Am Sonntag vor zwei Wochen lag die so genannte 7-Tage-Inzidenz noch bei 12,4. Dies bedeutet 12,4 neu Infizierte pro 100.000 Einwohner in den sieben davorliegenden Tagen. Ein solcher Wert ist gut, die erste Warnstufe wird gemäß Eskalationsstufenkonzept des Landes Hessen erst bei 20 neu Infizierten pro 100.000 Einwohnern in 7 Tagen erreicht. Am Freitag, 31. Juli, wurde dann erstmals die Warnstufe von 20 neu Infizierten pro 100.000 Einwohner überschritten, nur zwei Tage später am Sonntag vor einer Woche sogar die Warnstufe von 35 neu Infizierten.

Ursache für die Zuspitzung der Lage war eine Kombination aus stetig steigenden Infektionszahlen durch Reiserückkehrer in Kombination mit dem Einzelereignis einer Busreise. „Als Reaktion darauf haben wir ein ganzes Paket an Maßnahmen beschlossen. Dazu gehörte eine sofortige umfassende Informationskampagne für Reisende und eine sofortige Testpflicht bei der Rückkehr aus Risikogebieten. Wir haben etliche Vorschriften verschärft und die wirtschaftlich unschädliche, aber für die Sicherheit wichtige Maskenpflicht in den geschlossenen Räumen der Gastronomie eingeführt. Sie gilt innerhalb des Gebäudes auf dem Weg zum Tisch und zur Toilette. Massiv ausgeweitet haben wir außerdem die Kontrollen auf Einhaltung der Maskenpflicht von Personal im Einzelhandel und in der Gastronomie sowie von den Fahrgästen im öffentlichen Nahverkehr“, fasste Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke am Sonntag die Maßnahmen der vergangenen Woche zusammen.

„Heute können wir nun feststellen, dass wir die in kurzer Zeit massiv zugespitzte Lage fürs erste überwunden haben. Die Lage ist aber weiterhin deutlich angespannter als noch vor zwei Wochen“, so Schwenke weiter. „Die Stadt Offenbach befindet sich weiterhin über der ersten Warnstufe des Eskalationskonzeptes. Die Situation ist immer noch deutlich schwieriger als vor zwei Wochen. Von einer für Corona-Zeiten normalen Lage kann erst wieder gesprochen werden, wenn sieben Tage hintereinander der Wert von 20 Neuinfektionen unterschritten wird. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Offenbach auch gemäß dem Eskalationskonzept des Landes gehalten, besondere Maßnahmen zu ergreifen.“

Wie Gesundheitsdezernentin Sabine Groß mitteilte, wurden seit Freitag in Offenbach 14 neue Infektionsfälle durch das Corona-Virus bekannt. Die 7-Tage-Inzidenz liegt heute bei 21,7 Fällen auf 100.000 Einwohner. Unter den 14 neu positiv getesteten Menschen befinden sich 5 Reiserückkehr und weitere 7 Kontaktpersonen der Busreise in die Niederlande. „Bei diesen 12 der 14 neuen Fälle konnte der Ursprung der Ansteckung nachvollzogen werden. Hier ist davon auszugehen, dass die Infektionsketten unterbrochen wurden. Nur in 2 Fällen kennen wir die Quelle der Ansteckung noch nicht.“ Wie Sabine Groß weiter ausführte, befanden sich 7 der 14 positiv Getesteten außerdem bereits in Quarantäne. Die anderen 7 Personen haben sich außerhalb der Quarantäne angesteckt, fünf von ihnen wurden nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland positiv getestet und zuhause isoliert. „Diese sieben Personen könnten noch unbemerkt weitere Offenbacherinnen und Offenbacher angesteckt haben. Deshalb bleibt das Risiko der Dunkelziffer von Infizierten. Und deshalb gilt weiter: Die Corona-Pandemie ist keine Eintagsfliege und wir können sie nur gemeinsam mit Rücksicht und Solidarität in den Griff bekommen.“

Weil täglich Reisende aus Risikogebieten zurückkommen, bittet auch Oberbürgermeister Schwenke um Vorsicht: „In den kommenden Wochen lohnt es sich doppelt und dreifach, die Masken- und Abstandsregeln nochmals sehr viel ernster zu nehmen, um eine mögliche neue Welle im Keim zu ersticken. Wie schnell es andernfalls gehen kann, haben wir hier in Offenbach in den letzten Tagen ja erlebt.“

Aus diesem Grund blieb auch Gesundheitsdezernentin Groß bei der Bewertung der Situation für Offenbach zurückhaltend: „Die Zahlen haben sich zeitweise verbessert. Sie sind nun aber mit 14 Neuinfektionen in zwei Tagen wieder stark angestiegen. Uns kann jedoch jederzeit ein neues größeres Einzelereignis wieder zurückwerfen. Und auch die Urlaubszeit ist noch nicht zu Ende, weshalb wir jetzt gegen Ferienende noch mit vielen Reisenden rechnen müssen, die infiziert zurückkommen könnten. Die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Virus werden wir deshalb solange aufrechterhalten, wie es in der Sache notwendig ist. Die wichtigste Maßnahme dabei, die jeder selbst treffen kann und muss, ist weiterhin Abstand zu halten, regelmäßig die Hände zu waschen und rigoros eine Bedeckung vollständig über Mund und Nase zu tragen.“

Vor allem die Maskenpflicht ist eine emotional diskutierte präventive Maßnahme zum Schutz vor dem Virus. Mit Unterstützung der Landes- und der Bereitschaftspolizei hat die Stadtpolizei in den vergangenen Tagen großflächig unter anderem die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert. Oberbürgermeister Schwenke und Ordnungsdezernent Peter Freier haben diese Kontrollen mehrfach begleitet (eine Bilanz der Kontrollen veröffentlicht die Stadt in der kommenden Woche). In der S-Bahnstation am Marktplatz beispielsweise mussten die Beamten unzählige Diskussionen mit Menschen führen, die eine Maske entweder gar nicht oder nicht richtig über Mund und Nase trugen. „Man muss es immer und immer wieder sagen: Mit einer Maske schütze ich meine Mitmenschen. Oft bekomme ich zu hören: ,Ich habe keine Angst vor dem Virus, deswegen brauche ich auch keine Maske‘. Diese Einstellung ist nicht nur egoistisch, sondern sie ist auch gefährlich: Ich kann mich ohne Symptome infiziert haben und andere Menschen unbemerkt anstecken. Deswegen ist es so wichtig, dass jeder eine Maske trägt. Viele Menschen haben das leider noch immer nicht verstanden“, so Schwenke.

Auch im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe muss sich das Sicherheitspersonal immer wieder Beschimpfungen anhören, wenn es auf die Maskenpflicht hinweist. Aufgrund weniger uneinsichtiger und pöbelnder Gäste hatte der EOSC als Badbetreiber am 2. August die Sanitärbereiche zum wiederholten Mal für einige Tage schließen müssen. Ein Schritt, den Schwenke und Groß unterstützen: „Es ist sehr unverständlich, wenn Uneinsichtige solche Probleme auf Kosten der Allgemeinheit machen. Der EOSC handelt richtig, wenn er den Sanitärtrakt zum Schutz der Badegäste und seiner Mitarbeiter schließt, wenn anders keine Einsicht erreicht werden kann. So kann zumindest sichergestellt werden, dass das Schwimmbad geöffnet bleiben kann.“

Weitere Zahlen zum Infektionsgeschehen

Mit den am Sonntag veröffentlichten Zahlen sind in Offenbach jetzt 75 Menschen infiziert – so viele zeitgleich wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Eine Person wird aktuell im Krankenhaus behandelt, ihr Zustand ist stabil. In häuslicher Isolation befinden sich die anderen 74 Infizierten sowie weitere 497 Personen, weil sie Kontakt zu einem positiv Getesteten hatten oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind. Damit hat auch die Zahl der Menschen in Quarantäne einen neuen Höchststand erreicht. 239 Menschen sind inzwischen wieder genesen. Insgesamt wurden bislang 323 Menschen in Offenbach positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Todesfälle in Offenbach gab es bisher neun. Drei von ihnen waren in einer Pflegeeinrichtung untergebracht. Bei den Verstorbenen handelt es sich um Personen im Alter zwischen 59 und 102 Jahren.

Alle Informationen zur Lage in der Pandemie und aktuell getroffenen Maßnahmen in Offenbach stehen unter www.offenbach.de/corona im Internet. Sie werden fortlaufend aktualisiert.

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