„Das meiste für den Kreis aus Europa herausholen“

Politik

„Wie weit weg ist Brüssel vom Main-Kinzig-Kreis?“ Srita Heide stellte die Frage natürlich nicht mit Blick auf die geografische Entfernung, sondern auf die Verfassung der Menschen.

Autohaus Koch

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Was bedeutet „Europa“ in ihren Köpfen, für den Alltag, für Unternehmen, für Berufswege, für Handel und, ja, auch für Wandel? Die CDU-Landratskandidatin hatte zum Unternehmerfrühstück eingeladen und, passend zum Thema, die Hessische Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten als Gastrednerin gewinnen können. Lucia Puttrich war eigens dafür nach Bruchköbel gekommen, um heimischen Unternehmern Rede und Antwort zu Europa zu stehen. Und auch die Wahl des Veranstaltungsortes kam nicht von ungefähr: Die Samvardhana Motherson Group, Automobilzulieferer mit weltweit 84.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 7,2 Milliarden US-Dollar, hat sich schon vor Jahren ganz bewusst für den Main-Kinzig-Kreis als Sitz ihrer Europa- und Amerikazentrale entschieden. „Ein starker Kreis zieht eben starke Unternehmen an“, so Heide. Erst vor kurzem hat das Unternehmen seinen Sitz von Gelnhausen nach Bruchköbel verlegt.

„Europas Selbstbewusstsein könnte manchmal etwas größer sein“, so die Europaministerin und nannte gleich einen guten Grund dafür: „Wäre Hessen ein eigener Mitgliedstaat, wären wir das Land mit der viertstärksten Wirtschaftsleistung in der Europäischen Union. Und das nicht nur, weil wir so innovative und starke Unternehmen haben, sondern auch weil wir vom Binnenmarkt und nicht zuletzt von über 70 Jahren Frieden zwischen den Ländern Europas profitieren.“ Das gelte für Deutschland in besonderer Weise, denn die Stabilität des Landes führe dazu, dass viele Unternehmen aus dem Ausland hier investierten.

Srita Heide, die als Politikerin und Unternehmerin über ein großes Netzwerk in Brüssel verfügt, ergänzte die Liste: „Die umfangreichen europäischen Fördermittel unterstützen nicht nur Unternehmen, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger, beispielsweise in Sachen Sport, Kultur oder Umwelt.“ Als herausragendes Projekt nennt sie das „Erasmus“-Förderprogramm, das nicht nur Zuschüsse zu Stipendien bietet, sondern auch für Auslandspraktika während der Ausbildung oder Weiterbildungsprogramme für Lehrer.

Das traf auch auf Zustimmung bei Andreas Heuser, Geschäftsführer vom Chairmans Office von Samvardhana Motherson, denn schließlich ist das Unternehmen wie viele andere auf gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte angewiesen. Von Bruchköbel aus werden von rund 50 Mitarbeitern nebst Auszubildenden die Standorte in Europa und Amerika betreut und gesteuert – mit Rechts-, Versicherungs- und Personalabteilung, Finanz- und Reiseexperten. Heute belegt die Firmengruppe mit indischer Muttergesellschaft Rang 31 unter den weltweit größten Automobilzulieferern und fertigt in seinen 180 Werken unter anderem Cockpits, Türverkleidungen, Stoßfänger und Außenspiegel.

Die zur Diskussionsrunde gekommenen Unternehmer aus dem Main-Kinzig-Kreis verfolgten die Ausführungen von Lucia Puttrich mit großem Interesse und meldeten sich anschließend selbst zu Wort. Dass Deutschland und damit auch der Landkreis von Europa nur profitieren können, darüber waren sie sich einig. Die Politik müsse aber auch mal Größe zeigen, Fehler einräumen und nachvollziehbare Konsequenzen daraus ziehen, so ein Firmenchef aus Gelnhausen. Ein anderer aus Bruchköbel konstatierte, dass Europa nur ein Erfolg werden könne, wenn die Politik konkrete Ziele und „Visionen“ definierten, statt immer nur Geldmittel hin- und herzuschieben.

Die CDU-Landratskandidatin punktete bei der Diskussion mit ihren europapolitischen Kenntnissen, die sie ganz konkret für den Main-Kinzig-Kreis einsetzen wolle. „Europa bietet so viele Möglichkeiten, um auch auf regionaler Ebene zu gestalten“, so die Kreispolitikerin. „Als Landrätin werde ich diese Möglichkeiten optimal nutzen, um das meiste für unseren Kreis herauszuholen.“


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