„Bitte gehen sie sich aus dem Weg und lassen sie sich in Ruhe“, waren die Worte von Strafrichterin Petra Ockert eindringlich, ob sie Gehör finden werden, steht in den Sternen.
Ein Nachbarschaftsstreit aus einem Stadtteil von Steinau fand jetzt eine Fortsetzung im Amtsgericht Gelnhausen. Die Staatsanwaltschaft Hanau warf einem 62-Jährigen vor, im November des vergangenen Jahres an der Kapuze des Pullovers eines 12-jährigen Schüler gezogen zu haben, so dass der Junge keine Luft mehr bekommen und zu Boden gesunken sei, wobei er sich an der Hand verletzt habe. Nach einer hitzigen Verhandlung wurde das Verfahren vorläufig eingestellt, da sich der 62-Jährige bereit erklärte, 1000 Euro an den Verein „Hilfe für krebskranke Kinder“ zu zahlen.
Was genau in den Abendstunden des 15. November 2013 passierte, ließ sich letztlich nicht aufklären. Laut Aussage des Angeklagten beobachtete er durch ein Fenster, wie zwei Jugendliche mit kleinen Kügelchen auf sein Haus schossen. Einer von beiden soll der 12-Jährige gewesen sein, den er wenig später stellte. Dabei habe er versucht, dem Schüler die „Waffe“ abzunehmen und an seine Hose gegriffen. Im Verlaufe der Verhandlung und nach einem Gespräch mit seiner Rechtsanwältin räumte er dann ein, dabei möglicherweise auch den Pullover erwischt zu haben, allerdings im vorderen Bereich und nicht wie angeklagt an der Kapuze. Staatsanwaltschaft und Gericht gaben sich schließlich mit diesem Teilgeständnis zufrieden.
Die Mutter des Jungen schilderte den Vorfall deutlich dramatischer: „Es hat ausgesehen wie eine Hinrichtung“, will sie beobachtet haben, wie der 62-Jährige an ihrem knienden Sohn gezogen und erst aufgehört habe, nachdem sie sich eingeschaltet habe. Ihr Sohn, auf dessen Zeugenaussage schließlich verzichtet wurde, habe ihr versichert, dass er nicht auf das Haus des Angeklagten geschossen habe.
Das Gericht ließ letztlich offen, welche Version am nahesten an der Wahrheit dran ist und bot die Einstellung gegen eine Geldauflage an. Zahlt der Steinauer binnen zwei Monaten die 1000 Euro, wird das Verfahren endgültig eingestellt und es gibt kein Wiedersehen der Beteiligten vor Gericht – zumindest nicht wegen dieser Sache.
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
















