Am Sonntag bestätigte das Stadtgesundheitsamt drei weitere Infektionen. Die heutigen Infizierten stammen aus dem Umfeld derjenigen, die bereits in den vergangenen Tagen nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub und von der Besichtigung einer Käsefabrik in Holland positiv getestet worden waren. Derzeit sind 65 Offenbacherinnen und Offenbacher mit dem Virus infiziert – so viele zeitgleich wie nie zuvor. Auch die 7-Tage-Inzidenz ist so hoch wie nie: Sie liegt mit Stand von heute, 12 Uhr, offiziell bei 33,2. Das bedeutet, dass in den vergangenen sieben Tagen 33,2 Menschen pro 100.000 Einwohner positiv getestet wurden. Wie das Stadtgesundheitsamt mitteilt, ist damit zu rechnen, dass am Montag, 3. August, der Wert von 35 überschritten wird. Das Eskalationskonzept des Landes Hessen sieht dann neue Einschränkungen des öffentlichen Lebens vor. Der Krisenstab der Stadt wird sich deshalb im Laufe des Montags beraten und in Abstimmung mit dem Land Hessen über konkrete Maßnahmen in Offenbach zur Eindämmung des Virus entscheiden. Die Aufträge zur Vorbereitung der Stabssitzung am Montag hatte Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke noch in der Nacht zu Sonntag gegeben.

Mit großer Sorge reagieren alle vier hauptamtlichen Dezernenten, Oberbürgermeister Schwenke, Ordnungsdezernent Peter Freier, Gesundheitsdezernentin Sabine Groß und Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß auf die aktuelle Entwicklung: „Es wird jetzt innerhalb weniger Tage sehr ernst.“ Oberbürgermeister Schwenke: „Welche Maßnahmen wir ergreifen werden hängt auch davon ab, ob wir alle Infektionsketten nachvollziehen können. Der Offenbacher Magistrat hält an seiner Linie fest, alle Entscheidungen zu treffen, die nötig sind, und das auch ohne jedes Zögern – aber eben auch Augenmaß zu behalten.“

Würde Offenbach sogar die Schwelle von 50 neu Infizierten auf 100.000 Einwohner überschreiten, sähe die Stufe vier des Eskalationskonzeptes der hessischen Landesregierung die umfangreichere erneute Schließung von öffentlichen Einrichtungen und Betrieben vor. Schwenke sagte deshalb: „Noch kann jede Offenbacherin und jeder Offenbacher dazu beitragen, das zu verhindern. Deswegen meine eindringliche Bitte an alle: Warten Sie nicht bis zum letzten Tag auf Verbote! Verschieben Sie auch jetzt schon alle Kontakte, die Sie verschieben können um zunächst einmal 14 Tage. Es geht um unsere Gesundheit, es geht aber auch um unsere Arbeitsplätze, Kultur, Gastronomie und Sport.“ Bürgermeister Freier sieht das ebenso: „Zeigen Sie Verantwortung! Unternehmen Sie bitte nur das Notwendigste und meiden Sie Kontakt zu anderen Menschen! Durch das Beachten von ein paar wenigen Regeln kann ein jeder seinen persönlichen wichtigen Beitrag leisten, um die Situation zu entspannen und mögliche Einschränkungen zu vermeiden. Jeder trägt Verantwortung dafür mit seinem Handeln.“

Wie ernst die Lage ist, unterstrich am Sonntag auch Gesundheitsdezernentin Groß: „Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie ist das Virus in Offenbach voll angekommen. Wir haben so viele zeitgleich infizierte Menschen wie nie zuvor. Unser Gesundheitsamt muss immer mehr Kontaktpersonen unter Quarantäne stellen. Diese Entwicklung zeigt, wie unberechenbar das Virus ist und wie schnell es sich immer wieder neu verbreiten kann.“

Das Stadtgesundheitsamt arbeitet unermüdlich daran, alle Kontaktpersonen zu finden und Infektionsketten zu unterbrechen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben höchste Anerkennung verdient für ihre Arbeit, die sie seit Monaten unter großer Arbeitsbelastung leisten“, so Groß. Ordnungsdezernent Peter Freier betonte: „Die schnelle Kontaktverfolgung ist ungemein wichtig, um das Infektionsgeschehen wieder in den Griff zu bekommen. Deshalb wird das Gesundheitsamt jetzt auch vom Ordnungsamt und der Polizei unterstützt. Bereits am Freitag haben wir außerdem neue Kontrollen beschlossen, um sicherzustellen, dass sich Restaurants und andere Betriebe an die Hygienevorgaben halten und Kundenlisten vorhalten. Wer das nicht tut, muss zahlen. Die Strafen liegen je nach Fall bei mehreren tausend Euro. Es gibt keine Verwarnungen mehr!“

Die plötzlich steigenden Zahlen in Offenbach gehen vor allem auf die hohe Reisetätigkeit in den Sommerferien zurück, erläuterte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. „Im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung der Bevölkerung verteilt die Stadt jetzt mehrsprachige Handzettel mit dem Aufruf sich nach der Rückkehr von einer Reise testen zu lassen. In vielen Sprachen weisen wir darauf hin, dass man sich sofort beim Gesundheitsamt melden und zuhause bleiben muss, wenn man aus einem Risikogebiet zurückkommt. Das Problem ist aber nicht, wenn man in den Urlaub fährt - das Problem ist, wie man sich im Urlaub verhält!“ Die Informationsblätter werden unter anderem in Reisebüros, Reisebussen und Taxis ausgehändigt sowie an Sport- und Kulturvereinen sowie Glaubensgemeinschaften verteilt.

Oberbürgermeister Schwenke war es am Sonntag wichtig, noch einmal die Meldewege darzustellen. „Es gab zuletzt immer wieder Irritationen über die gemeldeten Fallzahlen und Inzidenzwerte unterschiedlicher Stellen.“ So hat das Robert-Koch-Institut, das in der Regel als erstes Zahlen veröffentlicht, bereits am Sonntag eine Inzidenz von 35,7 für Offenbach vermeldet. Das RKI berücksichtigt dabei alle Schnellmeldungen aus den Gesundheitsämtern. Alle positiven Testergebnisse in einer Stadt werden dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet und an das RKI weitergeleitet. Auch das Sozialministerium veröffentlicht die Schnellmeldungen mit dem Hinweis darauf, dass die Zahlen noch einer Überprüfung unterliegen und deswegen gegebenenfalls korrigiert werden müssen. Diese Zahlen sind in einzelnen Fällen noch nicht abschließend auf den korrekten Wohnort überprüft. Auch fehlerhafte Doppelmeldungen können noch enthalten sein. Wer beispielsweise im Landkreis Offenbach lebt, aber in einer Praxis oder in einer Klinik in der Stadt Offenbach positiv getestet wurde, taucht oft zuerst in der Statistik der Stadt Offenbach auf. Diese Fälle werden dann aber nach sorgfältiger Prüfung in die Statistik des für den Wohnort zuständigen Gesundheitsamtes übertragen. Da die Überprüfung des Melderegisters und somit die korrekte Zuordnung bis zu einem Tag dauern kann, veröffentlicht die Stadt Offenbach stets die überprüften Zahlen des Vortages.

„Das RKI nimmt in seine Statistik auch die noch nicht endgültig überprüften Zahlen auf. Das macht für das RKI Sinn, um schnell einen Überblick über die Tendenz in Deutschland zu haben. Für das RKI ist dabei am Ende zweitrangig, wo jemand wohnt", erklärt Oberbürgermeister Schwenke. "Für uns sind jedoch die exakten wohnortbasierten Daten wichtig. Deshalb stellen wir vor einer Veröffentlichung sicher, dass unsere Statistik nur richtig zugeordnete Fälle aus der Stadt Offenbach enthält. Das macht gerade in dieser Situation auch Sinn, denn Schließungen sollten immer auf der Basis geprüfter Zahlen am richtigen Ort geschehen“, so Oberbürgermeister Schwenke. „Außerdem wissen wir 24 Stunden später auch besser, ob wir die Infektionsketten kennen oder nicht - das macht für die Schärfe der zu ergreifenden Maßnahmen einen wichtigen Unterschied.“

Die Anzahl der vom Offenbacher Gesundheitsamt angeordneten Tests ist durch die aktuelle Reisetätigkeit vor allem in Risikogebiete gestiegen. So mussten jüngst unter anderem alle Insassen eines Reisebusses durchgetestet werden. „Nur Mithilfe der Tests und einer konsequenten Kontaktnachverfolgung können wir Infektionsketten schnell unterbinden und damit die weitere Ausbreitung des Virus verhindern. Wir hatten die Infektionszahlen in Offenbach lange gut im Griff und wir können sie wieder in den Griff bekommen. Dazu ist es jetzt erforderlich, dass sich alle besonders umsichtig verhalten", so Sabine Groß. "Andernfalls laufen wir Gefahr, dass Offenbach selbst noch zu einem Risikogebiet erklärt wird, aus dem die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr woanders hinreisen dürfen."

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