noch zu sehen. Da warteten sie noch einen halben Tag, und die Speisen blieben immer warm und dampften; doch dann wurden sie so hungrig, daß sie sich an den Tisch setzten und mit großem Appetit aßen. Sie machten miteinander aus, sie wollten auf dem Schlosse wohnen bleiben, und sie wollten darum losen, daß einer im Haus bleiben und die beiden andern die Töchter suchen sollten; das taten sie auch, und das Los traf den ältesten. Am nächsten Tag gingen die zwei jüngsten auf die Suche, und der älteste mußte zu Hause bleiben. Am Mittwoch kam so ein kleines Männchen, das um ein Stückchen Brot bat. Da nahm der älteste von dem Brote, das er dort gefunden hatte, schnitt ein Stück rund um das Brot weg und wollte ihm das geben. Er reichte es dem kleinen Männchen hin, doch dieses ließ das Stück fallen und sagte zu dem Jägerburschen, er solle es aufheben und ihm wiedergeben. Das wollte er auch tun und bückte sich, aber da nahm das kleine Männchen einen Stock, packte ihn bei den Haaren und gab ihm tüchtige Schläge. Am andern Tag, da ist der zweite zu Hause geblieben, dem erging es nicht besser. Als die beiden andern am Abend nach Hause kamen, da sagte der älteste: "Na, wie ist es dir ergangen?" - "Oh, mir ist es schlecht ergangen." Da klagten sie einander ihre Not, aber dem jüngsten sagten sie nichts davon, denn den konnten sie gar nicht leiden und hatten ihn immer den dummen Hans genannt, weil er nicht sonderlich weltklug war.

Am dritten Tag blieb der jüngste zu Haus; da kam das kleine Männchen wieder und hielt um ein Stückchen Brot an. Und wie er es ihm nun gegeben hatte, ließ er es wieder fallen und sagte, er möchte doch so gut sein und ihm das Stückchen wieder geben. Da sagte Hans zu dem kleinen Männchen: "Was! Kannst du das Stück nicht selber aufheben? Gibst du dir um deine tägliche Nahrung nicht einmal soviel Mühe, dann bist du auch nicht wert, daß du es ißt!" Da wurde das Männchen böse und sagte, er müßte es tun; Hans aber, nicht faul, nahm mein liebes Männchen und drosch es tüchtig durch. Da schrie das Männchen ganz laut und rief: "Hör auf, hör auf, und laß mich los, dann will ich dir auch sagen, wo die Königstöchter sind."

Wie Hans das hörte, schlug er nicht mehr, und das Männchen erzählte, er sei ein Erdmännchen, und solcher wären mehr als tausend, er möge nur mit ihm gehen, dann wolle er ihm auch zeigen, wo die Königstöchter wären. Da zeigte er ihm einen tiefen Brunnen, in dem aber kein Wasser mehr war. Und da sagte das Männchen, er wisse wohl, daß seine Gesellen es nicht ehrlich mit ihm meinten, und wenn er die Königskinder erlösen wolle, dann müsse er es alleine tun. Die beiden andern Brüder wollten wohl auch gern die Königstöchter wiederhaben, aber sie wollten sich deswegen keiner Mühe und Gefahr unterziehen. Um die Töchter zu erlösen, müsse er einen großen Korb nehmen, sich mit einem Hirschfänger und einer Schelle hineinsetzen und sich herunterwinden lassen. Unten seien drei Zimmer; in jedem sitze ein Königskind und habe einen Drachen mit vielen Köpfen zu kraulen: denen müßte er die Köpfe abschlagen. Als das Erdmännchen das alles gesagt hatte, verschwand es. Als es Abend war, da kamen die beiden andern und fragten ihn, wie es ihm ergangen sei. Da sagte er: "Oh, soweit gut," und er habe keinen Menschen gesehen, außer am Mittag, da sei so ein kleines Männchen gekommen, das habe um ein Stückchen Brot gebeten, und als er es ihm gegeben habe, ließ das Männchen es fallen und sagte, er möge es ihm wieder aufheben. Und wie er das nicht habe tun wollen, da fing es an zu drohen; das aber verstand er unrecht und verprügelte das Männchen; da habe es ihm erzählt, wo die Königskinder seien. Da ärgerten sich die beiden andern Jägerburschen so sehr, daß sie gelb und grün wurden. Am andern Morgen da gingen sie zusammen an den Brunnen und machten Lose, wer sich zuerst in den Korb setzen sollte. Das Los fiel auf den ältesten, er mußte sich hineinsetzen und die Schelle mitnehmen. Da sagte er: "Wenn ich schelle, müßt ihr mich wieder geschwind heraufwinden." Er war nur kurz unten, da schellte es schon, und die zwei andern Brüder wanden ihn wieder herauf. Da setzte sich der zweite hinein: der machte es geradeso. Nun kam die Reihe an den jüngsten, der sich ganz hinunterwinden ließ. Als er aus dem Korb gestiegen war, nahm er seinen Hirschfänger, ging zur ersten Tür und lauschte: da hörte er den Drachen ganz laut schnarchen. Er machte langsam die Tür auf; da saß eine Königstochter, die hatte auf ihrem Schoß neun Drachenköpfe liegen und kraulte sie. Da nahm er seinen Hirschfänger und hieb zu, und neun Köpfe waren ab. Die Königstochter sprang auf und fiel ihm um den Hals und küßte ihn von Herzen; dann nahm sie einen Schmuck, den sie auf ihrer Brust trug und der von altem Golde war, und hängte ihn dem jungen Jäger um. Da ging er auch zu der zweiten Königstochter, die einen Drachen mit sieben Köpfen kraulen mußte; und sie erlöste er auch. Dann erlöste er auch die jüngste, die einen Drachen mit vier Köpfen kraulen mußte. Die drei Schwestern umarmten und küßten sich voller Freude, ohne aufzuhören. Nun schellte der jüngste Bruder daraufhin so laut, bis sie es droben hörten. Da setzte er die Königstöchter eine nach der andern in den Korb und ließ sie alle drei hinaufziehen. Wie aber nun die Reihe an ihn kommt, fallen ihm die Worte des Erdmännchens wieder ein, daß es seine Gesellen mit ihm nicht gut meinten. Da nahm er einen großen Stein, der auf der Erde lag, und legte ihn in den Korb. Als der Korb bis etwa zur Mitte heraufgezogen war, schnitten die falschen Brüder oben den Strick durch, daß der Korb mit den Steinen auf den Grund fiel, und nun meinten sie, er wäre tot. Sie liefen mit den drei Königstöchtern fort und ließen sich von ihnen versprechen, daß sie ihrem Vater sagen sollten, die beiden ältesten Brüder hätten sie erlöst. So kamen sie zum König, und ein jeder begehrte eine Königstochter zur Frau.

Unterdes ging der jüngste Jägerbursche ganz betrübt in den drei Kammern umher; er dachte, daß er nun wohl sterben müsse. Da sah er an der Wand eine Flöte hängen, und sagte: "Warum hängst du denn da? Hier kann ja keiner lustig sein!" Er besah sich auch die Drachenköpfe; dann sagte er: "Ihr könnt mir auch nicht helfen!" Und er ging auf und ab spazieren, daß der Erdboden davon ganz glatt wurde. Und auf einmal, da kriegte er andere Gedanken, nahm die Flöte von der Wand und blies ein Stückchen darauf; und plötzlich kam bei jedem Ton, den er blies, ein Erdmännchen hervor. Er blies so lange, bis das ganze Zimmer voller Erdmännchen war. Die fragten alle, was sein Begehren wäre. Da sagte er, er wolle wieder nach oben ans Tageslicht. Da faßte jeder an einem seiner Kopfhaare, und so flogen sie mit ihm zur Erde hinauf. Wie er oben war, ging er gleich zum Königsschloß, wo gerade die Hochzeit mit der einen Königstochter sein sollte; und er ging auf das Zimmer, wo der König mit seinen drei Töchtern saß. Wie ihn da die Kinder sahen, da wurden sie ohnmächtig. Da wurde der König sehr böse, und ließ ihn gleich ins Gefängnis werfen, weil er meinte, er hätte den Kindern ein Leid angetan. Als aber die Königstöchter wieder zu sich gekommen waren, da baten sie ihren Vater, er möchte ihn doch wieder freilassen. Der König fragte sie, warum, aber die Kinder sagten, sie dürften das nicht erzählen. Doch der Vater sagte, sie sollten es dem Ofen erzählen. Dann ging er hinaus, lauschte an der Tür und hörte alles. Da ließ er die beiden Brüder an den Galgen hängen, und dem jüngsten gab er die jüngste Tochter. Und da zog ich ein Paar gläserne Schuhe an, und da stieß ich an einen Stein, da machte es 'klink', da waren sie entzwei.

Dat Erdmänneken

Et was mal en rik Künig west, de hadde drei Döchter had, de wören alle Dage in den Schlottgoren spazeren gaen, un de Künig, dat was so en Leivhawer von allerhand wackeren Bömen west: un einen, den hadde he so leiv had, dat he denjenigen, de ümme en Appel dervon plückede, hunnerd Klafter unner de Eere verwünschede. Als et nu Hervest war, da worden de Appel an den einen Baume so raut ase Blaud. De drei Döchter gungen alle Dage unner den Baum un seihen to ov nig de Wind 'n Appel herunner schlagen hädde, awerst se sannen ir Levedage kienen, un de Baum de satt so vull, dat he breken wull, un de Telgen (Zweige) hungen bis up de Eere. Da gelustede den jungesten Künigskinne gewaldig un et segde to sinen Süstern 'use Teite (Vater), de hett us viel to leiv, ase dat he us verwünschen deihe: ik glöve dat he dat nur wegen de frümden Lude dahen hat.' Un indes plücked dat Kind en gans dicken Appel af un sprunk fur sinen Süstern un segde 'a, nu schmecket mal, mine lewen Süsterkes, nu hew ik doch min Levedage so wat schones no nig schmecket.' Da beeten de beiden annern Künigsdöchter auch mal in den Appel, un da versünken se alle drei deip unner de Eere, dat kien Haan mer danach krähete.

As et da Middag is, da wull se de Künig do Diske roopen, do sind so nirgends to finnen: he söket se so viel im Schlott un in Goren, awerst he kun se nig finnen. Da werd he so bedröwet un let dat ganse Land upbeien (aufbieten), un wer ünne sine Döchter wier brechte, de full ene davon tor Fruen hewen. Da gahet so viele junge Lude uwer Feld un söket, dat is gans ut der Wiese (über alle Maßen), denn jeder hadde de drei Kinner geren had, wiil se wören gegen jedermann so fründlig un so schön von Angesichte west. Un et togen auck drei Jägerburschen ut, un ase da wol en acht Dage rieset hadden, da kummet se up en grot Schlot, da woren so hübsche Stoben inne west, un in einen Zimmer is en Disch decket, darup wören so söte Spisen, de sied noch so warme dat se dampet, awerst in den ganzen Schlott is kien Minsk to hören noch to seihen. Do wartet se noch en halwen Dag, un de Spiesen bliewet immer warme un dampet, bis up et lest, da weret se so hungerig, dat se sik derbie settet un ettet, un macket mit en anner ut, se wüllen up den Schlotte wuhnen bliewen, un wüllen darümme loosen, dat eine in Huse blev un de beiden annern de Dochter söketen; dat doet se auck, un dat Loos dreppet den ölesten. Den annern Dag da gaet de twei jüngesten söken, un de öleste mot to Huse bliewen. Am Middage kümmt der so en klein klein Menneken un hölt um 'n Stükesken Braud ane, da nümmt he von dem Braude, wat he da funnen hädde, un schnitt en Stücke rund umme den Braud weg un will ünne dat giewen, indes dat he et ünne reiket, lett et dat kleine Männeken fallen un segd he sulle dok so gut sin un giewen ün dat Stücke wier. Da will he dat auck doen un bucket sik, mit des nümmt dat Männeken en Stock un päckt ünne bie den Haaren un giwt ünne düete Schläge. Den anneren Dag, da is de tweide to Hus bliewen, den geit et nicks better. Ase de beiden annern da den Avend nah Hus kümmet, da segt de öleste 'no, wie hätt et die dann gaen?' 'D, et geit mie gans schlechte.' Da klaget se sik enanner ere Naud, awerst den jungesten hadden se nicks davonne sagd, den hadden se gar nig lien (leiden) mogt un hadden ünne jummer den dummen Hans heiten, weil he nig recht van de Weld was. Den dritten Dag, da blivt de jungeste to Hus, da kümmet dat kleine Männeken wier un hölt um en Stücksken Braud an ; da he ünne dat giewen hätt, let he et wier fallen un segt he mügte dock so gut sien un reicken ünne dat Stücksken wier. Da segd he to den kleinen Männeken 'wat! kannst du dat Stücke nig sulwens wier up nummen, wenn du die de Möhe nig mal um dine dägliche Narunge giewen wust, so bist du auck nich werth, dat du et etest.' Da word dat Männeken so bös un sehde he möst et doen: he awerst nig fuhl, nam min lewe Männeken un drosch et duet dör (tüchtig durch). Da schriege dat Männeken so viel un rep 'hör up, hör up, un lat mie geweren, dann will ik die auck seggen wo de Künigsdöchter sied.' Wie he dat hörde, häll hei up to slaen, un dat Männeken vertelde he wör en Erdmänneken, un sulke wären mehr ase dusend, he mögte man mit ünne gaen, dann wulle he ünne wiesen wo de Künigsdöchter weren. Da wist he ünne en deipen Born, da is awerst kien Water inne west. Da segt dat Männeken he wuste wohl dat et sine Gesellen nig ehrlich mit ünne meinten, wenn he de Künigskinner erlösen wulle, dann möste he et alleine doen. De beiden annern Broer wullen wohl auck geren de Künigsdöchter wier hewen, awerst se wullen der kiene Möge un Gefahr umme doen, he möste so en grauten Korv nümmen, un möste sik mit sinen Hirschfänger un en Schelle darinne setten un sik herunter winnen laten: unnen da wören drei Zimmer, in jeden sette ein Künigskind un hädde en Drachen mit villen Köppen to lusen, den möste he de Köppe asschlagen. Ase dat Erdmänneken nu dat alle sagd hadde, verschwand et. Ase't Awend is, da kümmet de beiden annern un fraget wie et ün gaen hädde, da segd he 'o, so wit gud,' un hädde keinen Minsken sehen, ase des Middags, da wer so ein klein Männeken kummen, de hädde ün umme en Stücksken Braud biddit, do he et ünne giewen hädde, hädde dat Männeken et fallen laten un hädde segd he mögtet ünne doch wier up nümmen, wie he dat nig hadde doen wullt, da hädde et anfangen to puchen, dat hädde he awerst unrecht verstan un hädde dat Männeken prügelt, un da hädde et ünne verteilt wo de Künigsdöchter wären. Da ärgerten sik de beiden so viel, dat se gehl un grön wören. Den annern Morgen da gungen se to haupe an den Born un mackten Loose, wer sik dat erste in den Korv setten sulle, da feel dat Loos wier den öllesten to, he mot sik darin setten un de Klingel mitnümmen. Da segd he 'wenn ik klingele, so mutt gi mik nur geschwinne wier herupwinnen.' Ase he en bitken herunner is, da klingelte wat, da winnen se ünne wier heruper: da sett sik de tweide herinne, de maket ewen sau: nu kümmet dann auck de Riege an den jungesten, de lät sik awerst gans drinne runner winnen. Ase he ut den Korve stiegen is, da nümmet he sinen Hirschfänger un geit vor der ersten Doer staen un lustert, da Hort he den Drachen gans lute schnarchen. He macket langsam de Döre oppen, da sitt da de eine Künigsdochter un häd op eren Schot niegene(neun) Drachenköppe ligen un luset de. Da nümmet he sinen Hirschfänger un hogget to, da siet de niegne Koppe awe. De Künigsdochter sprank up un fäl ünne um den Hals un drucket un piepete (küßte) ünn so viel, un nümmet ihr Bruststücke, dat wor von rauen Golle west, un henget ünne dat umme. Da geit he auck nach der tweiden Künigsdochter, de häd en Drachen mit sieven Köppe to lusen un erlöset de auck, so de jungeste, de hadde en Drachen mit viere Köppen to lusen had, da geit he auck hinne. Do froget se sich alle so viel, un drucketen un piepeten ohne uphören. Da klingelte he sau harde, bis dat se owen hört. Da set he de Künigsdöchter ein nach der annern in den korv un let se alle drei heruptrecken, wie nu an ünne de Riege kümmt, da fallet ün de Woore (Worte) von den Erdmänneken wier bie, dat et sine Gesellen mit ünne nig gut meinden. Da nümmet he en groten Stein, de da ligt un legt ün in den Korv, ase de Korv da ungefähr bis in de Midde herup is, schnien de falsken Broer owen dat Strick af, dat de Korf mit den Stein up den Grund füll, un meinten he wöre nu daude, up laupet mit de drei Künigsdöchter wege un latet sik dervan verspreken dat se an ehren Vater seggen willt dat se beiden se erlöset hädden; da kümmet se tom Künig, un begert se tor Frugen. Unnerdies geit de jungeste Jägerbursche gans bedröwet in den drei Kammern herummer un denket dat he nu wull sterwen möste, da süht he an der Wand 'n Fleutenpipe hangen, da segd he 'worümme hengest du da wull, hier kann ja doch keiner lustig sin?' He bekucket auck de Drachenköppe, un segd 'ju künnt mie nu auck nig helpen.' He geit so mannigmal up un af spatzeren, dat de Erdboden davon glat werd. Ue et lest, da kriegt he annere Gedanken da nümmet he de Fleutenpipen van der Wand un blest en Stücksken, up eenmahl kummet da so viele Erdmännekens, bie jeden Don, den he däht, kummt eint mehr: da blest he so lange dat Stücksken, bis det Zimmer stopte vull is. De fraget alle wat sin Begeren wöre, da segd he he wull geren wier up de Ere an Dages Licht, da fatten sie ünne alle an, an jeden Spir (Faden) Haar, wat he up sinen Koppe hadde, un sau fleiget se mit ünne herupper his up de Ere. Wie he owen is, geit he glick nach den Künigsschlott, wo grade de Hochtit mit der einen Künigsdochter sin sulle, un geit up den Zimmer, wo de Künig mit sinen drei Döchtern is. Wie ünne da de Kinner seihet, da wered se gans beschwämt (ohnmächtig). Da werd de Künig so böse un let ünne glick in een Gefängnisse setten, weil he meint he hädde den Kinnern en Leid anne daen. Ase awer de Künigsdöchter wier to sik kummt, da biddet se so viel he mogte ünne doch wier lose laten. De Künig fraget se worümme, da segd se dat se dat nig vertellen dorften, awerst de Vaer de segd se sullen et den Owen (Ofen) vertellen. Da geit he herut un lustert an de Döre un hört alles. Da lät he de beiden an en Galgen hängen, un den einen givt he de jungeste Dochter: un da trok ik en Paar gläserne Schohe an, un da stott ik an en Stein, da segd et 'klink!' da wören se caput.

Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859)

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