Kunst „hand made“ und mit viel schöpferischer Arbeit

Wächtersbach
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Im Rahmen der Reihe „Stammtisch mit Charakterköpfen“ des Altstadtfördervereins Wächtersbach, berichtete der Wächtersbacher Künstler Franz Aumüller, wie er zur Kunst im weitesten Sinne kam, denn sein Schaffen umfasst auch avantgardistische Musikproduktionen.

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In der Wächtersbacher Altstadt geboren und aufgewachsenen, so berichtete Aumüller: „Schon als Kind bin ich jeden Tag im Schlosspark und im Wald gewesen.“ Sein Großvater habe ihm bei den Spaziergängen viel erklärt. Schon in der Volksschule in Wächtersbach sei Kunst sein bestes Fach gewesen. „Ich habe gemalt und gebastelt, seit ich mich erinnern kann“, sagte der 70-Jährige. Auf dem Gelnhäuser Gymnasium habe er dann Dieter Kolb und Franz Knüttel kennengelernt. Unter dem Label „Wunderwerke“ produzierten sie viele Jahre später gemeinsam Musik unter dem Namen „Supersempft“ – mit einem mit Franz Knüttel konstruierten Synthesizer („Roboterwerke“). Sie waren mit dieser Art von Musik ihrer Zeit weit heraus. In diesen Tagen, so erzählte Aumüller, komme eine neue „Supersempft“-LP heraus, „Cosmotropics“, die bereits im Jahr 1982 produziert worden sei. Kostproben von „Supersempft“ findet man auf „You Tube“, wobei die dazu entworfenen Comic-Clips von Franz Aumüller stammen.

Doch vorerst widmete sich Aumüller seiner weiteren Bildung. Er wechselte auf ein Internat in Echzell. Auch dort galt für ihn: „Malen, das war immer mein Ding:“ Seine erste Ausstellung organisierte er im Geschäft seiner Eltern, im Textilhaus Wallich im Untertor. Nach dem Abitur und Wehrdienst studierte er erst Kunstgeschichte in Frankfurt, dann visuelle Kommunikation in Kassel. Als Praktikant knüpfte er Kontakte zur Werbebranche. Dort stieg er auch beruflich ein. Ein Jahr verbrachte Franz Aumüller in London. Dann kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Assistent von Agenturchef Michael Conrad (Lürzer & Conrad). Mit der Karriere ging es steil bergauf. Von einer Hamburger Werbeagentur gründete er eine Zweigniederlassung in Frankfurt, die unter anderem das Magazin „Instant“ herausbrachte. Nach weiteren Stationen machte sich der Wächtersbacher dann mit der Frankfurter Agentur „Trust“ selbstständig, bei der zeitweilig bis zu 150 Menschen tätig waren. „Das war damals eine der Top-Agenturen in Deutschland.“ Nach fast 30-jähriger Berufstätigkeit in der Werbebranche kehrte er nach Wächtersbach zurück und arbeitet seitdem freischaffend künstlerisch in seinem Atelier und seiner Galerie-Aumüller, welche er dieses Jahr im Erdgeschoss seines Wohnhauses in der Bachstraße 4 eröffnete. „Die Gefallenen“ ist der Titel einer sehenswerten Ausstellung, die Franz Aumüller im Rahmen der diesjährigen Kunstroute ausstellt. Nach telefonischer Voranmeldung unter der Telefonnummer 0172 674 8507 kann die Ausstellung auch nach der Kunstroute besichtigt werden. Es sollen weitere Ausstellungen folgen, unter anderem soll die Galerie auch anderen Künstlern für ihre Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden.

Aumüllers Kunstwerke sind vielseitig. Ein Beispiel sind die dreidimensionalen Objekte, die er mit dem Skalpell Schicht für Schicht aus Schablonen ausschneidet, über einander klebt und dann mit Sprühdosen koloriert. Viele dieser surrealistisch anmutenden Objekte kommen erst unter Schwarzlicht richtig zur Geltung. „Zufallsfunde“ inspirieren ihn, mithin banale Gegenstände, die er sich vornimmt und sie durch künstlerische Veränderung neu interpretiert und in Szene setzt. „Die Gefallenen“ aus seiner aktuellen Ausstellung sind Holzabschnitte von Jahrhunderte alten Eichen, die er auf seinen Wanderungen im Wald sammelte und sie wie Andenken auf Holzbrettern fixierte um ihre menschlichen Gesichtszüge mit Puppenaugen zu versehen. „Das sind für mich Andenken an die großen gefallenen Bäume.“

Aus dem Publikum kam die Frage nach Aumüllers Vorbildern. In der frühen Phase haben ihn Comics wie „Felix der Kater“, Walt Disneys Mickey-Maus- und Donald-Duck-Hefte inspiriert, später Pop Art, Underground Comics, der Surrealismus und psychedelische Kunst. Und schon in seinen Zeiten in Werbeagenturen habe er viel experimentiert. Zum Beispiel mit dem Fotokopierer. So vielschichtig seine Kunst auch ist, das wurde anhand der gezeigten Beispiele deutlich, so ist sie doch immer „hand made“ und mit viel schöpferischer Arbeit und kreativer Phantasie verbunden – und niemals digital am Computer entstanden. Der nächste Stammtisch mit Charakterkopf Dr. Eberhard Wetzel findet am 12. September um 16 Uhr im Gartensaal statt. In Bezug auf den Stadtumbau und das geplante Wohngebiet auf dem Brauereigelände hat der Altstadtförderverein Dr. Wetzel zu einem gemeinsamen Ideenaustausch eingeladen.

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