Gesundheitsakademie: Auch JOH-Gebäude jetzt im Rennen

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„Wir brauchen für eine gemeinsame Akademie für die Ausbildung in Gesundheits- und Pflegeberufen eine breite Unterstützerbasis über möglichst viele Fraktionen hinweg. Es handelt sich für die medizinische und pflegerische Versorgung im Main-Kinzig-Kreis um eine Zukunftsfrage von großer Tragweite und vor allem um eine Zukunftsinvestition, die diese breite Basis verdient hat. Wir werden deshalb auch keinen Standort auf Biegen und Brechen durchsetzen, sondern um breite Akzeptanz werben“, erklären Landrat Thorsten Stolz (SPD), Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann (CDU).

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Die Kreisspitze nehme zur Kenntnis, dass eine externe Begutachtung nicht für die erhoffte Klarheit gesorgt habe. Deshalb wird der Kreis das bisherige Entscheidungsverfahren noch einmal öffnen, um auf die vorgetragenen Kritikpunkte einzugehen und die bisherigen Standort- und Handlungsoptionen neu zu bewerten.

Durch das neu gewonnene Zeitfenster werden die sechs Bewerberkommunen noch einmal in das Verfahren eingebunden. Zudem werden drei Standorte in die Prüfung einbezogen, die im Hinblick auf bereits bestehende Einrichtungen des Kreises sinnvoll sind: Die bestehenden Ausbildungsstätten in Rodenbach bei den Alten- und Pflegezentren, die bestehende Akademie für Gesundheit der Main-Kinzig-Kliniken in Gelnhausen und das Areal des früheren Kaufhauses JOH in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Beruflichen Schulen in der Kreisstadt.

Der Kreisausschuss hat in seiner Sitzung vom Dienstag (19.3.) grundsätzlich alle sechs eingereichten Standortvorschläge als geeignet eingestuft. Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Flörsbachtal, Gelnhausen, Schlüchtern und Wächtersbach hatten sich am Standortwettbewerb beteiligt und dem Kreisausschuss in der Sitzung Anfang März ihre Vorschläge noch einmal näher erläutert. Eine externe Begutachtung hatte auf Grundlage der zum Jahreswechsel eingereichten Bewerbungsunterlagen der Stadt Wächtersbach zudem einen leichten Vorsprung vor Gelnhausen und Bad Soden-Salmünster bescheinigt. Für eine entsprechend klare Empfehlung reichte dem Kreisausschuss diese Grundlage aber nicht. 

„Die vorgetragenen kritischen Argumente hinsichtlich der durchgeführten Standortbewertung nehmen wir nicht nur zur Kenntnis, sondern zum Anlass darauf einzugehen und zusätzliche Kriterien in den Bewertungsprozess aufzunehmen. Dies wird in enger Abstimmung mit den Kreistagsabgeordneten und den sechs Bewerberkommunen geschehen. Der Suchprozess muss ergänzt und von einer breiten Mehrheit getragen und akzeptiert werden, denn das Projekt ist in der Sache zu wichtig, dass es am Ende gar von einigen Akteuren zerredet wird“, so Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Winfried Ottmann. In diesem Zusammenhang mahnt die Kreisspitze auch mehr Sachlichkeit in der Disksussion an: „Es sollte die Sache selbst im Vordergrund der Diskussion stehen. Mancher vergisst mittlerweile, dass es darum geht, die pflegerische und medizinische Versorgung im Main-Kinzig-Kreis fit für die Zukunft zu machen.“

Der Kreisausschuss habe in seiner Sitzung klargestellt, dass er zum Wettbewerb um die beste Standortlösung stehe. Das zusätzliche Pflegepersonal, das in den nächsten Jahren benötigt werde, sei sinnvollerweise in einem modernen, gut angebundenen Umfeld innerhalb des Main-Kinzig-Kreises auszubilden, so Landrat Stolz, der zugleich an die bisherigen Beschlüsse erinnert. Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler knüpft daran an und hebt noch einmal den Kerngedanken der Akademie hervor. „Für mich als Sozialdezernentin ist es wichtig, dass wir am Ende eine Entscheidung für eine gute Ausbildung im Pflegebereich treffen. Wir wollen die Kapazitäten in der Ausbildung erhöhen, die brauchen wir. Wir wollen die gemeinsame Ausbildung neuer Fachkräfte für den Kranken- und Altenpflegebereich erleichtern und Synergien schaffen, das geht an einem zentralen Standort besser als an zwei oder drei verschiedenen. Und damit wollen wir letztlich einen großen Nutzen für die Menschen im gesamten Main-Kinzig-Kreis schaffen“, erklärt Simmler.

Bisherige Kriterien werden ergänzt

Die bisherigen Kriterien für die Suche nach einem geeigneten Standort werden in den weiteren Überlegungen im Ausschuss eine Rolle spielen. In dem Gutachten waren 17 Einzelkriterien angelegt und faktorisiert worden, darunter bauplanerische Aspekte ebenso wie verkehrliche und ökonomische Kriterien, etwa die Fragen: Wie gut sind die Baugebiete erschlossen? Wie schnell ließen sich die Neubauten realisieren? Stehen planungsrechtliche Hürden im Weg? Wie gut erreichbar sind die Standorte, auch über den ÖPNV? Wie sieht die Parkplatzsituation aus? Welche Effekte für den ländlichen Raum und für die städtebauliche Entwicklung wären zu erwarten?

Dieser Prüfkatalog soll nun erweitert werden, „denn das letzte Wort über einen Ausbau der Ausbildungskapazitäten hat nicht die Kreisspitze, sondern das letzte Wort hat der Kreistag“, wie Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann festhält. „Dem Wunsch nach einer breiteren Diskussion und auch nach einer breiteren Beurteilungsgrundlage aus dem politischen Raum kommen wir daher nach.“

Konkret soll der Haupt- und Finanzausschuss damit beauftragt werden, weitere geeignete Kriterien zur Beurteilung der vorgelegten sechs Standorte zu erarbeiten beziehungsweise zu ergänzen. Die Kommunen, die ihre Standorte ins Rennen geschickt hatten, werden in diesen Prozess einbezogen. Die Ausschussmitglieder sollen letztlich einen abschließenden Kriterienkatalog beschließen. Im Anschluss daran übernimmt ein externes, vom Ausschuss ausgewähltes Fachbüro die nochmalige Beurteilung der Standorte anhand dieser Kriterien. Diesen Fahrplan empfiehlt der Kreisausschuss dem Kreistag für dessen Sitzung am 29. März.

Kreis nimmt drei weitere Standorte in die Bewertung mit auf

Durch den zeitlichen Puffer ergibt sich für den Main-Kinzig-Kreis die Möglichkeit, drei weitere Standortoptionen in den Suchprozess einzubringen. Der Kreis lässt den jeweiligen Ausbau der bestehenden Ausbildungsstätten in Rodenbach bei den Alten- und Pflegezentren und in Gelnhausen bei den Bildungspartnern Main-Kinzig (Akademie für Gesundheit) planerisch prüfen. „Es war zunächst klarer politischer Wille, weder die Ausbildung im Bereich der Altenpflege noch im Bereich der Krankenpflege zu bevorteilen, indem wir einen der beiden Standorte ausbauen. Nachdem wir aber den Suchfokus jetzt in einem zweiten Schritt noch einmal weiten, ist es nur verständlich, dass wir auch diese Optionen in unsere Überlegungen einbeziehen“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Aufsichtsratsvorsitzende der Alten- und Pflegezentren Main-Kinzig.

Winfried Ottmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Bildungspartner Main-Kinzig, sieht es ähnlich: „Wir brauchen eine deutlich höhere Zahl an Ausbildungsplätzen für die Pflege. Das wird ohne einen Ausbau der Kapazitäten weder in Rodenbach noch in Gelnhausen zu realisieren sein. Wenn wir uns aber auf die Suche nach der besten Lösung für die Ausbildung aus einem Guss an einem Standort begeben, dann sollten wir diese Lösungswege an den beiden vorhandenen Ausbildungsstandorten auf jeden Fall mit prüfen.“

Als dritten Standort wird der Main-Kinzig-Kreis das Areal der ehemaligen JOH-Immobilie in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Beruflichen Schulen in Gelnhausen untersuchen. Landrat Thorsten Stolz hatte in den vergangenen Monaten bereits Interesse erkennen lassen, dass er die derzeit 13 Außenstellen der Kreisverwaltung im Stadtgebiet von Gelnhausen gerne an weniger Standorten in der Barbarossastadt zusammenfassen würde. „Eine gemeinsame Nutzung von Kreisverwaltung, Beruflichen Schulen und der künftigen Akademie für Gesundheit und Pflege ist eine denkbare und nun auch durchaus realistische Variante“, merkt Landrat Thorsten Stolz an. „Diese Möglichkeit bestand bisher noch nicht, aber die Gremien der Stadt haben vor wenigen Wochen ein komplett neues Verfahren zur künftigen Entwicklung des JOH-Areals initiiert und dies ist jetzt Grundlage, diese Möglichkeit ernsthaft zu prüfen.“

„Alle Seiten haben die Chance, sich konstruktiv und fair einzubringen“

Stimmt der Kreistag dem Vorschlag des Kreisausschusses zu, wird sich der Haupt- und Finanzausschuss in seinen nächsten Sitzungen mit der Erweiterung und den nächsten Schritten der Standortsuche befassen. Anhand des ergänzten Kriterienkatalogs werden dann alle neun Vorschläge durch einen vom Ausschuss beauftragten Gutachter bewertet und dem Kreistag zur Entscheidung vorgelegt. „Für die Kreisspitze ist klar, dass hier kein bestimmter Standort auf Biegen und Brechen durchgesetzt wird. Wir brauchen eine gute und mehr als akzeptable Lösung. Mit der Erweiterung des Suchverfahrens haben alle Seiten die Chance, sich konstruktiv und fair einzubringen“, so Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann abschließend.

Hintergrund: Akademie für Gesundheit und Pflege

Der Main-Kinzig-Kreis will bei der Ausbildung neuer Pflegefachkräfte in die Offensive gehen und zusätzliche Kapazitäten für Nachwuchskräfte im Bereich der Gesundheits- und Pflegeberufe schaffen. Mit einer Akademie für Gesundheit und Pflege soll an einem gemeinsamen Standort die Ausbildung der Kranken- und der Altenpflege gebündelt werden, deren Aus- und Fortbildungsstätten bisher auf verschiedene Standorte und Träger verteilt gewesen sind. Den Plänen nach sollen die Akademie für Gesundheit der Main-Kinzig-Kliniken sowie das Aus- und Fortbildungsinstitut der Alten- und Pflegezentren zusammengeführt werden und in der gemeinsamen Akademie für Gesundheit und Pflege aufgehen. Erste Pläne sehen gemeinsame Ausbildungskapazitäten für 450 Frauen und Männer vor, und damit mehr als jemals zuvor im Kreisgebiet.

Der Mehrbedarf beim Personal ist aus Sicht des Kreises gegeben: Die Kreisspitze weist auf die Zahlen des hessischen Pflegemonitors hin. Demnach waren 2015 im Kreisgebiet 2.832 Pflegefachkräfte und 755 Pflege- und Altenpflegehilfskräfte beschäftigt. Mit 1.411 Beschäftigten ist dabei der stationäre Pflegesektor im Main-Kinzig-Kreis der stärkste. Die Beschäftigtenzahlen in der Krankenpflege sind in den letzten Jahren weitgehend gleich geblieben, in der stationären und ambulanten Altenhilfe hingegen zeigt sich seit 2005 eine starke Zunahme der Beschäftigenzahlen. Die Altersstruktur lässt dabei Rückschlüsse auf den zukünftigen Ersatzbedarf zu. Während der Fachkräftebedarf lange Zeit ungefähr gedeckt werden konnte, fehlten 2016 schon insgesamt 111 Altenpflegerinnen und Altenpfleger sowie 53 Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfer. Auf Grund der demografischen Entwicklung liegt der künftige Bedarf – sowohl für die Altenpflege als auch für die Krankenpflege – deutlich höher. So werden im Main-Kinzig-Kreis altersbedingt und durch die Notwendigkeit der Erweiterung bis zum Jahr 2030 zusätzlich rund 1.000 Pflegefachkräfte benötigt.

Im Jahr 2020 tritt das so genannte Pflegeberufereformgesetz in Kraft. Durch dieses Gesetz wird der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege gelegt. Die bisher im Altenpflegegesetz und im Krankenpflegegesetz getrennt geregelten Pflegeausbildungen werden dann zusammengeführt – die Grundlage für eine gemeinsame Ausbildung aller angehenden Pflegerinnen und Pfleger. Die Pläne für eine künftige Akademie im Main-Kinzig-Kreis sehen zudem vor, dass neben der Ausbildung im Bereich der Pflege auch weitere Ausbildungen und Qualifizierungen an einem zentralen Ort angesiedelt werden. Dazu könnten die Berufe Rettungsdienstsanitäter, Operationstechnische Assistenz und Anästhesietechnische Assistenz gehören.

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