Überschäumende Spielfreude gezeigt

Musik

Ein ganzes Jahrhundert (1888 bis 1989) hat der Komponist Irving Berlin überdauert.

Harth & Schneider

gershwinnighgershwinnigh1Berlin hat über 1000 Songs verfasst, darunter  „God Bless America“, „White Christmas“, „There's No Business Like Show Business“, „Alexander's Ragtime Band“ – alles Kompositionen, die dem einstigen Emigranten zu großem Erfolg in den USA verhelfen. Zudem ist er Oscar- und Grammy-Preisträger. Sein Pendant, Cole Porter, gilt als einer der größten Autoren des „Great American Songbook“. Seine Songs sind raffiniert wie Luxusprodukte, aufwändig hergestellt und extravagant gereimt. Er ist ein Meister des homoerotischen Liebesliedes und hat zahlreichen Entertainern wie Frank Sinatra mit Kompositionen versorgt, die bis zum heutigen Tage unvergessen sind.

Schüler und Dozenten der Paul-Hindemith-Musikschule Hanau (PHM) haben nun unter dem Motto „Night and Day“ in der PHM-Reihe „Künstler-Porträt“ den beiden Komponisten Porter, Berlin und Zeitgenossen in der Aula der Pestalozzischule ein ehrwürdiges Podium gegeben und diese großartige Musik aus der goldenen Ära des Jazz stellenweise auch neu beleuchtet. Das Konzert bestach durch eine sehr facettenreiche Programmzusammenstellung. Sowohl unterschiedlich besetzte Instrumental- als auch Vokalarrangements kamen zu Gehör, die allesamt auf einem sehr hohen Niveau präsentiert wurden. Mit einem leicht ironischen Unterton eröffnet das Schüler-Trio „Jazz43“, bestehend aus Tim Dokter (Piano), Lorenz Pick (Posaune) und Leonard Pick (Drums), mit „Let’s do it“ das Konzert. Ganz klar: Bei Porter geht’s oft um die Liebe in allen Varianten, so auch hier. Alle haben es mit der Liebe, die Vögel wie die Bienen, wie die Menschen. Schön herausgearbeitet von dem Trio die in Musik gesetzten textlichen Pointen.

Die PHM-Schüler Philipp Spenkoch und Clemens Abraham haben sich an der Trompete gleich eines der bekanntesten Porter-Werke, „Night and Day“ herausgesucht, dass sie mit eigenen kleinen Improvisationen versehen in Begleitung des PHM-Schulleiters Jörn Pick am Flügel zum Besten geben. Einen der bekanntesten Jazz-Klassiker überhaupt, Dave Brubecks berühmtes Fünf-Viertel-Stück „Take Five“, tragen Anna Streck am Saxophon in Begleitung von Jona Heckmann am Flügel in feiner rhythmischer Eleganz und sehr gesanglicher Intonation ineinander verwoben vor.

Von großer Eleganz geprägt auch der Auftritt der PHM-Gesangsdozentin Mariam Draeger. Souverän begleitet am Flügel von Marlene Jacobs zelebriert die US-Amerikanerin mit großer Gestik untermalt den Gershwin-Song „I’ve got a crush on you“. Traumhaft und stilecht von Draeger interpretiert auch der Song „Fever“, den Cornelius Springer am Kontrabass kongruent untermauern kann. Einen großen Teils des Programms bestreitet das PHM-Quintett „Herz As“, bestehend aus Heiko Proske (Sax), Frank Zeller (Trompete), Gabor Kovacs (Drums), Gabor Kovacs sen. (Bass) und Jörn Pick (Piano). Immer wieder mit eigenen treibenden Improvisationen durchtränkt bereiten die fünf Vollblutmusiker mit Titeln wie „Cheek to Cheek“, „Puttin on the ritz“, „Begine the Beguine“ oder „I get a kick out of you“ den Zuhörern das eine um das andere Mal einen großen Ohrenschmaus. Ob im Latin- oder Swing-Rhythmus gehalten zeugen die Interpretationen des Quintetts von einer großen Spielfreude und einer fast überschäumenden Spontaneität, die die Patina auf diesen Songs durch eine frische Klangbrise beiseite fegen kann.

„Jazz43“ greifen am Ende des Konzerts mit Duke Ellingtons „It don’t mean a thing“ mit auf den Punkt gebrachten Tempowechseln nochmals in die Vollen und setzen damit einen pulsierenden Schlusspunkt unter ein Konzert, dass durchaus mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.

Foto: PHM- Dozenten und Schüler stehen gemeinsam auf der Bühne um mit Werken von Cole Porter und Irving Berlin die goldene Ära des Jazz der 20iger und 30iger Jahre neu zu beleuchten.  Fotos: Privat (BILD C)

Foto: Schon eine reife Leistung präsentieren die drei jungen Musiker von „Jazz43“ durch abwechslungsreiche eigene Arrangements von Jazz-Klassikern wie „Minnie the Moocher“. (BILD A)

Foto: Mariam Draeger und Marlene Jacobs am Flügel überzeugen mit George Gershwins „I’ve got a crush on you“. (BILD B)


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