Gastronomie im Schloss Wächtersbach: "Vetternwirtschaft umgehend beenden"

Wächtersbach
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"Wir haben unser Wächtersbacher Schloss. Es ist neu renoviert, die Einweihung wurde mit einem großen Fest zelebriert", so "DIE LINKE" in Wächtersbach in einer Pressemitteilung. "Ein Wirtshaus soll es bekommen. Das versprach und verspricht der Wächtersbacher Bürgermeister Andreas Weiher (SPD) immer wieder. Doch die Sache zieht sich. "Warum das so ist, glaubt Angelika Silberling-Antoni, Stadtverordnete der Linken, zu wissen: "Es geht um einen jungen Koch, den Bruder des Bürgermeisters – und den Bürgermeister selbst, der seinen Bruder mit einem Job versorgen will. Auf Biegen und Brechen."

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Zum Verständnis trage ein Blick in die Historie bei: "Es ist Spätsommer 2019. Lars Wolf ist 24 Jahre alt. Beruf: Koch. Ambitioniert. Sein Plan: Er möchte im frisch renovierten Wächtersbacher Schloss das geplante Restaurant übernehmen. Es gibt, wie der Wächtersbacher Bürgermeister Andreas Weiher (SPD) in einer Pressemitteilung bekannt gibt, etliche Interessenten. Doch die Wahl fällt auf Lars Wolf. Der sagt heute, es habe etliche Interessenten gegeben, aber die hätten alle von sich aus einen Rückzieher gemacht. Den Vertrag bekommt Wolf nicht ohne Bedingungen: Wie er sagt, gehörte es zu den Voraussetzungen des Vertragsabschlusses, dass sowohl des Bürgermeisters Bruder Rüdiger als auch dessen guter Freund Sebastian Klaus Falko Dieckhoff, beide ebenfalls Gastronomen, anteilig an der Geschäftsführung beteiligt werden müssen. Ob diese Maßnahme vom Magistrat oder allein vom Bürgermeister beschlossen wurde, auf diese Frage habe er bis heute keine Antwort, sagt Wolf im Gespräch. Dass Rüdiger Weiher in der neu gegründeten mbH, der Schloss Wächtersbachbetriebsgesellschaft mbH, dann doch nicht auftauchte, sondern lediglich Wolf als Geschäftsführer und Dieckhoff als Prokurist, erklärt Wolf mit 'dem Raunen', das schon 2019 durch das Städtchen ging, als Gerüchte auftauchten, der Bruder des Bürgermeisters werde das Restaurant im Schloss übernehmen – für einige hatte das 'ein Geschmäckle', für andere sah es nach Vetternwirtschaft aus", so "DIE LINKE" weiter.

Wolf habe der Partei mitgeteilt, dass die Verträge kurz vor dem Notartermin nochmals geändert worden seien: "Wolf erhielt weiterhin die geplanten 70 Prozent der Geschäftsanteile, Dieckhoff jedoch 30 statt 20 Prozent – also zusätzlich die zehn Prozent, die ursprünglich Rüdiger Weiher zugedacht waren. Da die Bürgermeisterwahl im November 2019 anstand, habe man wohl kein Risiko eingehen wollen, vermutet Wolf. Stattdessen habe man an verantwortlicher Stelle warten wollen, bis Gras über die Sache gewachsen sei und Herr Dieckhoff zehn Prozent seiner Anteile an der GmbH an Rüdiger Weiher abgeben könne. Zwischenzeitlich jedoch sollte des Bürgermeisters Bruder als 'Berater' der Firma angestellt werden. Am 28. November 2020 veröffentlicht Rüdiger Weiher im Vorwort des Gewerbevereinsblättchens: 'Ich freue mich für die neuen Pächter der Schloss-Gastronomie. Hat doch das Gemunkel nun ein Ende gefunden, dass ich das Schloss Restaurant betreiben werde und somit der Bürgermeister, der ja schon seit Lebzeiten mein Bruder ist, mir eine Gastronomie quasi auf Kosten der Wächtersbacher zur Verfügung stellt. Ich wünsche den Pächtern viel Erfolg und eine hohe Akzeptanz der Bürger/-innen, damit das Schloss auch als gastronomischer Magnet eine Bereicherung der Altstadt darstellt.' Auch der Bürgermeister selbst freut sich öffentlich über die Vertragsunterzeichnung. 'Nun haben wir hier ein aussichtsreiches Team mit Sebastian Dieckhoff, der von der Pike auf alles gelernt hat, und einen Lokalmatadoren mit Lars Wolf, der ein sehr guter Koch ist.' In einer städtischen Pressemitteilung heißt es: 'Schloss – e1ns bietet eine saisonale, regionale, deutsche Küche mit Pfiff an. Das Restaurant soll im Frühjahr 2021 eröffnet werden.' Eine Erfolgsgeschichte? Nur für kurze Zeit. Denn schnell stellt Lars Wolf fest, dass die Küchenplanung im Schloss ein Desaster ist. Obwohl der Koch einen innovativen Küchenplaner hinzuzog, blieb es für ihn Fakt, dass die Küche im Schloss nicht geeignet sei, um einen Saal mit bis zu 100 Personen, ein Restaurant mit 65 Sitzplätzen und einen Biergarten zu bewirtschaften. Die Quintessenz: Als deutlich wurde, dass eine Produktionsküche benötigt wird, machte Bürgermeister Weiher dem jungen Gastronomen den Vorschlag, das Restaurant im Bürgerhaus (Heinrich-Heldmann-Halle) zum Jahreswechsel 20/21 ebenfalls zu übernehmen und quasi als Produktionsküche mit zu nutzen."

Im Dezember 2021 sei laut "LINKE" eine Pressenotiz gefolgt: "Das Traditionsrestaurant im Wächtersbacher Bürgerhaus hat einen neuen Pächter. Die Speisegaststätte mit der ansprechenden Innenausstattung wird unter dem Namen Wolf‘s-Schänke in der Zukunft die Gäste mit hessischen und deftigen Speisen verwöhnen. Die Pächter, Sebastian Dieckhoff und Lars Wolf, haben vor wenigen Tagen den Pachtvertrag unterschrieben. Bürgermeister Andreas Weiher sowie Ute Metzler, Geschäftsführerin der Messe Wächtersbach GmbH, freuen sich: Die Kochkunst von Küchenchef Lars Wolf wird Garant für den Erfolg der 'Wolf‘s-Schänke' sein. Aber zurück zum Schloss. Zu Beginn des Pachtvertrags für das Schlossrestaurant am 1. April 2021 war laut Wolf an eine Eröffnung nicht zu denken, da weder die Möblierung geliefert noch eine Küche eingebaut war. Da seine Firma jedoch anfangen musste, Umsätze zu verzeichnen, beschloss die Schloss Wächtersbachbetriebsgesellschaft mbH, den Betrieb in der neuen Wolfs Schänke im Bürgerhaus aufzunehmen. Das geschah am 8. Juni 2021. Am 15. Juli 2021 wurde zudem ein 'PopUp-Biergarten' mit Ausschankwagen, Festzeltgarnitur und ein paar Schirmen am Rand des Schlossparks eröffnet. Diese Eröffnung feiert Rüdiger Weiher in seiner Eigenschaft als Zweiter Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins in dessen Blättchen in einer Juli-Ausgabe. Nun war laut Vertrag die Zahlung der Kaution für das Schlossrestaurant bereits im März 2021 fällig. Rüdiger Weiher habe ihm versichert, er müsse sich um die Zahlung der Kaution für das Schlossrestaurant keine Gedanken machen, da es ja noch nicht fertiggestellt sei, betont Wolf. Rüdiger Weiher sei es auch gewesen, der Lars Wolf im Juni 2021 darüber informierte, es gäbe eine 'Hochzeitsabsprache im Schlosssaal'. Die gab es zwar nicht, sein Bruder wolle jedoch auf dem Weg verhindern, dass die neue Wählergemeinschaft 'Freie Wächter' dort eine Sitzung abhielten. Für Lars Wolf eine undemokratische und falsche Vorgehensweise. Ihn beschäftigte zu der Zeit zudem, dass ihm immer wieder zugetragen wurde, es werde erzählt, dass der Bruder des Bürgermeisters der eigentliche Chef und er nur die Marionette im Vordergrund sei."

Die Unterstützung, die der junge Koch von den beiden erfahrenen Gastronomen bekommen sollte, habe es nicht gegeben, beklagt der Wirt laut LINKE rückblickend. Noch nicht einmal bei der Eröffnung der Wolfs Schänke habe es ein strukturiertes Vorgehen gegeben, geschweige denn, dass ein Marketingkonzept existiert habe. Stattdessen seien wichtige Informationen nicht geflossen, der laufende Betrieb sabotiert worden. Und immer wieder sei dem emotional und finanziell geschwächten Koch angeboten worden, die Geschäftsführung doch an Rüdiger Weiher abzugeben: "Wolf lehnte ab. Die Stimmung wurde damit nicht besser, und schließlich reichte Rüdiger Weiher am 6. Dezember 2021 seine Kündigung ein. Und nahm damit Lars Wolf die Chance, ihm selbst zu kündigen. Ein entsprechendes Schreiben sei zu diesem Zeitpunkt bereits verfasst gewesen. Wolf wollte nach eigenem Bekunden nicht mehr mit jemandem zusammenarbeiten, der nicht für, sondern gegen den Betrieb arbeitete, so seine Wahrnehmung. Das war ein Schritt, der Folgen haben sollte. Wie Wolf erläutert, überzeugte Bürgermeister Andreas Weiher in der Folge den Magistrat, dass die Schloss Betriebsgesellschaft mbH mit Herrn Wolf in der Führungsposition nicht mehr von den Wächtersbacher Bürgern akzeptiert und gewollt werde. Alle falschen Entscheidungen, die Rüdiger Weiher und Sebastian Dieckhoff getroffen haben, sollten ihm in die Schuhe geschoben werden. Eine Zusammenarbeit war nicht mehr möglich. Dieckhoff verkaufte in der Folge seine Anteile des gebeutelten Unternehmens an den Vater des Jungselbständigen, Uwe Wolf", berichtet "DIE LINKE" weiter.

Ruhe sei denn nicht eingekehrt: "Die Stadt Wächtersbach als Verpächter des Schlossrestaurants und die Messe Wächtersbach als Verpächter der Wolfs Schänke fingen an, massiv Druck aufzubauen, wie Wolf berichtet. In einer Zeit, in der es für zahlreiche Betriebe wegen Corona Pachtaufschübe gab, lag die Forderung nach sofortiger Zahlung der Kaution für das Schloss-Restaurant, das immer noch eine Baustelle darstellte, auf dem Tisch. Handwerker führten Arbeiten aus, von denen Wolf nichts wusste, aber deren Rechnungsbegleichung über die Messe Wächtersbach GmbH angemahnt wurde. Was folgte, waren Abmahnungen. Abmahnungen. Abmahnungen. Um die Rechnungen und Mahnungen begleichen zu können, verzichteten Wolf und sein Team über Monate auf große Teile ihres Lohns. Mit Hilfe eines Anwalts konnte die fristlose Kündigung des Pachtvertrags für das Schlossrestaurants wegen der immer noch nicht gezahlten Kaution abgewendet werden. Für den jungen Gastronom sieht es so aus, als würde die Stadt Wächtersbach die finanzielle Schieflage der Schlossbetriebsgesellschaft mbH zu ihren Gunsten ausnutzen, während andere Städte covidbedingte Förderungen auflegten. Und: Andreas Weiher habe ihm in einem persönlichen Gespräch deutlich gemacht, dass es besser sei, den Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, da im Mai das Messegeschäft vor der Tür stünde und man 'miteinander oder gegeneinander' arbeiten könne. Zugleich habe er den jungen Unternehmer gewarnt: Wenn dieser an die Öffentlichkeit gehe, schade er sich selbst mehr als ihm, dem Bürgermeister. Lars Wolf hat sich anders entschieden, denn er ist der Auffassung, dass man so nicht mit Menschen umgeht – schon gar nicht mit Menschen, die sich anstrengen und etwas aufbauen wollen."

"DIE LINKE" in Wächtersbach abschließend: "Dass Bürgermeister Andreas Weiher das Thema aus der Öffentlichkeit halten will, wurde bereits im Rahmen der Bürgerversammlung am 17. Mai dieses Jahres deutlich. Von einer Bürgerin gefragt, ob sein Bruder die Schlossgastronomie übernimmt, antwortete er zunächst: 'Das weiß ich nicht', um sich wenige Sekunden später zu korrigieren in: 'Das beantworte ich nicht.' Hier hat Bürgermeister Weiher definitiv in der Bürgerversammlung die Unwahrheit gesagt. Schluss mit dem Mobbing an dem Wächtersbacher Jungunternehmer. Die Vetternwirtschaft muss umgehend beendet werden."


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